Im Alter von 87 JahrenHermannslauf-Gemeinde trauert: Mitbegründer Wolfgang Schlüter gestorben

Ausrichter TSVE 1890 Bielefeld pflanzt einen Baum zum Gedenken an den Begründer des Teutoklassikers. Vor dem Start zum Herbst-Hermann am 10. Oktober ist ihm zu Ehren eine Schweigeminute angedacht.

Stephanie Fust

- © CC0 Pixabay
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Bielefeld. Es war ihm jedes Mal eine große Freude, den Startschuss beim Hermannslauf abzugeben, die vielen Läuferinnen und Läufer auf die Reise durch den Teutoburger Wald zu schicken. Schließlich hat Wolfgang Schlüter den OWL-Klassiker vor 50 Jahren mitinitiiert. Den 49. Hermannslauf im Jubiläumsjahr wird der Bielefelder nicht mehr miterleben. Er starb am Sonntag im Alter von 87 Jahren nach schwerer Krankheit. Die Laufgemeinde in Ostwestfalen-Lippe trauert um den Begründer des Hermannslaufes Wolfgang Schlüter.

Ein Stück seines Lebens sei der Hermannslauf, hatte Schlüter zeitlebens betont. Als Ultraläufer, Extrembergsteiger und Skilangläufer sah er seine sportlichen Leidenschaften in einem Berglauf von Detmold nach Bielefeld mit mehr als 550 Höhenmetern vereint. Die Idee, aus der sich später das größte und beliebteste Breitensportereignis in OWL entwickeln sollte, kam ihm bei einem Spaziergang mit seinem Freund Peter Gehrmann auf der Promenade zur Sparrenburg. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern vom Bielefelder Skiclub hoben sie den Hermannslauf 1972 aus der Taufe und ebneten so den Weg zu einem der beliebtesten Events in der Laufszene.

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Wolfgang Schlüter (Archivbild) - © Andreas Frücht
Wolfgang Schlüter (Archivbild) (© Andreas Frücht)

Als Extrembergsteiger in den Himalaya

Seit 2003 war Schlüter Schirmherr des Hermannslaufes und half stets mit, Widerstände wie behördliche Auflagen zu überwinden und den Fortbestand der Tradition zu sichern. Besonders wichtig war ihm, den ursprünglichen Charakter des Teutolaufs zu erhalten. Stars mit Geld zu locken, lehnte er strikt ab. Ein Wunsch, den der TSVE 1890 Bielefeld als ausrichtender Verein bis heute bewahrte. „Wir sind in Gedanken bei der Familie von Wolfgang Schlüter", sagt Almuth Stief, Chefin des Organisationsteams, stellvertretend für den TSVE. Es sei ihnen ein Anliegen, zum Gedenken an den Begründer des Hermannslaufes einen Baum an der Strecke zu pflanzen.

Der Sport in der freien Natur war Schlüter ein ständiger Begleiter. Den Extrembergsteiger führte es zu vielen aufregenden Expeditionen in den Himalaya. Der Skilangläufer nahm am Wasalauf und am finnischen Hiito teil. Der Läufer absolvierte 30 Marathons und mehr als zwei Dutzend 100-Kilometer-Läufe, die Hermannslaufstrecke lief er bis zum Alter von 70 Jahren 106 Mal, davon 16 Mal im Wettkampf.

Zu gern hätte Wolfgang Schlüter auch den Startschuss zum ersten Herbst-Hermann am kommenden Sonntag abgegeben. Und so erinnert der TSVE Bielefeld mit einer Schweigeminute vor dem Start am Hermannsdenkmal an jenen Mann, ohne den sich der Kult Hermannslauf nie hätte entwickeln können.

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