LokalsportWas ist das denn? Warum plötzlich diese Bilder im Straßennetz auftauchen

Patrick Kaczynski war es leid, immer auf den gleichen Strecken zu trainieren. Deshalb kam ihm eine kreative Idee. Und mit dieser ist er in der Gegend mittlerweile ein kleiner Star.

Dennis Bleck

Ein Karatekämpfer (oben, von links), ein Frosch, ein Elefant oder der zweite Bizeps: Patrick Kaczynski zeichnet beim Laufen Bilder ins Straßennetz. - © Patrick Kaczynski
Ein Karatekämpfer (oben, von links), ein Frosch, ein Elefant oder der zweite Bizeps: Patrick Kaczynski zeichnet beim Laufen Bilder ins Straßennetz. © Patrick Kaczynski

Melle/Borgholzhausen. Patrick Kaczynski hat mittlerweile Erfahrung im Gespräch mit der Presse. Fast könnte man sagen, er ist in den vergangenen Wochen zum Medienprofi gereift. Regionale und überregionale TV-, Radio- und Printjournalisten haben sich plötzlich für den 30-Jährigen interessiert. Grund ist ein außergewöhnliches Hobby, das der passionierte Langstreckenläufer im Corona-Lockdown entwickelt hat.

Kaczynski ist Künstler. Zugegeben, das allein liefert wenig Grund für das gesteigerte Interesse an seiner Person. Dass der Meller seine Bilder läuft statt malt, erklärt das schon eher. Die Motive, die Kaczynski mit seinen digital erfassten Laufstrecken in das Straßennetz zeichnet, erregen Aufsehen. Egal, ob Elefant oder Frosch. Ob Krake oder Seepferdchen.

Schon in der Schule war Patrick Kaczynski sehr gut in Kunst

Die Idee kam Kaczynski im vergangenen September. Inspiriert durch Instagram: Dort folgt er dem Amerikaner Lenny Maughan, der in San Francisco für seine spektakuläre Straßenkunst bekannt ist. „Ich dachte, was in den USA geht, muss hier doch auch klappen", sagt Kaczynski. Also entwarf er erste eigene Motive, um den immer gleichen Lauf- und Trainingsstrecken etwas Neues abzugewinnen. „Ich war auf der Suche nach neuer Motivation", sagt er: „Und die hab ich auch gefunden."

Schon in der Schule war Kaczynski gut in Kunst. Sogar sehr gut. „Ich war immer ein Einser-Kandidat", sagt er. Für ein Grafikstudium reichte es aber trotzdem nicht. Dafür arbeitet er jetzt im Vertriebsmarketing eines großen Meller Unternehmens. Und ist sehr zufrieden damit.

Straßenkunst bald auch im Altkreis?

Seit rund eineinhalb Jahren lebt der Läufer nun schon in Borgholzhausens Nachbarstadt. Bevor er nach Melle zog, wohnte er in Hamburg. Geboren ist Kaczynski in Lingen an der Ems. Sein Laufverein ist der Lüneburger SV. Noch. Denn auf kurz oder lang will sich der Vertriebsmitarbeiter einen Club in der Region suchen. Vielleicht sogar den LC Solbad Ravensberg. Den kennt Kaczynski nämlich bereits durch Lauf-Events, an denen er teilgenommen hat.

Seine Straßenkunst will er demnächst nicht mehr nur in Melle praktizieren. „Sondern in Osnabrück zum Beispiel oder auch in Borgholzhausen", sagt er. Denn das Bilderlaufen sei nicht nur eine körperliche Betätigung. „Es ist auch ein Denksport", sagt er: „Deshalb bin ich immer wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen – gerne auch in für mich mehr oder weniger fremden Regionen."

Mittelfinger ist für einen Radiosender entstanden

Mindestens einmal in der Woche läuft Kaczynski ein Bild. Hierfür nutzt er Navigationsapps, mit denen er zuvor die Route plant und Wegpunkte miteinander verbindet. Die Motive, die dabei entstehen, denkt er sich oft selbst aus. Manchmal geben ihm aber auch andere vor, was er als nächstes laufen soll. „Es gibt eine Wunschliste, die ich nach und nach abarbeite", sagt der Meller und lacht. Für einen Radiosender etwa ist vor wenigen Wochen ein Mittelfinger entstanden – passend zur Show, dem „Mittelfinger-Mittwoch".

Wie Amerikaner Lenny Maughan auch, teilt Kaczynski seine Kunstwerke auf seinem Instagram-Kanal. Das jüngste Bild ist wenige Tage alt und stellt einen Schafskopf dar.

Kaczynski läuft, seitdem er 17 Jahre alt ist

Kaczynski hat viele Sportarten ausprobiert, bis er beim Laufen hängenblieb. Mit 17 Jahren war das. Bei einem Volkslauf über fünf Kilometer gewann er auf Anhieb seine Altersklasse. „Das hat das Rad ins Rollen gebracht", erinnert er sich heute. Anschließend hat er sich richtige Laufschuhe gekauft und das Training forciert. Mit der Zeit wurde Kaczynski besser und besser.

Mittlerweile hat er mehr als 300 Wettkämpfe absolviert. Darunter viele Marathons und Ultra-Marathons. Wenn die Corona-Pandemie es zulässt, hat Kaczynski die nächsten Veranstaltungen bereits im Kopf. Ebenso seine nächsten Bilder, die er laufen will. „Die Ideen gehen mir nicht aus. So viel ist sicher."

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