LokalsportVereine kämpfen seit Jahren ums Überleben - Beschleunigt Corona das Ende?

Kegeln war ein Volkssport. Doch schon vor Corona ging die Begeisterung dafür merklich zurück. Es fehlt an Nachwuchs. Die Pandemie erschwert die gesamte Situation. Droht dem Sport jetzt der Kollaps?

Dennis Bleck

Marianne Kampwerth ist begeisterte Keglerin. In ihrem Verein, RSK Versmold, warten alle gespannt auf den Re-Start. archivFoto: Florian Gontek - © Florian Gontek
Marianne Kampwerth ist begeisterte Keglerin. In ihrem Verein, RSK Versmold, warten alle gespannt auf den Re-Start. archivFoto: Florian Gontek © Florian Gontek

Versmold. Der Sport weckt Erinnerungen: An Kindergeburtstage. An Kreidetafeln und Mannschaftsabende. An Geselligkeit und gute Laune. Kegeln hat eine lange Tradition. Schon im Mittelalter galt es als beliebte Freizeitbeschäftigung. Jahrhundertelang wurde im Freien gespielt – später dann in Gaststätten. Der Deutsche Kegler- und Bowlingbund (DKB) ist älter als der Deutsche Fußball Bund. Kegeln boomte: Nach der Wiedervereinigung zählte der DKB knapp eine Viertelmillion Mitglieder. Bundesweit waren mehr als 5.000 Vereine gemeldet. Das ist Vergangenheit.

Heute steckt der Sport in einer veritablen Krise. Immer mehr Vereine kämpfen ums Überleben. Vor allem, weil ihnen der Nachwuchs fehlt. Das belegen auch die Zahlen: Der DKB meldet aktuell etwa 71.000 aktive Mitglieder und 1.500 Vereine. Der Durchschnittskegler ist deutlich älter als 50 Jahre. Das bestätigt auch Marianne Kampwerth. Sie kegelt für die RSK Versmold. Als Jugendwartin kümmert sie sich zudem um den Nachwuchs im Verein. Der ist in den vergangenen zwei Jahren geschrumpft, wie sie sagt. In 2019 musste der Club das separate Jugendtraining bereits aufgeben.

„Die Zahl an aktiven Keglern könnte weiter zurückgehen"

Die Entwicklung geht also weiter in die falsche Richtung. Und das Coronavirus droht den Prozess noch zu beschleunigen. In Pandemiezeiten haben viele aktive Sportler die plötzliche Freizeit zu schätzen gelernt. Wie berichtet sinkt in den Vereinen die Zahl an Mitgliedern und Ehrenamtlichen seitdem. Gaststätten und Restaurant, die Trainingsstätten für Kegler, sind zudem seit Monaten geschlossen.

„Die Zahl der aktiven Kegler könnte aufgrund der Pandemie weiter zurückgehen. Die Befürchtung habe ich schon", sagt Kampwerth. Gleichwohl hofft die 68-Jährige, die sich stark in der Versmolder CDU engagiert, „dass das noch nicht das Ende des Kegelsports bedeutet". Zumindest in ihrem Verein haben alle Mitglieder signalisiert, nach der Zwangspause wieder einsteigen zu wollen. Sie selbst habe auch während der Pandemie nie ans Aufhören gedacht. „Im Gegenteil", sagt sie. „Ich freue mich auf den Re-Start."

Hoffnung auf Renaissance des Kegelns besteht

Außerdem hat Kampwerth weiter die Hoffnung, dass Kegeln irgendwann eine Renaissance erfährt. Dafür müsste sich allerdings auch an den Strukturen etwas ändern. „Der Verband hält zu sehr an alten Zöpfen fest", sagt sie. „Der Kegelsport hätte sicher mehr Zukunft, wenn es öffentliche Anlagen gebe. Momentan sind wir in unserer Region sehr stark von Gaststätten und Restaurants abhängig." Und weil immer mehr Wirte ihre Kegelbahnen schließen, schwinden landes- und bundesweit die Trainingsmöglichkeiten.

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Das Problem hat auch DKB-Präsident Uwe Oldenburg erkannt. Im Gespräch mit dem Spiegel sagt er: „Die Sportkegler suchen sich dann meist neue Trainingsstätten und bleiben dem Kegelsport erhalten. Die Hobbyclubs aber hören dann auf und gehen uns als Mitglieder verloren."

Verband arbeitet an seinem staubigen Image

Zuletzt hat der Verband vieles unternommen, um an seinem staubigen Image zu arbeiten. Er suchte den Kontakt zu Schulen oder startete Kampagnen bei Social Media. Die Spiele der Bundesliga kann man mittlerweile live im Internet verfolgen. Einen nachhaltigen Erfolg hat das Ganze bislang aber noch nicht erbracht.

Die Versmolder Keglerinnen und Kegler halten in Coronazeiten via WhatsApp Kontakt. Radfahren und Walken ist nicht erst seit Beginn der Pandemie ein willkommener Ausgleich. Einige halten sich mit privaten Fitnessgeräten in Form. Andere nutzen das Online-Angebot von Fitnessstudios oder Youtube. Alle eint der Wunsch, schnell wieder zurück auf die Bahn zu dürfen. Neue Erinnerungen sollen entstehen.

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