Amateurfußball wandelt auf schmalem Grat: Muss die Saison unterbrochen werden?

Die Infektionszahlen steigen, die Spielabsagen häufen sich. Noch sieht die Politik keine Maßnahmen vor, die den Kontaktsport wieder verbieten. Die weitere Entwicklung der Situation wird wohl entscheidend sein.

Dennis Bleck, Sven Hauhart

Auch die Ersatzspieler müssen seit dem Wochenende Maske tragen. - © Jens Dünholter
Auch die Ersatzspieler müssen seit dem Wochenende Maske tragen. (© Jens Dünholter)

Altkreis Halle. Die Corona-Fallzahlen steigen – bundesweit und in der Region. Das merken seit einigen Wochen auch die Amateursportler. Die Spielabsagen häuften sich zuletzt. Nachdem Anfang Oktober ein positiver Corona-Test den Spielbetrieb bei der Spvg. Steinhagen lahmgelegt hatte und wenige Tage später Fußball-Westfalenligist SC Peckeloh wegen eines Verdachtsmoments unfreiwillig spielfrei gewesen war, erwischte es jetzt am vorigen Wochenende den Bezirksligisten Spvg. Versmold. Auch das B-Ligaspiel zwischen dem BV Werther II und dem FC Türksport Steinhagen fiel am Sonntag vorsorglich aus.

Ein Spieler der Spvg. Versmold hat über coronaverdächtige Symptome geklagt und daraufhin einen Test gemacht. Der Verein hat den Staffelleiter über diesen Vorfall informiert, der das Spiel gegen den SC Bielefeld absetzte. Auf das Testergebnis warten Verein und Spieler noch. Die Beispiele aber zeigen: Der Amateurfußball wandelt auf einem schmalen Grat. Eine Unterbrechung der Saison scheint in diesen Tagen nicht mehr ausgeschlossen zu sein.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nächsten Sonntag noch spielen"

Ein Szenario, das auch Oesterwegs Coach Björn Mittendorf umtreibt. Beim Spitzenspiel in der Fußball-Kreisliga A zwischen den Golddörflern und dem TSV Amshausen hielt sich die große Mehrheit an die permanente Maskenpflicht auf dem Sportgelände, die seit dem Wochenende gilt. Trotzdem vermutete „Pelle" bereits kurz nach Abpfiff: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nächsten Sonntag noch spielen, wenn die Entwicklung so weitergeht."

Allerdings, das bestätigte auch Patrick Hartmann vom Fußballkreis Bielefeld, zu dem der Altkreis Halle gehört, gibt es von Seiten der Politik noch keine Maßnahmen, die darauf abzielen, den Amateursport wieder zu verbieten. Weder die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW noch die Allgemeinverfügung der Stadt Bielefeld, die seit heute gilt, sehen Beschränkungen für die Heimatsportler vor.

Fußballkreis will Entwicklungen abwarten

Und das wird vermutlich auch noch etwas so bleiben. Denn wie Bielefelds Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger immer wieder betonte, werde man keine weiteren als die bisher beschlossenen Restriktionen ergreifen, sofern die Zahl an Neuinfektionen nicht weiter dramatisch nach oben schnelle. Am Montag lag der Inzidenzwert bei 58,3. Einen Tag zuvor betrug der Wert 56,6.

Auch der Fußballkreis Bielefeld will die weitere Entwicklung abwarten. Zumal Spieltagsabsagen nur auf Kreisebene möglich wären. Für die Partien des SC Peckeloh, der Spvg. Steinhagen und der Spvg. Versmold ist nämlich der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) zuständig. Der wiederum macht seine Entscheidungen von der Politik abhängig. Zuletzt mussten die Funktionäre einschreiten, weil der politische Kreis Unna den Kontaktsport im Trainings- und Spielbetrieb untersagte. Dort sind alle Spiele bis vorerst zum kommenden Wochenende abgesetzt.

Schon im Juli informierte der Verband über mögliche Abbruchszenarien

Dass die Saison auf wackeligen Beinen steht, befürchteten die Funktionäre vom Verband schon vor dem ersten Anpfiff. Um besser auf ein vorzeitiges Saisonende vorbereitet zu sein, änderte der FLVW seine Durchführungsbestimmungen.

Noch im Juli hatte Vizepräsident Manfred Schnieders die Vereine deshalb über das Szenario eines möglichen Saisonabbruchs informiert. Damals sagte er: „Sind mindestens 50 Prozent der Spiele absolviert, wird die Saison inklusive Auf- und Abstieg gewertet. Ansonsten gibt es einen Abbruch ohne Wertung." Will heißen: Das Minimalziel ist es, eine komplette Hinrunde auszutragen. Den Fußballern bleibt dafür bis zum 30. Juni 2021 Zeit.

Kommentar

Bitte Maske auf!

Die Maske gehört im Jahr 2020 einfach dazu. Wie der Schlüssel, das Handy oder das Portemonnaie: Sie gehört zu den Dingen, die niemand vergessen sollte, wenn er das Haus verlässt. Und zu den Dingen, die ein jeder seit dem Wochenende benötigt, um eine Amateursportstätte zu betreten. Auf den Fußballplätzen und in den Sporthallen der Region gilt jetzt die Maskenpflicht. Überall. Ausnahmslos. Das gefällt längst nicht jedem. Doch die Situation erfordert das.

Die Corona-Fallzahlen steigen rasant. Im Kreis Gütersloh, in NRW, bundesweit. Die Fortsetzung des Amateursports steht auf tönernen Füßen. Mal wieder. Die von den Trainern eingeforderte Disziplin gilt deshalb längst nicht mehr nur für das Spielfeld, sondern für alle Lebensbereiche.
Verbände, Vereine, Funktionäre: Sie alle haben in den vergangenen Wochen und Monaten akribisch Hygienekonzepte erarbeitet. Meistens ehrenamtlich. Das versteht sich von selbst. Dank ihnen ist der Spielbetrieb überhaupt erst möglich. Coronakonform.

Es wäre schade, wenn einige wenige diese Arbeit mit ihrem Verhalten wieder kaputtmachen würden. Also bitte: Maske auf! Auch auf den Sportplätzen. Sonst droht den Amateuren erneut eine sehr lange Pause. Und das kann doch wirklich niemand wollen.

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