LokalsportDieses Altkreisduo arbeitet hinter den Kulissen am Aufstieg

Die Fußballerinnen des FSV Gütersloh grüßen als Spitzenreiter der 2. Bundesliga Nord. An ihrem Höhenflug sind auch der Borgholzhausener Tobias Neumann und Heinz Krüger aus Werther hinter den Kulissen maßgeblich beteiligt.

Christian Helmig

Tobias Neumann freute sich in dieser Woche über die Vertragsunterschrift von Jacqueline Manteas. - © Torsten Zelinski
Tobias Neumann freute sich in dieser Woche über die Vertragsunterschrift von Jacqueline Manteas. © Torsten Zelinski

Altkreis Halle/Gütersloh. Es ist nur eine Nebenrolle, die Tobias Neumann auf diesem Foto spielt. Das zufriedene Lächeln im Gesicht des 38 Jahre alten Borgholzhauseners ist aber selbst durch die Unschärfe des Hintergrunds gut zu erkennen. Vor zwei Tagen hat der stellvertretende Geschäftsführer des FSV Gütersloh erlebt, wie die Fußballerinnen des Vereins mit einem 2:0-Erfolg im Spitzenspiel bei RB Leipzig die alleinige Tabellenführung in der 2. Bundesliga Nord übernahmen. Heute darf er die Rückkehr von Jacqueline Manteas verkünden. Nach fünf Jahren in den USA unterzeichnet das Gütersloher Eigengewächs einen Vertrag bis 2022 bei seinem Heimatverein.

„Die Wertschätzung für den Frauenfußball ist ausbaufähig"

Auch Tobias Neumanns Beziehung zum FSV Gütersloh fing mit einer Unterschrift an. Besser gesagt, mit einem ganzen Stapel davon. Mitte der 2010er-Jahre organisierte er gemeinsam mit dem TuS Solbad Ravensberg einen Nachwuchs-Cup, um Spenden für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zu sammeln. „Wir wollten das damals zu einem großen Event machen", erinnert er sich. Neumann, im Hauptberuf Angestellter der Firma Schüco in Borgholzhausen, holte nicht nur diverse Künstler nach Pium, sondern bat auch die Kickerinnen des FSV Gütersloh um eine Autogrammstunde.

Tobias Neumann (rechts) mit FSV-Geschäftsführer Michael Horstkötter. - © Henrik Martinschledde
Tobias Neumann (rechts) mit FSV-Geschäftsführer Michael Horstkötter. (© Henrik Martinschledde)

Bei dieser Gelegenheit kam er mit dessen Geschäftsführer Michael Horstkötter ins Gespräch. „Ich war von der Arbeit des FSV sehr beeindruckt", blickt Neumann zurück. Dieser Eindruck beruhte offenbar auf Gegenseitigkeit. Als der Zweitligist vor drei Jahren frischen Wind in seine Marketingabteilung bringen wollte, wurden sich Horstkötter und Neumann schnell einig.

Wertschätzung für Frauenfußball ist ausbaufähig

Heinz Krüger fing 1999 als Scout in Gütersloh an. Heute ist er Seniorleiter des Marketings. - © Henrik Martinschledde
Heinz Krüger fing 1999 als Scout in Gütersloh an. Heute ist er Seniorleiter des Marketings. (© Henrik Martinschledde)

Seit 2019 gehört der Piumer, der sein Amt im Vorstand des TuS Solbad kurz zuvor abgegeben hatte, zum Funktionsteam des FSV Gütersloh – offiziell als Zweiter Geschäftsführer. Seine Aufgabe sei es, „den Verein und unsere Spielerinnen nach außen hin sichtbar zu machen", wie er sagt. Dafür knüpft Neumann Kontakte in die Wirtschaft, füttert die Social-Media-Kanäle des Vereins und installierte Anfang des Jahres einen Fanshop auf der Homepage. Ein leichter Job ist das nicht immer. „Dem Ball ist es egal, ob ein Mann oder eine Frau dagegen tritt. In der Gesellschaft ist die Wertschätzung für den Frauenfußball aber noch ausbaufähig", sagt er.

Umso glücklicher ist Tobias Neumann, dass er beim FSV Gütersloh auf die Erfahrung von Heinz Krüger bauen kann. Der 68 Jahre alte Wertheraner ist quasi ein Pionier des Gütersloher Frauenfußballs und hat den Verein in den vergangenen zwei Jahrzehnten maßgeblich geprägt. 1999 war es, als Krügers Tochter Christina, eine spätere U 19-Nationalspielerin, der Jugend des BV Werther entwuchs und in die erste Mannschaft des großen Nachbarn wechselte.

„Ich bin wie ein Außendienstler zu den Eltern gefahren"

Der Vater folgte ihr und übernahm beim damaligen Verbandsligisten das Scouting – die Suche nach jungen Talenten aus der Region. „Ich bin wie ein Außendienstler zu den Eltern gefahren und habe versucht, ihre Kinder für uns zu gewinnen", erzählt Krüger.

Zahlreiche spätere National- und Bundesligaspielerinnen wie Lena Gößling, Kristina Gessat (heute Börner), Maxine Mittendorf (heute Birker) aus Häger, Anna Laue aus Steinhagen oder die Hallerin Franziska Bröckl landeten auf diese Weise in der Kreisstadt. Sie halfen mit, den „Ausbildungsverein" (Krüger) in der der 2. Bundesliga zu etablieren. Seit der Gründung 2004 gehören die Gütersloherinnen der Spielklasse an, unterbrochen nur von der Serie 2012/13, als ihnen sogar der Aufstieg in Liga eins gelang.

Krüger hat seine Aufgaben dem Alter angepasst

„Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich meine Aufgaben meinem Alter anpassen muss", erklärt Heinz Krüger schmunzelnd, warum er das sportliche Tagesgeschäft anderen überließ und sich ab 2016 der Sponsorensuche widmete. Nicht selten muss er dabei zuerst einmal Aufklärungsarbeit betreiben. „Obwohl sich der FSV im Jahr 2009 selbstständig gemacht hat, verwechseln uns viele immer noch mit dem FC Gütersloh", sagt er.

Richtig Fahrt nahm sein neues Steckenpferd auf, als Tobias Neumann zum Team stieß. „Er macht die Arbeit an der Front und bringt gute Konzepte ein, die mir bei der Sponsorensuche helfen", lobt Krüger die Zusammenarbeit mit seinem jungen Kompagnon. Rund 80 Prozent des Etats, der sich im unteren sechsstelligen Bereich („Für die Liga ist das wenig") bewege, holt das Duo nach Krügers Rechnung auf diese Weise in die Vereinskasse.

Generationenwechsel in Gütersloh

Fünf Jahre hatte sich der pensionierte Prokurist eines Bielefelder Reinigungsmittelherstellers damals Zeit gegeben, um den FSV Gütersloh „auf gesunde Füße zu stellen". Die sind nun bald rum. Das Ziel ist nahezu erreicht. „Tobias soll mein Nachfolger werden", sagt Heinz Krüger.

Der Aufstieg in die Erste Liga könnte dem Generationswechsel in Gütersloh einen Schub verleihen. „Abwarten", sagt Tobias Neumann, schließlich markiert das Heimspiel gegen Bocholt an diesem Sonntag gerade erst den Abschluss der Hinrunde. Definitiv geplant sei der Sprung ins Oberhaus aber für 2022.

Wenn alles klappt, wird Tobias Neumann mit auf dem Aufstiegsfoto stehen. Vielleicht wieder im Hintergrund, ganz sicher aber mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

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