LokalsportWie ein Trainingscamp trotz Corona funktioniert

Der SC Halle und die Fußballschule des DSC Arminia Bielefeld erwarten in der kommenden Woche 20 Kinder. Der Aufwand für dieses Angebot ist groß.

Christian Helmig

Nils Seufert besuchte 2019 die Arminia-Fußballschule in Halle. Diesmal darf kein DSC-Profi dabei sein. - © Christian Helmig, HK
Nils Seufert besuchte 2019 die Arminia-Fußballschule in Halle. Diesmal darf kein DSC-Profi dabei sein. © Christian Helmig, HK

Halle. Die Pandemie und ihre Folgen beherrschen die Schlagzeilen – auch in den sozialen Netzwerken. Angesichts zahlloser Absagen und Einladungen zu Onlineveranstaltungen wirkte ein Post des SC Halle in dieser Woche wie ein Irrläufer. „Auch in diesem Jahr findet das Arminia-Fußballcamp beim SC statt. Einige wenige Plätze sind noch frei“, warb der Verein unverdrossen für seine Trainingsaktion vom 13. bis 16. Mai an der Wasserwerkstraße.

Wie ist so ein Angebot möglich in Zeiten, in denen der Betrieb im Verein ansonsten komplett stillsteht und die Sportanlagen in der Lindenstadt seit zwei Wochen gesperrt sind? Die Antwort liefert ein ausgefeiltes Hygienekonzept des Veranstalters. Die Fußballschule des Bundesligisten DSC Arminia Bielefeld hat es ausgearbeitet und der Haller Stadtverwaltung vorgelegt. Die gab am Donnerstag ihr Okay – und so dürfen sich nun 20 Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis 14 Jahren auf vier Tage Spaß mit dem runden Leder freuen.

„Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das klappt“, gibt Stefan Weiß, Jugendleiter des SC Halle, zu. Die Ankündigung des Vereins traf auf großen Anklang. Augenblicke später war das Camp, an dem Kinder des SC Halle aber auch aus dem Umland teilnehmen dürfen, ausgebucht. „Wir hätten locker doppelt so viele Plätze vergeben können“, sagt Weiß.

Er kann aber auch kritische Stimmen aus dem Verein verstehen, die vermuten, dass hier vermeintlich eine Extrawurst für den prominenten Partnerclub aus der Großstadt gebraten wurde, während das Training der eigenen Mannschaft weiterhin unmöglich ist. Doch Weiß erklärt: „Der Aufwand, den Arminia leistet, um dieses Camp durchführen zu können, wäre für einen kleinen Verein wie uns nicht zu bewerkstelligen. Das würde ein riesiges Loch in unsere Kasse reißen.“

Denn weil Kinder bis 14 Jahre derzeit nur in Kleingruppen bis zu fünf Personen gemeinsam trainieren dürfen, kümmern sich in Halle durchgehend vier Trainerinnen und Trainer um den Nachwuchs. Alle Verantwortlichen müssen an allen Tagen einen aktuellen Negativtest vorlegen. Die 149 Euro, die jeder Teilnehmer zahlt, decken nur einen Teil der Kosten. „Finanziell lohnt sich so ein Camp für uns nicht“, bestätigt Catharina Siemers, Leiterin der Bielefelder Fußballschule. „Aber es ist uns wichtiger, den Kindern in dieser Zeit etwas Abwechslung zu verschaffen und Normalität wiederzugeben.“

Ganz „normal“ wird das Training im Camp trotz aller Bemühungen allerdings nicht ablaufen. Erlaubt sind nur Übungen ohne Körperkontakt, zum Beispiel das Passspiel. Spieler und dürfen zwischen den Trainingsgruppen nicht wechseln. Zuschauer sind nicht zugelassen. Anders als in den Vorjahren darf der SC Halle keine Bewirtung im Clubheim anbieten. Und auch der alljährliche Höhepunkt, der Besuch eines Arminia-Profis, fällt diesmal aus. Die Bundesligamannschaft des DSC befindet sich derzeit in einer von der Deutschen Fußball-Liga angeordneten Quarantäne in Marienfeld.

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