LokalsportInklusive Höhenmeter: Dieser Fußballer trainiert für den virtuellen „Hermann“

Der OWL-Klassiker als Präsenzlauf fällt wieder aus. Das Ersatzangebot ist für viele wie Fußball ohne Publikum. Benjamin Zingler aber ist dabei. Und verrät, auf welcher Strecke er schneller sein möchte als bei seinem persönlichen Rekordlauf 2019.

Claus Meyer

Benjamin Zingler bereitet sich im Teutoburger Wald auf den virtuellen Hermannslauf vor, hier am Bergfrieden in Werther. - © Claus Meyer
Benjamin Zingler bereitet sich im Teutoburger Wald auf den virtuellen Hermannslauf vor, hier am Bergfrieden in Werther. © Claus Meyer

Werther. Lockeren Laufschritts kommt Benjamin Zingler den Waldweg am Bergfrieden herunter. Das Wetter ist gut, der begeisterte Langstreckler nutzt es, um auf dem Kammweg noch etwas Sonne zu tanken. Von seiner Arbeitsstelle in Werther, wo er bei der Volksbank Halle Filialleiter ist, hat er einen kleinen Umweg genommen, ist die fünf Kilometer über Werthers Innenstadt und das Haus Ascheloh bis zum Bergfrieden gelaufen.

Dort angekommen, stoppt Benjamin Zingler seine Laufuhr und registriert zufrieden die 27 Minuten, die ihm das Display anzeigt. Wohlgemerkt: Eine knackige Steigung ist bei der Strecke inklusive – und das Tagespensum ist noch längst nicht erfüllt.

Benjamin Zingler gehört zu den Hermannslaufinfizierten. Am 25. April hätte er sich wie 7.000 andere auch auf den Weg gemacht. Vom Hermannsdenkmal zur Sparrenburg. 31,1 Kilometer. Der 13. „Hermann" in Folge wäre es für den Fußballer vom TSV Amshausen gewesen. Im Ziel hätte er zu den Schnelleren gehört: Seine persönliche Bestzeit von 2:20:54 Stunden bedeutete im Jahr 2019 Rang 230 der Gesamtwertung.

Benjamin Zingler trainiert fünf Mal die Woche

Nun ist vieles im zweiten Coronajahr mit dem Konjunktiv versehen, auch der Hermannslauf. Die 49. Auflage, schon 2020 abgesagt, wird nicht am 25. April stattfinden, zumindest nicht als Präsenzlauf. Der veranstaltende TSVE Bielefeld setzt auf den 10. Oktober als Ausweichtermin (das HK berichtete) „Das wäre ein richtiger Lichtblick", sagt Benjamin Zingler und dürfte für ganz viele sprechen, die den Wettbewerb herbeisehnen.

Das Trostpflaster heißt „virtueller Hermannslauf". Der Sieger von 1988, Martin Sprenger, hat diese Veranstaltung in dieser Zeitung unlängst mit Geisterspielen im Fußball verglichen. Dem Fußballer Benjamin Zingler gefällt der Vergleich. Es wird gespielt, aber das Drumherum fehlt. „Für den Moment ist es okay", sagt Zingler. „Aber ich würde jede Nacht von Borgholzhausen gegen den virtuellen Hermannslauf tauschen." Gleichwohl ist Zingler motiviert.

Zwei bis drei Mal pro Woche fährt er mit dem Bus zur Arbeit und läuft die Strecke zurück nach Hause in Bielefeld. Sonntagmorgens steht eine 22-Kilometer-Runde mit dem Nachbarn auf dem Programm. Fünf Mal in der Woche trainiert Benjamin Zingler insgesamt.

Per App Kontakt zu anderen Sportlern

„Ohne die Apps würde ich es nicht machen", sagt er lächelnd. Er hat Strava Training für sich entdeckt. Mehr als zehn Millionen Downloads hat die Lauf-App im Play Store. Der Austausch auf Strava ist rege. Der zwölffache Hermanslaufsieger Elias Sansar ist dabei, Jan Kerkmann auch, der 2016 und 2018 als Zweiter und Dritter auf dem Treppchen stand. „Man sieht, was die für ein Pensum leisten", ist Zingler begeistert. Er nimmt den Schwung mit und hat sich beim virtuellen Hermannslauf gleich für zwei Disziplinen angemeldet.

Seit dem 26. März und bis zum 25. April um Mitternacht können die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihr Ergebnis über 31,1 Kilometer und zehn Kilometer auf der Plattform Davengo hochladen. Die Strecke dürfen Sportlerinnen und Sportler selbstständig wählen. Benjamin Zingler möchte dem Original möglichst nahekommen.

„Der Lauf sollte von den Höhenmetern wie der Hermann sein"

„Der Lauf sollte von den Höhenmetern wie der Hermann sein", sagt er und beschreibt, wie es von zu Hause die Sieben Hügel hoch Richtung Tierpark geht und weiter zum Fernsehturm und zum Peter. Läuft er über den Kamm und schließt sich die Schleife wieder vor der eigenen Haustür, sind noch einige Kilometer zusätzlich zu laufen, um auf 31,1 Kilometer zu kommen. „Ich hoffe auf 2:15 Stunden", sagt Benjamin Zingler und peilt den Lauf für Mitte April an. Das wäre gut fünf Minuten schneller als bei seiner persönlichen Hermannslauf-Bestzeit 2019. „Aber ich bin jetzt auch besser in Form."

Dann ist es wieder Zeit zum Trainieren. Der Bergfrieden war nur die Zwischenetappe. Es geht wieder hoch auf den Kammweg. Von dort nach Hause. Dann ist das Tagespensum erfüllt. Der Hermann kann kommen. Wenigstens virtuell. Und im Oktober dann hoffentlich auch in Präsenz.

www.hermannslauf.de

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