Verstorbener Sportler: Handballverrückter Apotheker unterstützt Tochter Leni

Siegfried Plehn verkauft jetzt die Mode, deren Erlös der Familie des verstorbenen Handballers Sebastian Kopschek zugutekommt – nicht die einzige Neuigkeit.

Gregor Winkler

Ein ganz Großer: Sebastian Kopschek im TuS-97-Trikot. - © Andreas Zobe
Ein ganz Großer: Sebastian Kopschek im TuS-97-Trikot. (© Andreas Zobe)

Bielefeld. Zu Risiken und Nebenwirkungen müssen Sie in diesem Fall nicht Ihren Arzt oder Apotheker fragen. Wobei, vielleicht ziehen Sie einfach diesen einen speziellen Pharmazeuten zu Rate, der Ihnen versichern kann, dass, je höher dosiert, die Behandlung stärker anschlagen wird: Siegfried Plehn, Inhaber der Sparrenberg Apotheke und – ganz im Positiven – Bielefelds handballverrücktester Apotheker, unterstützt tatkräftig die Spendenaktion für die kleine Leni.

„Siegfried ist einfach ein Goldstück", sagt Jannis Johannmeier. Der Handballer des TuS Brake hatte die Aktion angeschoben. Zugunsten der einjährigen Tochter des kürzlich überraschend verstorbenen Handballers Sebastian Kopschek verkaufen Jannis Johannmeier und seine Frau Leslie selbst gestaltete Pullover und T-Shirts (wir berichteten). Dass die Kleidung, die ursprünglich nur als Merchandise-Artikel für Johannmeiers Firma für Unternehmenskommunikation geplant war, plötzlich zum Symbol einer großen wie großartigen Hilfsaktion wurde, war die erste unerwartete Wendung in der Geschichte. Inzwischen wurden mehr als 250 Exemplare der Ware verkauft. „Alles, was an Geld dabei übrig bleibt, geht an Leni", verspricht Johannmeier. Der Jungunternehmer und seine Frau wickeln den Verkauf nebenbei ab. Das ist zeitaufwendig, aber machbar. Nur ein Problem hatte das junge Paar: Die Wohnung stand voll mit den großen Kartons.

Apotheker dekoriert Schaufenster mit Fanartikeln

Da kam Siegfried Plehn ins Spiel. Der Apotheker ist bekannt in der Szene. Seit vielen Jahren dekoriert der 71-Jährige eines seiner Schaufenster am Niederwall in Bielefeld mit Handball-Fanartikeln. Die TSG A-H Bielefeld oder der TBV Lemgo tauchen dort bevorzugt auf. „Handball ist ein toller Sport", sagt Plehn, „und Handballer sind tolle Typen". Als er von der Spendenaktion erfuhr, bot er, quasi als Nachbar der Johannmeiers, sofort Hilfe an. Aktiv wie passiv.

Zunächst stellte er die Shirts in seinem Handballfenster aus – nebst Zeitungsartikel, Preisliste und Infotafel. Selbstverständlich bot er die Kleidung auch zum Verkauf an. Und weil er dafür ohnehin schon einen kleinen Vorrat haben muss, entlastete er die Initiatoren gleich noch, indem er weitere Lagerfläche für die Kisten bereitstellte. „Das ist so eine traurige Geschichte. Da muss man einfach helfen. Ich mache das sehr gerne", sagt Plehn.

„Jetzt, wo es kälter wird, sind die Hoodys sehr gefragt", sagt Jannis Johannmeier. Komplette Jugendteams aus Brake oder von der TSG A-H Bielefeld statteten sich aus. Sogar aus Hüllhorst kam eine Anfrage. Eine Bekannte von Leslie spielt im Tor des Fußball-Champions-League-Vizemeisters VfL Wolfsburg. Auch sie bestellte einen Hoody. „Mittlerweile müssen wir auch mehr Sondergrößen bestellen", sagt Jannis.

Das ist die nächste gute Nachricht der Geschichte, denn dann wird es endlich auch das eigene Shirt in der passenden Größe für die kleine Leni geben. Aber eigentlich ist ja jedes Shirt eines für Leni.

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