LokalsportDie Gefahren nach dem Lockdown: Orthopäde warnt vor schweren Verletzungen

Michael Dickob fürchtet vor allem, dass sich viele Sportler am Knie verletzen, wenn es mit dem Teamsport wieder losgeht. Vorbeugung sei deshalb die erste Sportlerpflicht.

Peter Burkamp

Orthopäde Michael Dickob fürchtet vor allem, dass vermehrt Kreuzbandrisse auftreten können. - © Ralph Struck
Orthopäde Michael Dickob fürchtet vor allem, dass vermehrt Kreuzbandrisse auftreten können. (© Ralph Struck)

Altkreis Halle. Der zweite Lockdown sorgt für Stillstand in vielen Lebensbereichen. Auch im Sport, besonders in den Ball- und Mannschaftssportarten. Die Aktiven pausieren oder behelfen sich mit individuellen Fitnesseinheiten. Und sie laufen. Die Zahl der Jogger und ambitionierten Läufer ist im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit spürbar gestiegen. Wann wieder gemeinsames Training möglich ist, bleibt offen. Irgendwann wird es losgehen. Der Rückkehr in den kompletten Trainings- und Spielbetrieb sieht Michael Dickob (59) allerdings mit einer gewissen Sorge entgegen.

Der Orthopäde und Unfallchirurg, der seit vielen Jahren Mitglied im LC Solbad Ravensberg ist, hatte nach dem ersten Lockdown einen Anstieg an schweren Knieverletzungen registriert. „Während des ersten Lockdowns sind die Fälle von Kreuzbandrissen gegen null gegangen. Relativ kurz nachdem es wieder mit dem Mannschaftstraining losging, ist die Zahl der Patienten dann drastisch gestiegen. Das hat mir zu denken gegeben."

Dickob steht mehr als 100 Mal pro Jahr wegen eines Kreuzbandrisses im OP

Dickob, der von 1996 bis 2012 Arminias Fußballprofis betreute und seit 2004 für die Handballer des TuS N-Lübbecke als Sportmediziner tätig ist, befürchtet eine ähnliche Entwicklung nach dem aktuellen Lockdown: „Ich möchte die Leute animieren, mehr im Bereich der Vorbeugung zu tun. Das ist mir eine Herzensangelegenheit." Es gebe viele Studien, die belegten, wie Prophylaxe das Verletzungsrisiko mindern könne.

Michael Dickob. - © Mike Rehm
Michael Dickob. (© Mike Rehm)

Dickob appelliert an Hobbysportler, Vorsorge zu treffen und die Kniegelenke durch spezifische Übungen zu stärken. Gerade im Breitensport sehe man eine zu hohe Zahl an schweren Knieverletzungen: „Das sollte ein Warnsignal sein. Ich habe in einer Fußball-Kreisliga-Mannschaft innerhalb von zweieinhalb Jahren fünf Kreuzbandrisse operiert", berichtet Dickob. Auch wenn man Kreuzbandrisse heutzutage sehr gut operieren könne, dürften sie nicht zur Normalität werden.

„Das ist keine Bagatelle, und wir sollten uns nicht an eine hohe Zahl dieser Verletzungen gewöhnen", sagt Dickob, der mehr als hundertmal pro Jahr wegen eines gerissenen Kreuzbandes im Operationssaal steht. Selbst wenn die Prognose nach gut verlaufenen Operationen verbessert sei, bleibe ein fünffach erhöhtes Arthroserisiko im Vergleich zu Menschen der gleichen Altersgruppe ohne operierten Kreuzbandriss.

So können Sportler Verletzungen vorbeugen

Dickob rät den vielen Hobbysportlern, die es kaum abwarten können, möglichst bald wieder Fuß-, Hand-, Basket- oder Volleyball zu spielen, jetzt vorzubeugen. „In der Vorbereitung drei Mal die Woche 20 Minuten spezifisches Training. Während der Saison sollte man begleitend mindestens in einer Einheit wöchentlich laufen", sagt Dickob.

Die Übungen könnten allein und zu Hause absolviert werden. „Es gibt im Internet gute Angebote, da wird einem nicht langweilig." Dickob empfiehlt das Trainingsprogramm „Stop x" von 2018 der Deutschen Kniegesellschaft mit diversen Erklärungen und Übungsbeispielen. Speziell für Fußballer seien auch die Angebote des DFB sehr gut geeignet.

Info
Tipps für Läufer: Regeneration und gute Schuhe

•Aktuell registriert Michael Dickob in seiner Praxis auch viele Patienten mit Problemen, die durch verstärktes Joggen oder Laufen entstanden sind. Eine größere Zahl von Lauf-Überlastungsschäden kennt der Sportmediziner sonst nur aus der Zeit um den Hermannslauf. „Ich hatte auch einen Fall von einem Stressbruch an der Hüfte", berichtet der Orthopäde. Gerade letztere Problematik könne entstehen, wenn jemand zu viel laufe.

• Deshalb rät Dickob: „Man sollte sich nicht unter Druck setzen durch irgendwelche Apps und es nicht übertreiben. Es ist sinnvoll, langsam anzufangen und nicht gleich 15 Kilometer am Stück zu laufen. Man sollte auch nicht jeden Tag laufen, der Körper braucht Zeit, um zu regenerieren."

• Gute Schuhe seien sehr wichtig, mal eine andere Strecke zu nehmen und mit wechselndem Tempo zu laufen ebenfalls. Zu Beginn sollte man nicht öfter als dreimal die Woche laufen. Auch für Jogger und Läufer seien die Übungen zur Prävention von Knieverletzungen übrigens sehr hilfreich, empfiehlt Michael Dickob.
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