Elli und Willi: Zwei Hörster Fußballer treffen sich nach 35 Jahren wieder

Heiko Kaiser

Halle/Geretsried. Man sieht sich im Leben immer zweimal. Dass diese Weisheit keine bloße Floskel ist, hat jetzt Elias Diaz erfahren. Sie erinnern sich: Der Stürmer mit spanischen Wurzeln und langem schwarz-gelocktem Haar, der in den 90er-Jahren zum Albtraum für Verteidiger und Torhüter wurde. Ein Fußballer mit Torinstinkt und Technik. Einer, der immer für einen lockeren Spruch gut war und die Vereine fast im Jahresrhythmus wechselte. Kurz gesagt: Ein Typ. Ein Vagabund. Erfolgreich dazu.

Seine fußballerische Wiege stand in Hesseln, wo seine Eltern lebten. Mit zwei Jahren kam der gebürtige Spanier dorthin, machte hier die ersten Schritte auf dem Fußballfeld, spielte dann in der Hörster B- und A- Jugend unter anderem zusammen mit dem späteren Handballer Michael Kölkebeck, mit Rüdiger Gerdes, Eckhard Ramhorst und auch Hans-Jürgen Wilhelm. Kurz „Willi" genannt. „Der war fürchterlich schnell und hatte eine unglaubliche linke Klebe", erinnert sich Diaz.

Elias Diaz (links) und Hans-Jürgen Wilhelm haben sich nach mehr als drei Jahrzehnten wiedergefunden. Allerdings nicht in Halle – sondern in Oberbayern. - © Heiko Kaiser
Elias Diaz (links) und Hans-Jürgen Wilhelm haben sich nach mehr als drei Jahrzehnten wiedergefunden. Allerdings nicht in Halle – sondern in Oberbayern. (© Heiko Kaiser)

Über 35 Jahre hatten beide nichts mehr voneinander gehört. Jetzt haben sie zufällig erfahren, dass sie sich nur wenige Kilometer voneinander entfernt aufhalten. Im oberbayerischen Geretsried. Nachbarn fast, die aber nichts voneinander wussten.

Als Diaz ein Video postet, wird Wilhelm aufmerksam

Erst, als Elias Diaz ein Video mit Fußballszenen seiner aktiven Zeit auf Facebook postete, wurde Wilhelm auf diesen ungewöhnlichen Umstand aufmerksam. „Ich kann’s kaum fassen. Dass es einen aus Halle in ein Kuhkaff nach Bayern zieht, ist die eine Sache. Dass es zwei unabhängig voneinander dorthin verschlägt, die auch noch Fußballkollegen waren, ist aber unglaublich", sagt Elias Diaz.

1990 stürmte Elias Diaz für den SC Halle. Den bezeichnet er auch heute noch als seine alte Liebe. - © Heiko Kaiser
1990 stürmte Elias Diaz für den SC Halle. Den bezeichnet er auch heute noch als seine alte Liebe. (© Heiko Kaiser)

2002 war der damals 41-Jährige nach Geretsried gezogen – der neuen Liebe wegen und auch aus Enttäuschung über eine alte Liebe. Denn so nennt Diaz bis heute den SC Halle, für den er Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre spielte, dessen Entwicklung er auch aus der Ferne beobachtet und der ihn einmal so schwer enttäuscht hatte. Wenn er davon erzählt, ist noch immer spürbar, dass ihn diese alte Geschichte bewegt. 2002 sollte er SC-Trainer werden. Der Fußballvorstand hatte bereits alles vorbereitet. Doch der damalige Vorsitzende des Gesamtvereins, Henning Witte, verweigerte die Unterschrift. „Es war eine persönliche Sache zwischen uns", sagt Diaz heute.

Heute habe er nur noch wenige Kontakte zu ehemaligen Sportkollegen. Der Ex-Arminia-Profi Josef Ivanovic ist einer von ihnen, Alessandro Solito, Stürmerlegende des SC Peckeloh ein anderer. Diaz spielte zudem auch auch bei der Spvg. Steinhagen in der Landesliga, beim SC Peckeloh, bei der TSG Harsewinkel oder unter Trainer Peter Albersmeier beim VfB 03 Bielefeld.

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Wenn Elias Diaz jedoch gefragt wird, an was er sich besonders erinnert, nennt er die Zeiten im Haller Trikot. Alte Liebe eben. „Diese Spiele in der Osningkampfbahn. Und immer ging es für uns um den Aufstieg. Doch geschafft haben wir ihn nie", sagt er, und das klingt ein bisschen wehmütig. Dann nennt er Namen aus dieser Zeit: „Werner Haskenhoff, die Tischlers, Uwe Meckfessel oder Uli Borm." Da haben in der A-Liga super Fußballer gespielt. Heute muss man dazu nur geradeaus laufen können. Da spielen Hinz- und Kunz in der Landesliga", fügt er hinzu. Immer ein lockerer Spruch, auch heute noch.

Elli ist inzwischen ruhiger geworden. „Seit einem Herzinfarkt 2015 muss ich etwas piano machen", sagt er. Die Zeit nagt auch an einem Hans Dampf wie ihm. Als er vor kurzem hörte, dass einige der ehemaligen Mannschaftskameraden bereits gestorben sind, kam ihm die Idee mit dem Video.

Hans-Jürgen Wilhelm, der nach der Jugendzeit in Hörste von 1982 bis 1993 für den TSV Amshausen spielte, ist hingegen immer noch sportlich aktiv. Zumindest, wenn es die Gesundheit zulässt. Denn der heute 57-Jährige plagt sich mit hartnäckigen Fuß- und Schulterbeschwerden. Die Bälle, die er bearbeitet, sind zudem kleiner und gelb geworden. Hans-Jürgen-Wilhelm, der in Halle den Trainerschein gemacht hat, ist nebenberuflich als Tennistrainer tätig. Auch „Willi" zieht es der Liebe wegen immer häufiger nach Bayern. Dort lebt seine Lebenspartnerin, eben in Geretsried.

Hans-Jürgen Wilhelm stürmte einst für den TSV Amshausen. - © Heiko Kaiser
Hans-Jürgen Wilhelm stürmte einst für den TSV Amshausen. (© Heiko Kaiser)

Am Donnerstag haben sich die Mannschaftskollegen aus Jugendzeiten erstmals wiedergesehen. In Bad Tölz, wo Hans-Jürgen Wilhelm einen Termin bei einem Facharzt wahrnahm. Um ein gemeinsames Foto zu machen, für die Heimatzeitung. „Ich habe ihn sofort erkannt, trotz Maske", sagt Hans-Jürgen Wilhelm. „Schließlich habe ich ja mit ihm so manche Stunde auf dem alten Kleinfeldplatz in Halle gebolzt. Da, wo heute das Gerry-Weber-Stadion steht."

Wenn es nach ihm geht, wird es nicht das letzte Treffen gewesen sein, zumal er sich mit dem Gedanken trägt, mittelfristig ganz nach Geretsried zu ziehen. „Den lasse ich nicht wieder gehen", sagt „Willi". Denn so oft bekommt man schließlich nicht die Gelegenheit, in der oberbayerischen Provinz mit Jugendfreunden, alte Erinnerungen auszutauschen.

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