Experte zu Wettbetrug im Tennis: "Attraktiv sind alle Spieler"

Polizist Michael Bahrs beschäftigt sich in seinem Buch „Verbrechen am Fußball“ mit Manipulationen. Er ordnet die Vorwürfe bei der Turnierserie in Halle ein.

Dennis Bleck

Mit Wettbetrug im Tennis können Kriminelle viel Geld verdienen. - © Pixabay
Mit Wettbetrug im Tennis können Kriminelle viel Geld verdienen. (© Pixabay)

Halle. Die 20.000-Einwohner-Stadt Halle erfährt am vergangenen Sonntag plötzlich überregionales Interesse. Es geht um Spielmanipulation im Tennis. Und um vermeintlichen Wettbetrug. Wie berichtet sollen im vergangenen Jahr mehr als 100 Partien manipuliert worden sein sollen. Darunter unter anderem auch Spiele, die im Sommer in Halle im Zuge der International Premiere League (IPL) stattgefunden haben. Der Verdacht richtet sich gegen zwei Spielerinnen.

Michael Bahrs ist Autor. Und Hauptkommissar. In seinem Buch „Verbrechen am Fußball. Meine Ermittlungen gegen den organisierten Wettbetrug" schildert der 48-Jährige seine Erfahrungen als Polizist, der gegen die Wettmafia kämpft. Seit 2009 ermittelt Bahrs im Bereich der Spielmanipulation, arbeitete seitdem in mehreren Sonderkommissionen mit.

Nicht nur zweitklassige Profis im Visier von Betrügern

Im Frühjahr 2019 hielt der gebürtige Dortmunder in der Schüco Arena einen Vortrag vor den heimischen Schiedsrichtern. Thema war Spielmanipulation im Amateurfußball. Für uns ordnet der Experte die Manipulationsvorwürfe im Tennis in Halle ein.

Anders als Ralf Weber, Turnierdirektor der weltbekannten Noventi Open, glaubt Bahrs nicht, dass nur zweitklassige Tennisprofis ins Visier von sogenannten Matchfixern geraten: „Attraktiv sind alle Spieler, mit denen das kriminelle Netzwerk Geld generieren kann", sagt er. Das sei unabhängig von der spielerischen Klasse. „Wenn der Kriminelle auf einen Akteur oder eine Partie Wetten platzieren kann, ist es grundsätzlich interessant", so Bahrs.

Bahrs rät dazu, offensiver mit der Thematik umzugehen

 Um sich als Ausrichter einer Veranstaltung gegen Matchfixing zu schützen, bedarf es laut Bahrs einer ausgearbeiteten Struktur und eines Planes. Zu sagen „ich kann eh nichts machen" sei die falsche Einstellung, so der Experte. „Man könnte Schulungsprogramme durchführen, das Thema offensiv angehen", rät Bahrs: „Wenn ich mich offensiv der Problematik stelle, gehen die Spieler vielleicht auch offensiver mit dem Thema um, falls sie angesprochen werden."

Wie auch Weber fordert Bahrs Aufklärung der Vorwürfe. Dafür, dass versucht wird, Vorfälle wie in Halle aus der Öffentlichkeit rauszuhalten, nennt er eine einfache Begründung. „Das ist kontraproduktiv für alle Beteiligten. Analog zum Fußball würde ich mir wünschen, dass hier ein Umdenken stattfindet."

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