Lokalsport19-jähriger Handballer aus Versmold schnuppert Bundesligaluft

Zum ersten Mal in seiner Karriere steht Alexej Demerza im Kader von GWD Minden. Dass der 19-Jährige beim Sieg über die HSG Nordhorn-Lingen nicht zum Einsatz kommt, demotiviert ihn nicht – im Gegenteil.

Christian Helmig

Beim Auswärtssieg gegen HSG Nordhorn-Lingen saß Alexej Demerza zum ersten Mal bei GWD Minden auf der Bank. - © imago images/Noah Wedel
Beim Auswärtssieg gegen HSG Nordhorn-Lingen saß Alexej Demerza zum ersten Mal bei GWD Minden auf der Bank. © imago images/Noah Wedel

Versmold/Minden. Wer im Sport den nächsten Schritt machen möchte, muss manchmal einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Es ist Anfang April, Alexej Demerza ist seit gut drei Monaten von GWD Minden II an den TV Emsdetten ausgeliehen. In der pandemiebedingten Pause der Drittliga-Saison soll er beim Handball-Zweitligisten Spielpraxis sammeln.

Nur das Athletiktraining im Münsterland, so haben es beide Clubs vereinbart, darf er an diesem Tag wegen der weiten Anreise ausfallen lassen. Dass ausgerechnet in dieser Einheit ein TVE-Spieler positiv auf Corona getestet wird, entpuppt sich für den 19 Jahre alten Versmolder als Glücksfall. „So blieben mir 14 Tage Quarantäne erspart", blickt Demerza zurück.

"Ich habe mich mega gefreut, dass ich diese Chance bekomme"

Und das Schicksal meint es noch besser mit ihm: Nachdem er in seiner Wahlheimat Minden einige Tage lang mit dem Bundesligakader trainiert hat, nimmt Frank Carstens den Youngster vertrauensvoll zur Seite. Zahlreiche verletzungsbedingte Ausfälle im Team haben den GWD-Coach zur Suche nach Alternativen gezwungen. Im Abstiegsduell bei der HSG Nordhorn-Lingen, so offenbart Carstens, würde er Alexej Demerza gerne dabei haben.

„Ich habe mich mega gefreut, dass ich diese Chance bekomme", erinnert sich der Nachwuchsmann an den Moment, in dem seine rasante sportliche Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Knapp vier Jahre nach seinem letzten Spiel für die JSG Bockhorst/Dissen-Versmold in der B-Jungen-Bezirksliga steht Alexej Demerzas Name zum ersten Mal in der höchsten deutschen Spielklasse auf dem Spielberichtsbogen.

Julian Possehl: "Seinen Namen habe ich schon mal gehört"

Die Partie ist eng. Als die Gastgeber in der 57. Minute zum 19:21 treffen, scheint Mindens Sieg noch einmal ins Wanken zu geraten. Nordhorns Torschütze Julian Possehl, 28 Jahre alt, stammt ebenfalls aus Versmold, spielte früher für die SF Loxten. „Seinen Namen hatte ich schon mal gehört", erzählt Alexej Demerza. Viel mehr verbindet die beiden Handball-Generationen nicht – was auch daran liegt, dass sich ihre Wege auf dem Spielfeld an diesem Abend nicht kreuzen.

Demerza sitzt am Ende 60 Minuten lang auf der Bank. Enttäuscht ist er darüber nicht. Zum einen, weil seine Mannschaft mit 22:20 gewinnt. Zum anderen, weil ihm klar ist, „dass unser Trainer in so einem wichtigen Spiel auf die erfahreneren Leute setzt". Einen unvergesslichen Eindruck hat sein erster Ausflug auf die große Handballbühne trotzdem hinterlassen. Und die Motivation, „jetzt erst recht weiterzumachen", damit sein Plan von einer Laufbahn als Handballprofi in Erfüllung geht.

„Alexej hat in den letzten Monaten einen Riesensprung gemacht"

Dass die Zeit von Alexej Demerza noch kommen wird, daran glaubt auch Frank von Behren. „Alexej hat in den letzten Monaten einen Riesensprung gemacht", sagt Mindens Geschäftsführer Sport. „Werfen", antwortet von Behren trocken auf die Frage, was der Rückraumspieler am besten könne. „Er hat richtig Schub im Arm, ist durchsetzungsstark und zeigt im Zweikampf keine Angst", lobt der ehemalige Nationalspieler.

Spielerisch habe Demerza dagegen noch Entwicklungspotenzial. Um dieses auszuschöpfen, haben die GWD-Verantwortlichen den Rechtshänder für die kommende Saison mit einem Platz im sogenannten Anschlusskader ausgestattet. Fünf U 23-Spieler, „die potenziell den Sprung in die erste Mannschaft schaffen können" (von Behren), zählen dazu. Sie sollen dauerhaft mit dem Bundesligateam trainieren und über Einsätze in der Reserve zu gestandenen Profis reifen.

Angebot eines Zweitligisten hat er ausgeschlagen

Das „interessante Angebot" eines Zweitligisten hat Alexej Demerza für seine Zukunft in Minden ausgeschlagen. „Unter Frank Carstens kann ich mich individuell am besten weiterentwickeln", nennt er den Hauptgrund für seine Vertragsunterzeichnung bis 2022.

Mit seinem ersten „echten" Einsatz auf dem Bundesligaparkett wird es dagegen auch am Donnerstagabend noch nichts. Das GWD-Heimspiel gegen den TVB Stuttgart verpasst Alexej Demerza wegen einer Adduktorenverletzung. Wer im Sport den nächsten Schritt machen möchte, braucht manchmal eben auch ein wenig Geduld.

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