LokalsportAmateur-Handballer sollen Schnelltests vor den Spielen machen

Die WM in Ägypten findet unter strengen Corona-Auflagen statt. Doch auch für die unterklassig aktiven Aktiven hat der Schutz vor einer Ansteckung im Spielbetrieb höchste Priorität. Der Handball-Verband Westfalen (HVW) hat dazu jetzt ein Konzept entwickelt.

Christian Helmig

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild © CC0 Pixabay

Altkreis Halle. In Online-Konferenzen stellte Andreas Tiemann den Vereinen der Ober- bis Landesliga in dieser Woche die Bedingungen zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor. Unabhängig von der Frage, ob der Re-Start am 1. März oder erst im April oder Mai erfolgt (das HK berichtete), stand für den Vorsitzenden der Technischen Kommission bei allen Planungen fest: „Wenn wir weiterspielen, geht das nur mit der Gewissheit, dass niemand, der an einem Spiel teilnimmt, mit dem Coronavirus infiziert ist."

Um diese Gewissheit herzustellen, setzt der Verband im Erwachsenenbereich auf ein so genanntes Testkonzept. Danach sollen sich alle Mannschaften, die künftig wieder auf Punktejagd gehen wollen, vor jedem Spiel in der Halle einem Schnelltest unterziehen. Nur wenn dieser bei allen Spielern, Trainern und Betreuern ein negatives Ergebnis attestiert, wird die Partie angepfiffen.

In der Oberliga werden Schnelltests Pflicht

Mit dem Konzept, das vom HVW-Präsidium bereits abgesegnet worden ist und – falls erforderlich – auch noch für die folgende Saison gelten soll, hat Tiemann die Lehren aus dem vergangenen Herbst gezogen. „Damals wurden viele Spiele abgesagt, weil es Verdachtsfälle gab oder Aktive Angst vor Ärger mit ihrem Arbeitgeber hatten, wenn sie sich der Gefahr einer Ansteckung aussetzen. Dieser Angst können wir mit Schnelltests entgegenwirken."

Angewendet werden sollen die Schnelltests laut Tiemanns Konzept bei allen Spielen, in denen es „gefordert wird oder sinnvoll ist". In der Oberliga der Männer werden sie sogar zur Pflicht. „Weil hier die meisten Spieler bei ihren Vereinen als Vertragsamateure angestellt sind, unterliegen sie dem Arbeitsschutzgesetz. Ansteckungen könnten im schlimmsten Fall zu hohen Regressforderungen führen", erklärt der HVW-Vizepräsident.

Zwischen 100 und 200 Euro Zusatzkosten pro Team und Spieltag

In den Ligen darunter werde immer dann getestet, wenn mindestens eine Seite darauf besteht. Das erlaubt Ausnahmen: „Spielen zwei Vereine gegeneinander, die keinen Wert auf Tests legen, geht es auch ohne", klärt Tiemann auf. Setzt ein Verein derweil Spieler ein, die vorher nicht gemäß den Vorgaben getestet wurden, „führt das zu einer Spielverlustwertung".

Tiemann ist bewusst, dass dieses Konzept Fragen aufwirft. Zum Beispiel die, wer den zusätzlichen Aufwand eigentlich bezahlen soll? Geht man davon aus, dass ein Schnelltest im Handel derzeit zwischen fünf und zehn Euro kostet und jeweils 20 Personen getestet werden, fallen pro Mannschaft und Spieltag 100 bis 200 Euro extra an – und das bei wohl weiterhin ausbleibenden Zuschauereinnahmen.

„In erster Linie sind hier die Vereine in der Pflicht", sagt Tiemann. Für zumutbar hält er es aber auch, dass jeder Spieler in die eigene Tasche greift, um weiterhin seinem Hobby nachgehen zu dürfen. „So ein Schnelltest kostet auch nicht mehr als zwei, drei Bier nach dem Spiel", rechnet er augenzwinkernd vor. Überschaubar ist nach Tiemanns Recherchen auch der zeitliche Mehraufwand. „20 Leute vor dem Spiel durchzutesten, dauert etwa 30 Minuten", sagt er.

Unklar ist, wer die Schnelltests überhaupt durchführen soll. Aktuell ist dafür geschultes Personal erforderlich, das sicher nicht bei allen Vereinen parat steht. Tiemann setzt in dieser Frage auf den Faktor Zeit. „Das Robert-Koch-Institut hat Schnelltests in Aussicht gestellt, die bald von jedermann durchgeführt werden können", sagt er.

Loxtens Mannschaftsarzt Dr. Mai wünscht sich geschultes Personal

Dr. Rüdiger Mai, Mannschaftsarzt der Sportfreunde Loxten, ist die Vorstellung, „dass sich Spieler gegenseitig das Wattestäbchen in die Nase schieben" derweil nicht ganz geheuer. „So ein Schnelltest ist alles andere als angenehm", weiß er aus täglicher Erfahrung in seiner Versmolder Praxis. Der Orthopäde rät, dass Personen, die den Abstrich vornehmen, Schutzkleidung tragen und eingewiesen werden sollten. Physiotherapeuten würden sich für die Aufgabe am besten eignen. „Die haben die meisten Teams ohnehin dabei", sagt Dr. Mai.

Auch den geplanten Testzeitpunkt direkt vor dem Spiel, hält der Mediziner für zu umständlich. Sein Vorschlag: „Tests sollten beim Abschlusstraining am Donnerstag oder Freitag durchgeführt werden." So werde es auch bei seinem Sohn Sebastian gehandhabt, der für RW Ahlen in der Fußball-Regionalliga kickt. „Dort funktioniert dieses System sehr gut", sagt Dr. Mai.

Zweifel hat der Arzt, ob das aufwendige Testkonzept von kleineren Vereinen tatsächlich umgesetzt werden kann. Für den „semiprofessionellen Bereich", in dem auch das Loxtener Oberligateam anzusiedeln ist, könne es dagegen einen Schritt in die richtige Richtung bedeuten. Sein Fazit: „Wenn Schnelltests dazu dienen, dass die Vereine ihre Liga retten können, würde ich mich darauf einlassen."

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