LokalsportBeste Freunde: Dieses geniale Duo versteht sich seit der E-Jugend blind

Als Mittelmann und Kreisläufer dominierten die Handballer Matthias Baier und Dennis Klack jahrelang das Angriffsspiel der TG Hörste. Trotz lukrativer Angebote haben sie ihren Verein nie verlassen.

Johnny Dähne

In der Saison 2003/04 stiegen Dennis Klack (links) und Matthias Baier zum ersten Mal gemeinsam mit der TG Hörste in die Landesliga auf. 2013 gelang ihnen das Kunststück erneut. - © Rolf Uhlemeier
In der Saison 2003/04 stiegen Dennis Klack (links) und Matthias Baier zum ersten Mal gemeinsam mit der TG Hörste in die Landesliga auf. 2013 gelang ihnen das Kunststück erneut. © Rolf Uhlemeier

Hörste. Hagen Hessenkämper hat es versucht. Der in Halle lebende Coach – später selbst bei den „Rothosen" als Trainer aktiv – wollte das Duo Baier/Klack zu seinem damaligen Klub HSG Gütersloh lotsen. „Durch die räumliche Nähe zwischen Hörste und Gütersloh und der sportlichen Perspektive hatte ich sie damals angesprochen. Auch als Persönlichkeiten hätte ich sie gerne gehabt", sagt Hagen Hessenkämper.

Am Ende wurde es nichts aus einem Wechsel, auch weil die TG Hörste in der Saison 2003/04 in die Landesliga aufstieg. Da wollten wir unbedingt dabeibleiben", erklärt Matthias Baier, der in seiner aktiven Zeit mit Kollege Dennis Klack 2013 noch ein zweites Mal den Sprung in die Landesliga schaffte.

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Beide zusammen hätten aber auch in der Oberliga zum Ball greifen können: Als der TuS Brockhagen zwischen 2008 und 2010 zwei Jahre in der höchsten westfälischen Spielklasse gastierte, suchte Uli Deppe den Kontakt zu den beiden Ur-Hörstern. „Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Uli hatte uns nach dem Training auf dem Weg nach Hause mit seinem Fahrrad abgefangen", berichtet Dennis Klack schmunzelnd. Der Grandseigneur des Brockhagener Handballs saß schließlich bei den Klacks im Wohnzimmer und versuchte, das dynamische Duo von einer Veränderung von dem einen hin ins andere Handballdorf zu überzeugen. Der Ausgang ist bekannt: Auch die Aussicht auf Spiele in der vierthöchsten deutschen Liga war kein schlagendes Argument.

Persönliches Playbook stellt die Gegner vor Rätsel

Doch was machte die Achse Baier/Klack so attraktiv für höherklassige Vereine? Unbestritten ist bis heute ihr sprichwörtlich blindes Verständnis für Spielsituationen. „Jens Großpietsch hat mal gesagt, dass wir uns den Ball auch in einer stockdunklen Sporthalle zupassen könnten. Das trifft es ganz gut", sagt Matthias Baier. „Wenn man schon Silberhochzeit auf dem Spielfeld feiert, sollte sich das auch bemerkbar machen", ergänzt Dennis Klack, den sie in Hörste liebevoll nur „Bulle" rufen.

Nachdem sie in der E-Jugend zum ersten Mal dem Handball hinterherliefen, spielten die beiden immer zusammen in einer Mannschaft – bis zu Baiers Rücktritt im Jahr 2013. Dabei war die Aufgabenteilung immer klar: Baier bekommt den Ball – und wartet auf einen günstigen Moment, um das Spielgerät zu seinem kongenialen Partner an den Kreis zu passen. Das überwiegende Resultat: Mindestens Freiwurf, meist ein Tor oder ein von „Bulle" herausgeholter Siebenmeter. „Ich selbst war nie so torgefährlich. Das ging mit meinem Mäusehammer auch nicht", erläutert der 38-jährige Familienvater selbstironisch in Anspielung auf seinen semi-harten Torwurf. Der ein Jahr jüngere Klack pflichtet ihm lachend bei: „Das stimmt. Wenn Matze mal sechs bis acht Tore in einem Spiel geworfen hatte, war direkt Party in der Kabine."

Schon in der E-Jugend spielten Dennis Klack (links) und Matthias Baier (4. von links) in einer Hörster Mannschaft. - © TG Hörste
Schon in der E-Jugend spielten Dennis Klack (links) und Matthias Baier (4. von links) in einer Hörster Mannschaft. (© TG Hörste)

Dass Dennis Klack nicht selten durch eigene Tore und herausgeholte Siebenmeter für eine zweistellige Anzahl von TGH-Treffern (mit-)verantwortlich war, lag an den vielen Varianten, die sich die beiden im Laufe der Jahre in ihr persönliches Playbook schrieben. „Nur mit Sperre/Absetzen wie in der Jugend kam man irgendwann nicht weiter. Da mussten wir uns überlegen, wie wir die Abwehr, die ja oft auf unsere Aktionen eingestellt waren, in Bewegung bekommen", sagt Baier. Scheinsperren, Außenspieler isolieren, Anspiele durch die Beine – die beiden spielten über ein Jahrzehnt die ganze Klaviatur der Achse Mittelmann/Kreisläufer. Oft erahnten die Gegenspieler die Aktionen der beiden – verteidigen konnten sie es am Ende selten.

Spezielle Beziehung findet auch neben dem Platz eine Fortsetzung

Dazu passt eine Anekdote aus einem Derby gegen den TV Isselhorst, das wegen einer geschlossenen Masch in Brockhagen ausgetragen wurde. „Wir mussten nach dem Spiel die Halle säubern – darunter auch die Kabinen", erinnert sich Dennis Klack, ehe sein Passgeber von einst die Unterhaltung übernimmt: „In Isselhorsts Kabine klebten auf dem Spiegel taktische Konzepte von uns. Dort war genau eingezeichnet, wie wir beide uns bewegen", erklärt Matthias Baier. Die Pointe: Genau diese Aktionen funktionierten im Spiel, das die Hörster gewannen, äußerst oft.

Dass diese spezielle Beziehung auch neben dem Platz seine Fortsetzung fand und findet, überrascht nicht. Die beiden sind beste Freunde, Patenonkel der Kinder des anderen und üben sogar denselben Beruf aus. „Matze war zwei Schuljahre vor mir und da hat man immer mal geschaut, was er macht. Als er Physiotherapeut wurde, habe ich das auch für mich ausprobiert", erzählt Dennis Klack, der allerdings nicht in derselben Praxis arbeitet wie sein Freund. Auch in Pandemiezeiten halten die beiden engen Kontakt: Ob bei virtuellen Meetings mit alten Teamkameraden oder ihren langen Fußball-Manager-Abenden am PC – lange Zeit ohne ihren „Spezi" halten die zwei nicht aus.

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