Ganzes Handball-Team in Quarantäne: Alle Testergebnisse liegen vor

Leon Reiß, Handballer bei der HSG Werther/Borgholzhausen darf die eigenen vier Wände nicht mehr verlassen. Er hatte in einem Testspiel Kontakt zu einem Corona-Infizierten. Hat er sich auch infiziert?

Johnny Dähne

Leon Reiß (rechts) hatte im Spiel mehrfach Kontakt zum Infizierten Jöllenbecker. Eine eigene Infektion konnte er deshalb nicht ausschließen. - © Johnny Dähne
Leon Reiß (rechts) hatte im Spiel mehrfach Kontakt zum Infizierten Jöllenbecker. Eine eigene Infektion konnte er deshalb nicht ausschließen. (© Johnny Dähne)

Werther. Es war vergangene Woche die Aufreger-Meldung im Altkreissport: Wie berichtet, mussten sich alle Spieler und der Trainer der HSG Werther/Borgholzhausen nach einem Testspiel beim TuS 97 Bielefeld/Jöllenbeck II am vergangenen Mittwoch in Quarantäne begeben. Coach Carsten Gahlmann und ein Gros des Teams traten anschließend selbst zum Corona-Test an. Die Ergebnisse liegen mittlerweile vor. Und auch an die Quarantäne hat sich das Team des Handball-Verbandsligisten gewöhnt. Da diese bei symptomfreiem Verlauf noch bis zum 13. September anhalten wird, ist bei den Betroffenen allerdings vor allem Kreativität gegen die Langeweile gefragt.

„Es ist schon ein bisschen vergleichbar mit der Phase zu Beginn der Pandemie, aber damals durfte man immerhin arbeiten gehen oder sich draußen frei bewegen", sagt Leon Reiß. Der Rückraumspieler der HSG Werther/Borgholzhausen ist derzeit strikt zum Zuhausebleiben verdammt.

Reiß schließt eine Infektion mit dem Coronavirus nicht aus

In den heimischen vier Wänden wurden die Meldungen von den ausnahmslos negativen Coronatests seiner Teamkollegen und der Jöllenbecker Gegenspieler besonders wohlwollend aufgenommen. „Die Tests – auch meiner – sind am Freitag gemacht worden. Das Ergebnis kam dann Samstag", erklärt Reiß, der mit einem QR-Code ausgestattet die Praxis in Steinhagen verließ. Ein Scan-Vorgang mit der Corona-App brachte das zufriedenstellende Resultat.

Dieses Bild posteten die Spieler des TV Werther auf Instagram. Sie nehmen die Sondersituation mit einem Augenzwinkern an.  - © TV Werther
Dieses Bild posteten die Spieler des TV Werther auf Instagram. Sie nehmen die Sondersituation mit einem Augenzwinkern an.  (© TV Werther)

Da der positiv getestete Jöllenbecker der Kreisläufer ist, hatte Reiß die Wahrscheinlichkeit einer eigenen Infektion nicht kategorisch ausgeschlossen. „Das ist die Position mit dem meisten und engsten Körperkontakt. Klar begegnet man sich da ein paar Mal im Spiel", erläutert der 21-jährige Haller. Dass es bisher keine Ansteckungen gegeben habe, wertet er als Erfolg. „Das ist insgesamt gut für den Handball. Wenn es jetzt sechs Coronafälle nach dem Spiel gegeben hätte, wäre das sicher negativ in Bezug auf den Sport und die kommenden Monate bewertet worden", sagt Leon Reiß.

Das Gesundheitsamt fragt regelmäßig den Gesundheitszustand ab

Die Quarantäne wirkt sich nicht nur sportlich und privat auf ihn aus – regelmäßig wird Reiß vom Gesundheitsamt telefonisch nach Symptomen abgefragt – die Isolation bedeutet für den angehenden Beton- und Stahlbauer auch ein berufliches Hindernis. „Aktuell habe ich allerdings sowieso einen Schulblock, der meinen Arbeitgeber nicht direkt tangiert. Alle haben aber großes Verständnis für die Situation", erklärt Reiß. So muss das Herforder Wilhelm-Normann-Berufskolleg derzeit auf einen Schüler verzichten.

Die neu gewonnene Freizeit nutzt der Rechtshänder für die ein oder andere körperliche Extraschicht. „Die Kondition leidet natürlich unter der Situation. Ausdauermäßig kann ich nicht viel machen, weil ich nicht draußen Laufen gehen darf", sagt Leon Reiß. So genießen in diesen ungewöhnlichen Tagen vor allem Fitness- und Kraftübungen mit dem eigenen Körpergewicht Priorität. Dabei gebe das Internet viel Input und bewahrt vor eintönigen Übungen. „60-Minuten-Workouts bei Youtube", gibt Reiß einer seiner favorisierten Bildschirmtermine zum Besten.

Reiß hofft inständig, dass die Quarantäne nächste Woche aufgehoben wird

Eine andere beliebte Verabredung ist die bei „Call of Duty" mit seinen Mannschaftskollegen. In dem Ego-Shooter-Videospiel kämpft Reiß an der Seite von Colin und Julian Hoffmann, Moritz Topp und Kilian Nagel gegen andere Teams. „Die Absprachen müssen ja auch online klappen", erklärt Leon Reiß schmunzelnd zur Kommunikation innerhalb des Quintetts via Headsets.

Dass kommende Woche wieder gemeinsam Abwehr- und Angriffskonzepte auf dem realen Spielfeld besprochen werden, hofft Reiß inständig. Bis dahin gehen er und seine gesamte Mannschaft die aktuelle – und zum Glück infektionsfreie – Sondersituation mit einer wohl nötigen Portion Augenzwinkern an. Das zeigt ein Blick in die sozialen Medien: Auf Instagram veröffentlichte das Team ein Bild eines fiktiven Hauses inklusive Spielergesichter hinter geschlossenen Fenstern.

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