Auch ohne Löw: DFB-Team erfüllt Pflicht in Weißrussland

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Nationalmannschaft - © Foto: Marius Becker
Die Nationalmannschaft lässt sich nach dem Spiel von den mitgereisten Fans feiern. (© Foto: Marius Becker)

Borissow - Auch ohne Joachim Löw hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft den Pflichtsieg in Weißrussland gebucht.

Aushilfschef Marcus Sorg konnte in der EM-Qualifikation beim 2:0 (1:0) in Borissow die Tore des neuen Erfolgsgaranten Leroy Sané (12. Minute) und von Marco Reus (62.) bejubeln. Teil eins des Sechs-Punkte-Auftrags von Bundestrainer Löw, der aus gesundheitlichen Gründen erstmals in seinen 15 DFB-Jahren ein Länderspiel verpasste, ist damit erfüllt worden. Das Resultat hätte indes vor rund 12.000 Zuschauern unter anderem bei Sanés Pfosten-Kopfball (83.) noch deutlich höher ausfallen können.

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Vor dem Urlaub steht nun noch am Dienstag in Mainz die Partie gegen Estland an, das gegen den mit drei Siegen gestarteten Tabellenführer Nordirland mit 1:2 verlor. Deutschland ist nach zwei gewonnenen Spielen Zweiter in Gruppe C. «In erster Linie stand der Sieg über allem, das war das Wichtigste und das haben wir erreicht», sagte Sorg, nachdem er mit allen auf der Ersatzbank abgeklatscht hatte. «Im Großen und Ganzen war es absolut in Ordnung», befand Sorg.

Gelassen mit den Händen in den Taschen konnte er die meiste Zeit seines Debüts als Löw-Vertreter an der Seitenlinie verbringen. «Komisch» sei es ohne den Bundestrainer, weil dieser «unfassbar wichtig» sei, sagte Sorg kurz vor Anpfiff bei RTL. Im dunklen T-Shirt verfolgte der 53-Jährige den durchwachsenen Auftritt der DFB-Auswahl, griff nur selten mit Pfiffen ein, klatschte bei gelungenen Aktionen aufmunternd in die Hände.

Mit der Startelf hatte Sorg durchaus überrascht. Vor allem der Einsatz von Lukas Klostermann war nicht unbedingt zu erwarten. Der Leipziger begann anstelle von Thilo Kehrer von Paris Saint-Germain, weil er gut im Rhythmus sei, erklärte Sorg. Noch am Nachmittag habe er mit Löw telefoniert. Das letzte Wort bei der Aufstellung habe der Bundestrainer gehabt, betonte Sorg wie schon an den Vortagen. Während des Spiels jedoch sollte es keinen weiteren Austausch mit Löw geben.

Erstmals seit er 2004 zum DFB kam, war Löw nicht bei einem Spiel der Nationalmannschaft dabei. Grund war ein Sportunfall. Am 3-4-3-System, mit dem Löw beim 3:2 in den Niederlanden im März einen beeindruckenden Erfolg gefeiert hatte, hielt auch Ersatz-Chef Sorg fest. Für den fehlenden Toni Kroos spielte Ilkay Gündogan im Mittelfeld. Vorn durften wieder Serge Gnabry, Reus und Sané wirbeln.

Hohes Tempo von Beginn an hatte Sorg von seinem Team gefordert. Die Gäste entdeckten früh einige Löcher in der massiven Defensive der Weißrussen. In der 9. Minute scheiterten Gnabry und im Nachschuss der sehr aktive Klostermann noch an Torwart Alexander Gutor.

Drei Minuten später eroberte das DFB-Team durch starkes Pressing den Ball, Joshua Kimmich bediente Sané am Strafraum. Der vom FC Bayern umworbene 23-Jährige von Manchester City ließ noch einen Verteidiger aussteigen und vollendete cool per Schlenzer ins linke Toreck.

Auch danach bestimmte der viermalige Weltmeister das Geschehen gegen den sichtbar limitierten Gegner, gegen den es zuvor beim bislang einzigen Duell 2008 nur ein 2:2 gegeben hatte. Doch zu oft ließ es die deutsche Elf in dieser Phase an letzter Konsequenz fehlen. «Sie standen wie erwartet sehr, sehr tief. Klar ist uns nicht alles gelungen», sagte Torjäger Reus.

Und so musste sich auch Sorg kurz Sorgen machen. In höchster Not rettete Klostermann gegen den völlig frei stehenden Stanislaw Dragun (30.), beim anschließenden Eckball parierte Manuel Neuer mit einem Blitzreflex den Kopfball von Nikita Naumow.

Wie groß das Selbstbewusstsein des Bayern-Torwarts nach seiner bärenstarken Leistung im Pokalfinale wieder ist, zeigte er danach noch mit einem Risiko-Dribbling gegen zwei Weißrussen an der Torauslinie. Sorg allerdings konnte diese kurze Schwächephase nicht gefallen. So manchem seiner Spieler war doch die Pause seit dem Bundesliga-Saisonschluss vor drei Wochen anzumerken.

Gegen den flinken Juri Kowalew hatte die deutsche Abwehr viel Mühe. Vorn wirkte Gnabry oft fahrig, Reus fand eine Stunde lang nicht in die Partie - auch weil auf dem stumpfen Rasen von Borissow das Kombinationsspiel meist nicht flott genug lief. Als aber der überzeugende Matthias Ginter sich schön löste und Reus am Strafraum fand, konnte der Dortmunder Kapitän aus vollem Lauf eiskalt das 2:0 besorgen.

Nun konnte Sorg die Gedanken schon auf den Dienstag und die Partie gegen die Esten richten. Der glücklose Gnabry räumte ebenso vorzeitig zur Kräfteschonung das Feld wie Reus und Gündogan. Nico Schulz, der sehr auffällige Sané und der eingewechselte Julian Draxler hätten in der Schlussphase noch etwas für das Torverhältnis tun können, doch auch so waren längst alle Zweifel am Erfolg des DFB-Teams beseitigt.

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