Blamabler Rekord in Reichweite: Schalke-Fan Johnny Dähne leidet und bangt

Im Netz hagelt es seit Wochen Häme für Schalke 04. Am Samstag droht ein neuer Tiefpunkt. Was das für einen glühenden Anhänger bedeutet:

Johnny Dähne

Ein Bild aus besseren Tagen: Johnny Dähne (Mitte) mit den Schalker Urgesteinen Ralf Fährmann (links) und Benedikt Höwedes am Rande des Champions-League-Spiels in Bukarest 2013 (0:0). - © Johnny Dähne
Ein Bild aus besseren Tagen: Johnny Dähne (Mitte) mit den Schalker Urgesteinen Ralf Fährmann (links) und Benedikt Höwedes am Rande des Champions-League-Spiels in Bukarest 2013 (0:0). (© Johnny Dähne)

Altkreis Halle. Der 38-jährige Johnny Dähne ist nicht nur HK-Mitarbeiter und Handballtorwart in Loxten, sondern auch langjähriges Mitglied der Knappen.

"Der Blick aufs Handy verheißt nach Schalker Spielen meist nichts Gutes. Nach der 0:3-Niederlage bei Hertha BSC flattern sie mal wieder herein, die mehr oder weniger lustigen Memes - Videos und Fotos, die von einem weiteren sportlichen Offenbarungseid zeugen. In Zeiten, in denen das Läster-Tribunal nicht in der Redaktion, der Kabine oder auf Partys abgehalten werden kann, erlebt die digitale Form des Stichelns Hochkonjunktur. Da wird ein Dartsspieler im Schalke-Trikot gezeigt, der es nicht fertig bringt, mit drei Pfeilen auch nur einmal die Scheibe zu treffen. Oder – in der zuletzt inflationär oft durchlebten Phase nach einer Trainerentlassung – die Aussicht, dass der Wendler die nächste Einheit am Berger Feld leiten wird. Auch wenn ich mich dabei erwische, dass der ein oder andere Schmunzler über mein Gesicht huscht – egal ist mir das nicht.

Die sieglose Zeit ohne (Galgen-) Humor psychisch einigermaßen unbeschadet zu überstehen, ist angesichts der unverhältnismäßig langen Zeitspanne schlicht unmöglich: Nur noch eine Woche fehlt, dann ist der bislang letzte Sieg gegen Mönchengladbach, mit dem wir damals auf Kurs Champions League unterwegs waren, bereits ein Jahr her. Was seitdem sportlich und insbesondere abseits des Platzes (Tönnies, Corona-Rückerstattung, Fahrdienst-Affäre und so weiter) mit dem Club passierte, spottet jeder Beschreibung. Das alles aufzuarbeiten, würde die Sportseiten in der heutigen Ausgabe des Haller Kreisblattes komplett beanspruchen. Mindestens.

Und nun haben wir die nächste Schmach vor Augen, auf die sich die Journaille stürzen wird: Gewinnen wir heute nicht gegen die TSG Hoffenheim, stellen wir den Bundesliga-Negativrekord von Tasmania Berlin ein. 31 (!) Spiele in Serie ohne einen einzigen Sieg – unfassbar. Als Fan wünsche ich mir zumindest Kampf, Einsatz, Wille, Emotionen. Würden die Jungs mit unserem Emblem auf der Brust nur halb so viel Herzblut in die 90 Minuten stecken wie Lennart Röthemeyer – es wäre schon viel gewonnen. Wenn der bundesweit bekannte und in Werther lebende Schalker nur die letzten Worte in der Kabine kurz vor dem Weg auf den Arena-Rasen sprechen könnte... Amine Harit würde rennen wie ein Wiesel!

"Bloß keinen lethargischen Auftritt hinlegen heute"

Wenn wir schon nicht gewinnen, eine Bitte: Bloß keinen lethargischen Auftritt hinlegen heute! Ich habe mich schon dabei ertappt, wie ich auf dem Sofa angesichts des uninspiriert kickenden Personals – im wahrsten Sinne des Wortes – in die Gleichgültigkeit abrutsche. So geschehen beim Spiel in Augsburg. Nur, um dann bei einer (halben) Torchance unter die Decke zu springen.

Der Club – und das wird vielen Königsblauen im Altkreis so gehen – lässt einen nicht los. Jetzt, wo selbst Arminia-Fans den verbalen Blinker links setzen, gilt es, Flagge zu zeigen. Ich jedenfalls habe weniger Angst vor der 2. Liga als vor einer weiteren emotionalen Entfremdung. Mehr Identifikation. Mehr Knappenschmiede. Mehr Norbert Elgert. Weniger Kommunikationsdesaster. Weniger gleichgültige Kicker. Weniger Nabil Bentaleb.

Blickt man auf die mittlerweile 116-jährige Geschichte des FC Schalke 04, wechseln sich gute und schlechte Phasen in (un-)schöner Regelmäßigkeit ab. Was wäre, wenn wir den Negativrekord einstellen – und am Ende trotzdem die Klasse halten? Ausreichend Handynummern, bei denen ich mich mit einem lustigen Bildchen melden würde, hätte ich."

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