Heftige Diskussionen: Kein Fußball, Volleyball und Handball mehr in 2020

Die Corona-Krise legt den Amateursport mehr und mehr lahm. Auch Fußball- und Volleyballverband haben jetzt beschlossen, ihren Spielbetrieb bis Jahresende auszusetzen. Die Handballer beraten derweil, wie es weitergehen soll, kommen aber zu keinem Ergebnis.

Christian Helmig

Das Coronavirus (Covid-19) verursacht Veranstaltungsabsagen von beispielsweise Fußballspielen der Bundesligaprofiligen auf unbestimmte Zeit und viele Auswirkungen, im Bild: Das Wort „Saisonpause" auf einem Fußballteppich. - © Noah Wedel
Das Coronavirus (Covid-19) verursacht Veranstaltungsabsagen von beispielsweise Fußballspielen der Bundesligaprofiligen auf unbestimmte Zeit und viele Auswirkungen, im Bild: Das Wort „Saisonpause" auf einem Fußballteppich. (© Noah Wedel)

Altkreis Halle. Es war ein langer Abend für Andreas Tiemann. Drei digitale Staffeltage in Folge hielt der Vorsitzende des Technischen Kommission im Handballverband Westfalen (HVW) am Dienstag ab, diskutierte mit rund 150 Vertretern von Ober-, Verbands- und Landesligaclubs „durchaus heftig" darüber, ob und wenn ja, wie der Spielbetrieb im neuen Jahr wieder aufgenommen werden soll. Am Ende blieb Tiemann trotzdem nur die ernüchternde Erkenntnis: „Nichts Genaues weiß man im Moment nicht."

Denn ganz gleich, ob die Vorschläge lauten, die Saison auf die Hinrunde zu beschränken, die Rückrunde zu verkürzen, eine Pokalrunde einzubauen oder Staffeln neu einzuteilen – eine entscheidende Unbekannte macht jede Rechnung unlösbar: der Zeitpunkt, ab dem der Handballsport überhaupt wieder erlaubt und möglich sein wird. „Alle Gedankenmodelle, die wir derzeit haben, können in zwei Wochen schon wieder obsolet sein", weiß Tiemann.

Handballer wollen keine „geschenkten" Aufstiege

Die Staffeltage, die heute Abend in ähnlicher Form für die auf Verbandsebene spielenden Frauenteams folgen, hätten deshalb nur dazu gedient, Diskussionen innerhalb der Vereine anzuregen. „Finale Beschlüsse", so Tiemann, „wurden nicht gefasst". Auch wenn die Meinungen in den Vereinen über das Wie zum Teil weit auseinandergingen, zeichne sich ein gemeinsamer Standpunkt klar ab: „Einen Wettbewerb ohne sportlichen Sinn möchte niemand." Soll heißen: Der Klassenerhalt oder Wildcard für den Aufstieg sollen nicht noch einmal wie Vorjahr „verschenkt" werden.

Tiemanns „präferiertes Ziel" ist deshalb eindeutig: „Ich möchte die Serie wieder aufnehmen und wenigstens die Hinrunde beenden." Im besten Fall rechnet der Funktionär derzeit Ende Januar mit den nächsten Punktspielen. Genug Zeit, um auf weiteren Staffeltagen im Dezember oder Anfang des Jahres die Lage weiter zu erörtern.

Der Handballkreis Gütersloh will sich ebenfalls im Dezember mit seinen Vereinen austauschen. „Da wir noch nicht wissen, wie sich die Politik Ende November entscheidet, fällt es uns derzeit sehr schwer, eine Entscheidung zu treffen, und diese dann mit den Vereinen zu diskutieren", sagt Spielwart Heinz-Hermann Jerrentrup.

Wie der Handballverband Westfalen hat am Mittwoch auch der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) seine Vereine vorzeitig in die Winterpause geschickt. Nachdem die spielleitenden Stellen den Spielbetrieb bereits für den November absetzen mussten, wird der Ball auch im Dezember nicht mehr rollen. Das hat der Verbands-Fußball-Ausschuss (VFA) am Dienstagabend in einer gemeinsamen Videokonferenz mit Vertretern des Verbands-Jugend-Ausschusses (VJA) und den Vorsitzenden der 29 FLVW-Kreise beschlossen. Die Vereinbarung gilt für alle Amateur- und Jugendspielklassen sowie Freundschaftsspiele auf Verbands- und Kreisebene.

Fußballverband verspricht zwei Wochen Vorbereitung

„Nach den jüngsten Einschätzungen der Bundes- und Landesregierung ist nicht realistisch zu erwarten, dass der Spielbetrieb im Amateur- und Jugendbereich noch in diesem Jahr wieder zugelassen wird. Wir haben uns deshalb entschlossen, im Dezember keine Spiele anzusetzen", betonen der VFA-Vorsitzende Reinhold Spohn und für den Jugendfußball verantwortliche Vizepräsident Holger Bellinghoff.

Wann die Saison fortgesetzt wird, hänge maßgeblich vom Infektionsgeschehen und den politischen Entscheidungen ab. Manfred Schnieders: „Denkbar sind eine verkürzte Winterpause und ein früherer Re-Start im Januar", beschäftigen sich der FLVW-Vizepräsident Amateurfußball, der VFA und die Verantwortlichen im Jugendbereich bereits mit Anpassungen des Rahmenterminkalenders. Unverändert gelte, dass man den Vereinen eine mindestens zweiwöchige Vorbereitungszeit einräumen wird.

FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski begrüßt die gemeinsam getroffene Entscheidung: „Es ist dringend geboten, einerseits den Vereinen Planungssicherheit zu geben und andererseits der Gesellschaft zu signalisieren, dass wir den Vorgaben der Politik unbedingt folgen werden und nicht ständig um privilegierte Regelungen für den Fußball nachsuchen."

Volleyballer beraten Anfang Dezember über die Saisonfortsetzung

Eine erwartbare Nachricht kam schließlich auch aus der Geschäftsstelle des Westdeutschen Volleyball-Verbandes (WVV): In allen Spielklassenvon der Oberliga abwärts, im Jugendbereich und im populären Breitensportbereich sind alle Spiele bis zum 31. Dezember ausgesetzt.

Anfang Dezember wird das Präsidium die bis dahin erarbeiteten Vorschläge des Verbands-Spielausschusses zur Fortsetzung des Spielbetriebes diskutieren und Entscheidungen für die genannten Ligen treffen. Der WVV will zudem gegenüber dem nordrhein-westfälischen Landessportbund und der Landesregierung darauf drängen, dass das Mannschaftstraining in den Vereinen für Volleyball als Kontaktsportart schnellstens wieder ermöglicht wird.

Von der Verlängerung dieser Zwangspause betroffen sind im Altkreis die Frauen- und Teams des SC Halle in der Ober-, Verbands- und Landesliga sowie Männer-Bezirksligist Spvg. Steinhagen.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.