„Ich laufe bis zum bitteren Ende“ - Trauer um beliebten Altkreis-Sportler

Harry Bunte wurde 88 Jahre alt. Der Spaß an der Bewegung begleitete ihn bis zu seinem Tod.

Christian Helmig

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Borgholzhausen/Halle. „Ich laufe bis zum bitteren Ende", hat Harry Bunte einmal gesagt – und dabei gelächelt. Das war im Jahr 2019. Gerade hatte er als ältester Teilnehmer des Oesterweger Feuerwehrlaufes die Ziellinie überquert. Der Spaß am Sport und an der Bewegung war es, der dem Haller bis ins hohe Alter eine beneidenswerte körperliche und geistige Gesundheit beschert hat. Jetzt ist Harry Bunte tot. Mit 88 Jahren erlag er am Montag einem Herzinfarkt.

Wenige Tage vorher hatte Harry Bunte noch mit einem langjährigen Weggefährten vom LC Solbad Ravensberg telefoniert. „Er war gut drauf, wie immer", erinnert sich Werner Ahlemeyer. Bunte habe ihm von einem mehrwöchigen Aufenthalt über Weihnachten bei einem seiner zwei Söhne in Augsburg berichtet. Dort hatte er den ausgiebigen Schneefall genossen und zum Skilanglauf entlang der Lech genutzt. Zurückgekehrt war er, weil er einen Termin für die Corona-Impfung bekommen hatte.

Auch ein Urlaub auf Texel war für dieses Jahr fest eingeplant. Auf seiner Lieblingsinsel hatte sich Harry Bunte viele Jahre lang mit dem LC Solbad Ravensberg auf den Hermannslauf vorbereitet und war immer wieder dorthin zurückgekehrt.

39 Jahre lang gehörte Harry Bunte dem Verein an. Gute Kondition brachte der erfahrene Wintersportler bereits mit, als ihn einige Mitglieder damals zum Lauftraining bei Martin Hirschfeld in Brockhagen einluden. Auch ohne Bretter unter den Füßen war Bunte schnell und ausdauernd unterwegs. Und er wurde mit dem Alter immer besser. Seinen größten Erfolg feierte der Dekorateur, der viele Jahre ein eigenes Gardinengeschäft an der Haller Bahnhofstraße geführt hatte, bei der Senioren-Europameisterschaft 2002 in Potsdam.

Harry Bunte war bei vielen Volksläufen ein gern gesehener Gast. - © Christian Helmig
Harry Bunte war bei vielen Volksläufen ein gern gesehener Gast. (© Christian Helmig)

EM-Silber über 10.000 Meter war sein größter Erfolg

In einem von großer Hitze geprägten Rennen über 10.000 Meter musste sich Bunte nur dem Italiener Luciano Acquarone geschlagen geben. In glänzenden 43:40,22 Minuten sicherte sich der M 70-Senior die Silbermedaille. Zehn Jahre später legte der vierfache Großvater bei den westfälischen Bahn-Meisterschaften in Bad Oeynhausen über 5.000 Meter eine weitere Klassezeit hin: 25:12,69 Minuten hätten bei bei der WM in der Altersklasse M 80 Platz zwei bedeutet.

In bester Erinnerung wird Harry Bunte seinen Sportfreunden aber nicht nur wegen seiner Leistungen und Platzierungen bleiben. „Er war ein sehr netter, aufgeschlossener Mensch, der immer einen lustigen Spruch drauf hatte und sich auch um andere sehr gekümmert hat", blickt Werner Ahlemeyer zurück.

Lothar Breiter kann dies nur bestätigen. „Wenn es darum ging, bei unseren Veranstaltungen zu helfen, konnten wir uns immer auf Harry verlassen. Gleichzeitig hat er sich nie in den Vordergrund gedrängelt", sagt der Vorsitzende des RC Teuto. Auch bei den Radsportlern aus Halle war Harry Bunte seit mehr als 30 Jahren aktives Mitglied. Bei den regelmäßig am Donnerstag stattfindenden Radwandertouren fehlte er selten. Für mehrtägige Ausflüge war er ebenso immer zu haben wie für weite Reisen rund um den Globus. Zuletzt drehte Harry Bunte seine Runden auf dem E-Bike – etwas langsamer, aber immer mit jener Freude und Ausdauer, die ihm bis zu seinem Tod ein erfülltes Leben ermöglicht hat.

Die Trauerfeier für Harry Bunte findet am Montag ab 12 Uhr in der Haller Friedhofskapelle statt. Lothar Breiter, der neben dem Verstorbenen unzählige Kilometer im Sattel gesessen hat, wird seinen Sarg tragen. Dafür ist er dankbar. „So kann ich Harry auch auf seinem letzten Weg noch begleiten."

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