Altkreis HalleNeue Regeln für Fußball-Nachwuchs: Altkreis-Vereine bereiten sich vor

Keine Punktspiele mehr, dafür viele Wechsel, mehr Tore und kleinere Mannschaften. Ab 2024 wird der jüngste Nachwuchs deutschlandweit nach neuen Regeln spielen. Im Altkreis ist man gewappnet.

Claus Meyer

Schießen, bis das Netz sich beult. Ab 2024 dürfte das ein oft gesehenes Bild sein, wenn die jüngsten Fußballer*innen auf kleinen Feldern und auf kleine Tore spielen. - © imago sportfoto-dienst
Schießen, bis das Netz sich beult. Ab 2024 dürfte das ein oft gesehenes Bild sein, wenn die jüngsten Fußballer*innen auf kleinen Feldern und auf kleine Tore spielen. © imago sportfoto-dienst

Altkreis Halle. Mehr Bolzplatz, weniger Wettbewerb. Klingt plakativ, ist aber der Kern der tiefgreifenden Reform, die der deutsche Kinderfußball ab der Saison 2024/2025 erleben soll.

Die Eckpunkte der Reform

Für die künftigen Regelungen hat sich der jüngste DFB-Bundesjugendtag am 22. Januar in Duisburg einstimmig ausgesprochen. Das letzte Wort hat offiziell der DFB-Bundestag am 11. März. Die Neuerungen betreffen die Jahrgänge der kleinsten Nachwuchskicker: G-, F- und E-Jugend. In der G-Jugend (U 6 und U 7) soll im Zwei-gegen-Zwei oder Drei-gegen-Drei auf vier Minitore gespielt werden. In der F-Jugend empfiehlt der DFB das Spiel Drei-gegen-Drei. Möglich sind hier aber auch die Formen Vier-gegen-Vier und Fünf-gegen-Fünf. Fünf-gegen- Fünf bis maximal Sieben-gegen-Sieben heißt es anschließend in der E-Jugend. Hier sollen dann auch stufenweise Kleinfeldtore sowie Torhüter*innen ins Spiel kommen, heißt es in der Stellungnahme des DFB. Meisterschaftsspiele mit Titelkampf soll es in den jüngsten Altersgruppen deutschlandweit gar nicht mehr geben. Spielenachmittage mit mehreren Mannschaften werden sie ersetzen; etwas, das in der „klassischen“ Spielform heute sowieso schon oft der Fall ist. In der G- und F-Jugend sollen die Turniersysteme zudem dafür sorgen, dass es möglichst zu ausgeglichenem Kräftemessen kommt.

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Das sagt der DFB

„Die neuen Spielformen sollen allen Kindern auf dem Platz so häufig wie möglich die Chance geben, den Ball selbst am Fuß zu haben, aktiv am Spiel teilzunehmen, Tore zu erzielen und damit persönliche Erfolgserlebnisse zu haben“, schreibt der Deutsche Fußball-Bund auf seiner Homepage. Um das zu erreichen, sollen zum Beispiel beide Mannschaften nach jedem Tor einen Spieler oder eine Spielerin auswechseln. Insgesamt möchte der DFB die Begeisterung für den Fußball mit den neuen Regeln steigern und die Basis langfristig stärken. „Wir müssen wie Kinder denken, nicht wie Erwachsene“, wird der für den Kinder- und Jugendfußball zuständige DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann zitiert.

Das sagen Altkreis-Clubs

Der SC Halle hat sich mit den neuen Spielformen schon vertraut gemacht. „Bei den letzten möglichen Hallenturnieren haben wir es praktiziert“, sagt Jugendleiter Stefan Weiß. Bambini und Mini-Kicker seien vom Funino, so der ursprüngliche Name des Kleinfeldfußballs, begeistert gewesen. „Ich stehe dem positiv gegenüber, und der Großteil des Vereins auch“, sagt Weiß; denn: „Es ist nicht zielführend, die Kinder am Anfang auf Fünf-Meter-Tore schießen zu lassen.“ Funino biete die Möglichkeit, spielend die Freude am Ball beizubringen. „Jedes Tor ist doch ein positives Erlebnis“, sagt Stefan Weiß und verweist in diesem Zusammenhang darauf, wie viele positive Erlebnisse ein Ergebnis von 17:15 bedeute. „Wir werden das Format bei Turnieren in jedem Fall schon vor 2024 weiter anbieten“, sagt der Jugendleiter. Entsprechende Tore seien schon angeschafft.

Beim SC Peckeloh schaut Jugendleiterin Mathilde Keller auf den März. Dann macht das DFB-Mobil an der Wöste Halt und wird die Jugendtrainer vor Ort in der künftigen Spielform schulen. „Die Idee ist nicht schlecht“, sagt Keller über das neue Regelwerk. Funino ermögliche viel Ballbesitz, führe zu vielen Toren, unterschiedlichen Spielsituationen und vielen Positionswechseln. „Beim Aufbau der Felder wird es schon Aufwand geben. Aber das wird sich einspielen“, sagt die SCP-Jugendleiterin. Ähnlich wie Stefan Weiß vom SC Halle hält auch Keller ein fünf Meter langes und zwei Meter hohes Tor beim jüngsten Nachwuchs für nicht sinnvoll. „Der Torwart hat doch keine Chance, wenn die andere Mannschaft auch nur einen Spieler hat, der hoch schießen kann.“

Beim BV Werther möchte Jugendleiter Holger Margenau zeitnah im Verein das Gespräch suchen und prüfen, „was für Anforderungen auf uns zukommen“. Das könnte möglicherweise auch ein höherer Bedarf an Trainern und Trainerinnen sein. „Wir werden uns wohlwollend mit dem Thema beschäftigen“, so Margenau.

Bei der Spvg. Steinhagen spielen sie „insgesamt schon seit sechs Jahren“ im Training Funino, wie der Jugendleiter Oliver Erdmann sagt. Sein eigenes, von ihm trainiertes Team – mittlerweile die E 1-Jugend im Verein – machte damals den Anfang. Gespielt wird dabei im Drei-gegen-Drei auf vier Tore. Dass der DFB jetzt die Neuregelung auf den Weg gebracht hat, ist laut Erdmann erwartbar gewesen und „hat uns nicht überrascht“. „Wir finden das gut und sind durch unsere Kooperation mit dem FC St. Pauli ja auch schon damit vertraut“, sagt der Spvg.-Jugendleiter. Die Spielform biete „eigentlich nur Vorteile“ für die jüngsten Fußballer und Fußballerinnen.

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