Diskussion über Böller, nicht über Breitensport: Fehlt Amateuren die Lobby?

Bei der Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch findet der Amateursport offenbar nicht einmal Erwähnung - dabei haben sich viele Verbände gewünscht, dass zumindest das Jugendtraining wieder erlaubt wird.

Dennis Bleck

Auch im Dezember bleiben die Sportstätten in der Region verschlossen. - © Noah Wedel
Auch im Dezember bleiben die Sportstätten in der Region verschlossen. (© Noah Wedel)

Altkreis Halle. Schon einige Tage im voraus zeichnete sich ab, worauf sich Bund und Länder in einer mehrstündigen Konferenz Mittwoch endgültig einigten: Die Corona-Maßnahmen werden bis zum 20. Dezember verlängert – teilweise sogar verschärft. Während die Politiker unter anderem heftig über ein Verbot von Silvesterfeuerwerk diskutierten, fand der Amateursport in den Beratungen aber offenbar keine Erwähnung.

Zwar hatten die großen regionalen Sportverbände schon länger verkündet, die Saison bis mindestens Jahresende zu unterbrechen aber ebenso den Wunsch geäußert, den Trainingsbetrieb zumindest für Kinder und Jugendliche wieder zu ermöglichen. Angesichts weiter hoher Infektionszahlen scheint eine dahingehende Lockerung in der Debatte zwischen den Ministern der Länder und der Bundeskanzlerin trotzdem kein Thema gewesen zu sein. Und das, obwohl in Deutschland fast 24 Millionen Menschen Mitglied in einem Sportverein sind.

„Wir müssen uns einreihen"

„Ich gehe davon aus, das zunächst alles so bleibt, wie es ist", sagt jetzt Manfred Schnieders, Vizepräsident im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. Gesundheitspolitik ist wie Bildungspolitik in Deutschland Ländersache. Das heißt die NRW-Landesregierung entscheidet, ob sie die im Beschluss gefassten Maßnahmen so umsetzt oder nicht. Deshalb war das Kinder- und Jugendtraining im November in Mecklenburg-Vorpommern etwa erlaubt, in Nordrhein-Westfalen aber nicht.

Eine Prognose, ob sich im Dezember doch noch Lockerungen für den Amateursport ergeben, will Schnieders nicht abgeben. Er warte nun auf Anweisungen der Landesregierung. Dass die Nichtberücksichtigung des Breitensports in der Diskussion etwas mit fehlender Lobby der Amateure zu tun hat, glaubt er nicht. „Der Freizeitsport wird in gleicher Weise gesehen, wie etwas Fitnessstudios, nur das dort noch ein Geschäftsinteresse dranhängt", sagt er. Die Begegnungen und gesellschaftlichen Verbindungen des Vereinssport seien aber genau das, was gerade Probleme bereite. „Wir müssen uns einreihen", sagt Schnieders.

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