Giro-Sieg von Carapaz: Südamerikaner läuten neue Rad-Ära ein

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Richard Carapaz - © Foto: Alessandro Di Meo/ANSA/AP
Richard Carapaz gilt in Ecuador wegen seiner Bescheidenheit als Vorbild. (© Foto: Alessandro Di Meo/ANSA/AP)

Verona - Wenn Richard Carapaz demnächst in seine Heimat hoch in den Anden zurückkehrt, darf er sich auf sein Lieblingsgericht freuen. Gegrilltes Meerschweinchen mit Kartoffeln, dazu Melloco - ein Gemüse - und Mais.

Dabei wird es gewiss nicht bleiben, denn der Radprofi ist nach seinem Triumph beim Giro d'Italia in Ecuador längst zum «unsterblichen Helden aller Zeiten» aufgestiegen, wie die Zeitung «El Universo» schrieb. Die Fahrradschule in seinem Heimatort trägt bereits Carapaz' Namen und seit Sonntag steht er auf einer Stufe mit früheren Sportgrößen des Landes wie Ex-French-Open-Sieger Andrés Gómez oder Geher-Olympiasieger Jefferson Perez.

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Soviel Ruhm für einen Mann, der gerade erst 26 Jahre alt geworden ist und noch viel vor hat. «Das ist erst der Anfang. In Zukunft möchte ich das Gelbe Trikot (Tour de France) und das Rote (Vuelta) tragen», kündigte Carapaz nach seinem Sieg in Verona an. Sorgen um seine Zukunft muss er sich nicht machen, ihm stehen alle Türen offen. Das millionenschwere Super-Team Ineos soll sich bereits stark um Carapaz bemühen, schließlich läuft sein Vertrag zum Saisonende bei Movistar aus.

Bei dem britischen Vorzeige-Rennstall läutet Teamchef Dave Brailsford längst die nächste Ära ein. Der Manager ist sich sicher: Nach den britischen Dauer-Erfolgen mit Bradley Wiggins, viermal Chris Froome und Geraint Thomas wird der zukünftige Tour-de-France-Sieger aus Südamerika kommen. Mit dem erst 22 Jahre alten Supertalent Egan Bernal aus Kolumbien hat Ineos bereits vorgesorgt, Carapaz wäre die nächste Größe.

Der südamerikanische Einschlag im Radsport ist längst offensichtlich. Der Kolumbianer Nairo Quintana hatte mit seinen Gesamtsiegen beim Giro (2014) und der Vuelta (2016) den Anfang gemacht, in seinem Windschatten haben sich weitere Topfahrer etabliert. Neben Carapaz und Bernal werden auch die Kolumbianer Miguel Angel Lopez, bester Jungprofi beim diesjährigen Giro, Esteban Chaves oder Daniel Martinez genannt. «Ihre Mentalität hat sich verändert. Sie hatten schon immer die Qualitäten, aber inzwischen ist es den Fahrern auch bewusst, dass sie mit den besten Rennfahrern in Europa mithalten können», sagt Carapaz' Teamchef Eusebio Unzue, der sich auf den südamerikanischen Markt spezialisiert hat.

Denn was alle Südamerikaner gemeinsam haben, sind ihre Kletterfähigkeiten, was bei ihnen allein schon naturgegeben ist. Carapaz ist beispielsweise wie auch Quintana in Höhenlagen von bis zu 3000 Metern aufgewachsen. Dazu kommen Bescheidenheit und Ehrgeiz. So ist etwa der Bauernsohn Carapaz einst mit einem alten BMX-Fahrrad ohne Reifen, Sitz oder Bremsen durch die Berge gefahren. Das Gefährt befindet sich heute als Andenken im Haus seiner Eltern, die zu Ehren ihres Sohnes erstmals ein Flugzeug betreten hatten und nach Italien gereist waren.

Ob sie demnächst auch den Flieger gen Paris besteigen müssen? Ein Tour-Start von Carapaz ist noch ungewiss. Sein Teamkollege Quintana möchte ihn als Helfer an seiner Seite haben. Gleichzeitig stellte der Routinier aber klar: «Ich werde der Kapitän bei der Tour sein. Das hat mir Teamchef Unzue gesagt.»

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