LokalsportVerrückter Ausflug: „Da liegt man plötzlich einem Wildfremden im Arm“

Oliver Lück verbringt 2016 einen unvergesslichen Tag bei „seinem“ SV Werder.

Andre Schneider

Altkreis Halle. Im Bremer Weserstadion steht es Spitz auf Knopf. Der heimische SV Werder steht einmal mehr mit dem Rücken zur Wand. Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt muss ein Sieg her, um sicher in der Fußball-Bundesliga zu bleiben. Bis zur 88. Minuten zittern die 42.000 Fans, ehe die Chelsea-Leihgabe Papy Djilobodji das Leder zum erlösenden 1:0 für Bremen über die Linie schiebt. Oliver Lück ist einer von diesen 42.000 Anhängern. „Diesen Tag werde ich nie vergessen", sagt der Dissener.

Rückblick: Am 14. Mai 2016 setzt sich der junge Mann ins Auto. Sein Ziel: das Bremer Weserstadion. Er will „seinen" SV Werder beim letzten Saisonspiel unterstützen. Eine Karte hat er allerdings nicht. „Ich dachte, ich fahre einfach mal hin und hoffe, noch eine zu bekommen." Natürlich explodieren die Preise für Tickets in den sozialen Netzwerken oder auf einschlägigen Online-Plattformen. Während der Fahrt nimmt Lück Kontakt zu anderen Fans auf. Er bekommt das eine oder andere Angebot. Doch am Ende entwickeln sich die Dinge anders. „Viele haben mich für verrückt gehalten, einfach so hinzufahren." Ein verrücktes Unterfangen – mit Happy-End.

Der Fan hat großes Glück

Info
Die Ticketserie im HK

• Der FC Bayern schafft zur nächsten Saison die gedruckte Eintrittskarte ab. Für den Umweltschutz, wie der Verein mitteilt. Das Haller Kreisblatt hat diese Entscheidung zum Anlass genommen, im Altkreis nach den emotionalsten Ticket-Geschichten zu suchen. In den kommenden Wochen folgen weitere Erinnerungen an sportliche Höhepunkte, schmerzhafte Pleiten und unvergessliche Erlebnisse.

Oliver Lück stellt sich am offiziellen Ticket-Schalter an. „Die Schlange wurde immer kürzer und kürzer. Die Leute gingen mit Tickets weg." Der Fußball-Fan hat riesiges Glück. Offenbar schöpfen Fanclubs ihre Karten-Kontingente nicht aus. Wenige Momente später hält Oliver Lück das begehrte Papier in den Händen. Lück ergattert einen schönen Sitzplatz nahe der Ostkurve; dort, wo die eingefleischten Fans stehen. „Ich konnte das ganze Spielfeld sehen", berichtet der Fan.

Das Abenteuer Klassenerhalt kann für Oliver Lück am 34. Spieltag der Saison 2015/2016 beginnen. Vor dem Spiel empfangen die Fans den Mannschaftsbus des SV Werder Bremen unter großem Jubel. Nicht ganz so freundlich, aber komplett friedlich kommen die Stars von Eintracht Frankfurt ins Stadion. Der Gästebus muss plötzlich halten – direkt vor Oliver Lück. „Ich konnte direkt in das erschrockene Gesicht von Alex Meier gucken", erinnert sich Lück. Für Frankfurts Offensiv-Künstler sollte das nicht der einzige Schock bleiben. Denn Bremen gewinnt mit 1:0. Frankfurt muss in die Relegation, Werder bleibt drin. „Wie erwartet kein schönes Spiel", kommentiert Lück. Aber immerhin ein emotionales.

Vorsichtige Schritte auf heiligem Rasen

Ab der 88. Minute bleibt niemand mehr sitzen. „Da liegt man plötzlich mit Tränen in den Augen einem wildfremden Mann im Arm", erinnert sich Lück. Nach dem Spiel folgt die einzig logische Konsequenz: Das Spielfeld des Weserstadions füllt sich mit den Fanmassen. Oliver Lück nutzt die einmalige Gelegenheit, den „heiligen Rasen" zu betreten. „Wann hat man dazu schon einmal die Gelegenheit?" Er läuft über das Grün, nimmt ein Stück für zu Hause mit, sitzt auf der Trainer-Bank.

Der Beleg für einen besonderen Fußballtag: Die Eintrittskarte von Oliver Lück, die er völlig überraschend doch noch am Ticketschalter ergatterte. - © Oliver Lück
Der Beleg für einen besonderen Fußballtag: Die Eintrittskarte von Oliver Lück, die er völlig überraschend doch noch am Ticketschalter ergatterte. (© Oliver Lück)

„Werder bedeutet mir einfach sehr viel", sagt der Dissener, der zurzeit in Dortmund studiert. „Wenn ich am Signal-Iduna-Park bin, spüre ich einfach nicht dasselbe wie am Weserstadion." Ein Liga-Spiel des SVW in Dortmund wird Oliver Lück in der kommenden Saison nicht sehen. Die zurückliegende Spielzeit endete für Bremen mit dem Abstieg in die Zweite Bundesliga.

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Aber Oliver Lück will seinem SV Werder treu bleiben – und endlich wieder ins Stadion. „Ich würde auch ein Auswärtsspiel in Sandhausen wahrnehmen", sagt er. Er habe einfach wieder „Bock auf Fußball im Stadion". Und wer weiß – vielleicht schreibt Oliver Lück am letzten Spieltag im Mai ein weiteres unvergessliches Erlebnis in sein persönliches „Werder-Geschichtsbuch". Immerhin steht für die Grün-Weißen dann wieder ein Heimspiel an – diesmal gegen Regensburg.

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