Wie geht's im Fußball weiter? Erste Trainer fordern einen Saisonabbruch

Mit der Regelung, die Fußball-Saison bei 50 Prozent ausgetragener Spiele zu werten, hat sich der Verband für eine Entscheidung über eine Fortsetzung Zeit verschafft. Bei den Verantwortlichen der Vereine scheinen Wille und Glaube aber zunehmend zu schwinden.

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„An einer Annullierung führt kein Weg vorbei", meint Spvg. Steinhagens Trainer Igor Sreckovic (links, mit Marcel Rohde). - © Christian Helmig
„An einer Annullierung führt kein Weg vorbei", meint Spvg. Steinhagens Trainer Igor Sreckovic (links, mit Marcel Rohde). (© Christian Helmig)

Altkreis Halle (helm/fupa). Bis zum 14. Februar gilt die aktuelle Corona-Schutzverordnung. Damit ist klar: Der am selben Tag geplante Start in den zweiten Saisonteil fällt im gesamten Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) flach. Im Kreis Bielefeld sind die Staffelleiter sogar schon einen Schritt weiter: Sie haben alle Spieltage im Februar abgesetzt. Ob überhaupt und wenn ja, wie die Saison fortgesetzt werden soll, daran scheiden sich bei den heimischen Vereinsvertretern die Geister.

Westfalenliga

SC Peckelohs Obmann Jan Fahrenwald. - © Claus Meyer
SC Peckelohs Obmann Jan Fahrenwald. (© Claus Meyer)

Jan Fahrenwald (Obmann und Co-Trainer SC Peckeloh): „Die Ungewissheit, die derzeit herrscht, ist für niemanden gut. Der Verband würde sich und den Vereinen deshalb einen Gefallen tun, wenn er die Saison jetzt abbricht und damit klare Verhältnisse schafft. Selbst wenn es gut läuft und der Lockdown am 14. Februar endet, wäre es utopisch, dass wir vor Mitte März wieder einen Fußballplatz betreten. Das letzte Spiel wäre dann fünf Monate her. Dass sich so eine lange Pause nicht mit drei, vier Wochen Training aufholen lässt, weiß jeder, der sich schon mal etwas schwerer verletzt hat. Und auch wenn es im April wieder weitergehen würde, wäre das Thema Corona ja noch nicht vom Tisch."

Andreas Brandwein (Trainer VfL Theesen): „Ich bin überzeugt, dass wir in dieser Saison nicht mehr spielen werden. Eine Wertung wäre somit nicht möglich, was auch fair ist. Praktikabel wäre es aus meiner Sicht, die laufende Saison einfach ab Sommer fortzusetzen. Aus Vereinssicht wäre ein Abbruch keine schlechte Lösung. Aufgrund rückläufiger Einnahmen, die der Pandemie geschuldet sind, könnte der Verein die Ausgabenseite entsprechend anpassen, was für die neue Saison sicher etwas mehr Spielraum schaffen würde."

Landesliga

Igor Sreckovic (Trainer Spvg. Steinhagen): „Ich glaube nicht, dass wir vor dem Sommer wieder Fußball spielen – wenn überhaupt dieses Jahr noch was gehen sollte. In meinen Augen führt kein Weg an einer Annullierung vorbei, weil eine komplette Saison nicht zu schaffen ist. Und auf Teufel komm raus 50 Prozent zu spielen, wäre auch nicht fair. Ohne Hin- und Rückspiel findet letztendlich kein fairer Wettkampf statt."

Jens Horstmann (Trainer TuS Dornberg): „Jetzt schon über eine Annullierung zu spekulieren, finde ich etwas vorschnell. Aus meiner Sicht wäre die Hinrunde problemlos zu bewältigen, wenn man erst Mitte April den Spielbetrieb aufnimmt. Die Vereine haben monatelang eine Menge Aufwand betrieben, da sollte das Bestreben da sein, einen Spielbetrieb wieder zu ermöglichen. Ärgerlich würde ich werden, wenn Vereine eine Hinrundenwertung nach der Pause als unfair bezeichnen. Die Regeln waren eindeutig, jeder wusste, dass es so kommen kann."

Bezirksliga

Thomas Schmidtke (Spvg. Versmold). - © Sven Hauhart
Thomas Schmidtke (Spvg. Versmold). (© Sven Hauhart)

Thomas Schmidtke (Trainer Spvg. Versmold): „Indem er die Entscheidung hinausschiebt, macht der Verband den den Vereinen unnötigen Druck. Dieser Druck muss raus. Ich würde die Saison jetzt annullieren, im April, Mai in aller Ruhe wieder mit dem Training starten und die neue Saison Anfang September beginnen. Der Unterschied zum vergangenen Jahr ist ja, dass mittlerweile alle wissen, was passiert. Würden wir den Spielbetrieb früher wieder aufnehmen, würden sich unbewusst und ganz automatisch wieder Kontakte ergeben. Die Gesundheit, das Berufsleben, Schulen und Kitas gehen einfach vor."

Carsten Johanning (Trainer TuS Brake): „Man sollte die Entscheidung solange aufschieben, wie es möglich ist, um eine Halbserie zu Ende zu spielen. Für eine 18er-Staffel reichen dafür die Monate Mai und Juni aus. Zwei Wochen Vorlauf müssen in dem Fall zur Vorbereitung halt mal ausreichen. Sollte es nicht gehen, gibt es aus meiner Sicht keine vernünftige Alternative zur Annullierung und wir fangen im Sommer mit einer frischen Saison wieder an. Szenarien zur Verlängerung einer Saison wie in Bayern letztes Jahr halte ich für ausgemachten Blödsinn."

Kreisliga

Gökay Bostanci vom SC Halle hat noch Hoffnung. - © fupa
Gökay Bostanci vom SC Halle hat noch Hoffnung. (© fupa)

Meik Tischler (Trainer TSV Amshausen): „Auch wenn wir als Dritter sportlich ganz gut dastehen – die Saison ist mir mittlerweile völlig egal. Die fehlenden sozialen Kontakte sind das viel größere Problem. Deshalb wäre ich schon zufrieden, wenn wir überhaupt erst mal wieder trainieren und bis zum Sommer noch ein paar Freundschaftsspiele machen können. Für die Mannschaften die unbedingt aufsteigen wollen, wäre eine Aufstiegsrunde vielleicht eine Option. Für uns aber nicht."

Gökay Bostanci (Spieler und Sportlicher Leiter SC Halle): „Ich gebe die Hoffnung nicht auf und würde mich freuen, wenn es in irgendeiner Form in dieser Saison noch mal zu Punktspielen kommt. Unabhängig davon, wie die dann gewertet werden. Denn was ist die Alternative? Eine Pause bis zur Vorbereitung im Juli wäre auch eine Katastrophe."

Frauen-Landesliga

Jennifer Damkröger (BV Werther). - © Ralph Struck
Jennifer Damkröger (BV Werther). (© Ralph Struck)

Jennifer Damkröger (Trainerin BV Werther): „Die Hauptaufgabe des Verbandes ist es, einen Spielbetrieb zu ermöglichen. Deshalb kann ich verstehen, wenn er mit der Entscheidung, die Saison abzubrechen noch abwartet. Ein Neustart darf aber nicht ohne ausreichende Vorbereitung und nicht auf Kosten der Gesundheit der Spielerinnen ausgetragen werden. Vier Wochen Mannschaftstraining sind das Minimum. Ob die Zeit dann noch reicht, um 50 Prozent der Spiele zu schaffen, wird man sehen. Englische Wochen mit weiten Fahrten nach Belecke oder Thülen sind für uns jedenfalls nicht realistisch."

Info

FLVW-Vize Schnieders schließt Hamburger Modell für Westfalen aus

• Als erster Verband in Deutschland steht der Hamburger Fußballverband unmittelbar vor einem Abbruch und einer Annullierung der Saison. Die Verantwortlichen hatten als Deadline für die Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings den 13. Februar ausgegeben. Eine endgültige Entscheidung steht zwar noch aus, eine deutliche Mehrheit der Vereine Saison befürwortet aber einen Abbruch. 

FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders kennt das Hamburger Modell. In einem Interview mit den Ruhr-Nachrichten schloss er eine ähnliche Lösung für Westfalen aber aus. „Wir dürfen die Saison überhaupt nicht frühzeitig abbrechen – allein aus rein rechtlichen Gründen schon nicht. Die Hamburger Spielordnung lässt einen Saisonabbruch zu. Unsere tut das aber nicht. So lange wir die Chance haben, zeitlich die 50 Prozent zu erreichen, dürfen wir die Saison nicht annullieren." Somit ist der FLVW weiterhin komplett auf die Entscheidungen aus der Politik angewiesen.

• Auch in anderen Verbänden, wie etwa beim Niederrhein, steckt man mitten in den Beratungen – bislang gibt es aber noch keine klare Entscheidung.

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