GüterslohFamilie aus der Oberliga-Allee: Diese Handball-Brüder jagen gemeinsam Tore

Die beiden ehemaligen Brockhagener Frederic Grabmeir und Maurice Eweler sind beim Oberligisten TV Isselhorst fest verwurzelt. Trotzdem ist es für beide gerade alles andere als langweilig.

Gregor Winkler

Zusammenhalt: Die Brüder Maurice Eweler (17) und Frederic Grabmeir (4) demonstrieren mannschaftliche und familiäre Geschlossenheit. - © Jens Dünhölter
Zusammenhalt: Die Brüder Maurice Eweler (17) und Frederic Grabmeir (4) demonstrieren mannschaftliche und familiäre Geschlossenheit. © Jens Dünhölter

Gütersloh. Diese Familie befindet sich auf einer Abenteuer-Tour. Und dafür müssen sich Frederic Grabmeir und Maurice Eweler keinen geländegängigen LKW aus Armeebeständen zum Wohnmobil umbauen oder sich in Indiana-Jones-Manier mit der Machete durch den Dschungel schlagen. Sie müssen streng genommen nicht mal Ostwestfalen verlassen. Die Brüder haben mit ihrem Handball-Oberligisten TV Isselhorst in dieser Saison sportliches „Adventure" gebucht.

Ein Aufstieg per Verbandsentscheid brachte den TVI nach der abgebrochenen Corona-Saison jetzt in die Oberliga. Frederic, der ältere der beiden Handball-Brüder, musste aber nicht lange überlegen, um sich für die Teilnahme am größten Erfolg der Vereinsgeschichte zu entscheiden. „Ich habe noch Zeiten erlebt, in denen es gegen den Abstieg aus der Landesliga ging", sagt der 30-Jährige, der sich nach eigener Aussage „seit elf Jahren im Dunstkreis der ersten Mannschaft bewegt" und auch als Jugendtrainer und Funktionär im Klub tätig ist.

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Das Team durfte bestimmen, ob es das Wagnis Aufstieg eingehen will. Frederic, der als Mittelmann auch Führungsfigur ist, sagte für die Expedition sofort zu, sprach erst danach mit seinem Bruder. Da hatte der sich ohnehin längst festgelegt: Die Oberliga soll es ein, auch wenn das junge Team sich eigentlich zunächst einmal in der nächst tieferen Klasse etablieren sollte.

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Der TV Isselhorst jagt gegen Mennighüffen die ersten Punkte

Heimspielgegner des TV Isselhorst ist am Samstag um 18.30 Uhr der VfL Mennigüffen, der mit 2:4 Punkten gestartet ist. „Wichtig ist, dass wir das Spiel auch mal bei 0:0 beginnen", umschreibt TVI-Trainer Markus Jankowski, dass ein Start wie gegen den TuS 97 Bielefeld-Jöllebeck, wo der TVI schnell mit 3:13 hinten lag, unbedingt vermieden werden muss. Konkret heißt das, dass die Fehlerquote im Angriff niedrig gehalten werden muss. „Wir haben gegen Loxten und den TuS 97 mit 30 beziehungsweise 29 Treffern trotzdem viele Tore erzielt", stellt der Coach Positives heraus. Mennighüffen habe trotz eines erfahrenen Halblinken Arne Kröger keinen besonders wurfgewaltigen Rückraum. „Wir müssen deren Kreisläuferspiel unterbinden und den Mittelmann in den Griff bekommen", zählt Jankowski die Defensivaufgaben auf. Kreisläufer Simon Meyer wird nach seiner Verletzung erstmals für den TV Isselhorst auflaufen.

Auch Vater Ralf Grabmeir spielte eine gefühlte Ewigkeit beim TVI

Maurice, der nach seiner Hochzeit den Nachnamen seiner Frau Valerie angenommen hat, kaufte während der Corona-Zeit ein Haus gegenüber seines Elternhauses. Auch Vater Ralf Grabmeir spielte eine gefühlte Ewigkeit beim TVI – zu Bezirksligazeiten. „Die Straße wurde nur die Bezirksliga-Allee genannt, weil hier so viele Handballer wohnten. Nach dem Aufstieg haben einige sie in Verbandsliga-Allee umgetauft", erzählt Eweler. Jetzt müsste sie also Oberliga-Allee heißen.

Während Frederic, abgesehen von einem kleinen Ausflug in der Jugend nach Brockhagen, treu beim TVI blieb, zog es den jüngeren Bruder länger aus dem Dorf fort – aber auch nur bis nach Brockhagen, wo er mit 17 bereits in die erste Mannschaft in der Verbandsliga rückte und später noch mehrere Jahre Landesliga spielte.

Zwei Brüder in der selben Sportart, eifert da der eine dem anderen nach? „Maurice hat in Brockhagen Verbandsliga gespielt, als ich in der Landesliga war – zum älteren Bruder aufschauen war da nicht", sagt Frederic lachend. Später duellierten sich die Grabmeirs in der Landesliga – Frederic aufseiten des TVI, Maurice für Brockhagen. „In meinem ersten Jahr bin ich in Brockhagen eingeschlagen wie eine Bombe, habe in jedem Spiel sieben oder acht Tore gemacht. In den Duellen gegen Frederic sah ich aber nie gut aus", erinnert sich Maurice. „Als Maurice dann nach langem baggern wieder nach Isselhorst gekommen ist, habe ich mich riesig gefreut", beschreibt der Ältere.

„Jetzt werde ich von Spiel zu Spiel sicherer"

Für den Papa wären Derbys mit den Brüdern als Gegner auch eine extrem komplizierte Situation. Seit zwei Jahren hat er eine ganz besondere Bestimmung gefunden: Er schlägt die große Trommel auf der Tribüne. „Er fährt sogar zu Auswärtsspielen mit. Aber Tipps gibt er uns nicht. Er hat ja auch auf einer ganz anderen Position, am Kreis, gespielt", beschreibt Frederic das Verhältnis zum – in sportlicher wie in persönlicher Hinsicht – Vorfahren.

Doch mit seiner Rückkehr begann auch die Leidensgeschichte von Maurice Eweler: Zuerst zwickte die Schulter. Er biss die Zähen zusammen. Doch 2018 war eine OP unausweichlich. Kaum hatte er wieder angefangen, kugelte die Schulter aus. Die nächste OP, die nächste Reha. „Jetzt werde ich von Spiel zu Spiel sicherer", sagt der Linksaußen, „aber ich hebe mir Pulver für die wichtigen Spiele auf."

Bislang lief es nicht gut für den TVI bei seiner Tour durch die unbekannte Liga. Es gab drei Niederlagen in drei Spielen, wobei die Gegner TuS Brake und TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck als Konkurrenz auf Augenhöhe ausgemacht waren. „Man hat phasenweise gesehen, dass wir mithalten können", sagt Regisseur Frederic Grabmeir und verspricht trotz der Misserfolgsserie: „Ich habe noch Bock, und ich habe auch nächstes Jahr noch Bock." Das, so glaubt er, gelte für fast die gesamte Mannschaft. „Wenn die Schulter mitmacht, habe ich auch viel Bock, mit der aktuellen Mannschaft weiter zu spielen", stimmt Maurice zu. Das Isselhorster Abenteuer – für die Familie aus der Oberliga-Allee geht es spannend weiter.

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