Dieser Kult-Betreuer ist auf Tuchfühlung mit Profis und Promis

Wandis Kermos ist nicht nur der Tausendsassa beim Fußball-Landesligisten TuS Dornberg. Er ist eins der bekanntesten Gesichter der hiesigen Amateurszene und pflegt Kontakte in die Bundesliga.

Johnny Dähne

Ein Selfie fürs Familienalbum: Wandis Kermos’ Freund Panagiotis Tsingos (von links) knipst sich, den ehemaligen Bundesliga-Star Kyriakos „Papa" Papadopoulos und Wandis Kermosim im Jugendstadion von Bayer Leverkusen. - © privat
Ein Selfie fürs Familienalbum: Wandis Kermos’ Freund Panagiotis Tsingos (von links) knipst sich, den ehemaligen Bundesliga-Star Kyriakos „Papa" Papadopoulos und Wandis Kermosim im Jugendstadion von Bayer Leverkusen. (© privat)

Bielefeld. Jens Horstmann ist Trainer des Bezirksliga-Meisters TuS Dornberg und als solcher mächtig froh über seinen Betreuer Wandis Kermos. „Er ist ein Spaßmacher, hat immer gute Laune. Dabei hält er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg und kann die Stimmung in einem Team entscheidend beeinflussen." In den vergangenen Monaten der Corona-Pause hatte Tausendsassa Kermos allerdings besonders zu leiden.

Die Zeit ohne die Fußballer aus dem Bielefelder Vorort war „sehr traurig für mich", sagt Kermos. Sie haben ihm alle gefehlt: „Die Jungs von der zweiten und ersten Mannschaft, die Trainer, der Sportliche Leiter Thies Kambach – man durfte sich nicht treffen." Auch die Zuschauer in der BIPA-Sportarena habe er sehr vermisst – allen voran „einen Rentner. Der hat mir nach Siegen immer 20 Euro für die Mannschaftskasse zugesteckt", sagt der Grieche schmunzelnd. Ganz ohne Fußball ging es in den kontaktarmen Monaten für ihn natürlich nicht: Im Fernsehen und im Internet blickte Wandis auf herausragende Partien der vergangenen Jahre zurück. „Bei Youtube habe ich mir vieles von der EM 2004 angeschaut. Das war sehr schön!", sagt er schmunzelnd. Zur Erinnerung: Damals wurde Griechenland mit Trainer Otto Rehhagel Europameister.

Nach der entbehrungsreichen Zeit mit ihren strikten Kontaktregeln genoss Kermos die offizielle Aufstiegsfeier des frischgebackenen Landesligisten am ersten Juli-Wochenende am Dornberger Sportplatz umso mehr in vollen Zügen. „Von 17 bis 4 Uhr am Sonntagmorgen war ich dabei", erläutert Kermos schmunzelnd zur feucht-fröhlichen Party. Dass er im Feiern zu den absoluten Leistungsträgern bei den „Besten im Westen" gehört, bewies der Mann mit der spezifischen Kondition bereits im Winter: Als der TuS die prestigeträchtige Hallen-Fußball Stadtmeisterschaft gewann, lag er sowohl in der Seidensticker-Halle als auch in der späteren Partylokalität „Wunderbar" jedem Spieler mindestens einmal im Arm. „Wo ich bin, ist Erfolg", sagt Wandis lachend. Bei dieser Gelegenheit betont er, dass das aufgetragene Bayern-Trikot unter seinem grünen Dornberg-Sweater in diesen Tagen des Dezembers mitentscheidend zum Erfolg beigetragen habe. Ein klassischer Gag für den lebensfrohen 39-Jährigen.

Playstation-Abende in der Villa eines Profifußballers

39 Jahre? „Ja, das stimmt tatsächlich. Letztens musste ich sogar meinen Ausweis vorzeigen, als ich Zigaretten für einen Freund besorgt habe", erklärt Kermos. Die Erklärung für sein jugendliches Erscheinungsbild liefert er gleich mit: „Ich bin ein friedlicher Junge, alle mögen mich. Deshalb bin ich jung geblieben und altere nicht", sagt der Mann, der zu Oberliga-Zeiten des VfB Fichte auch schon mal in ein Elefanten-Kostüm gestiegen ist, um als Maskottchen die Zuschauer zu erfreuen. Kontakte knüpft und pflegt Wandis Kermos von der Kreis- bis in die Bundesliga, wo eine der längeren Bekanntschaften mit dem griechischen Fußballprofi Kyriakos Papadopoulos besteht.

Dornberger durch und durch: Wandis Kermos. - © privat
Dornberger durch und durch: Wandis Kermos. (© privat)

Über Ioannis Tsingos – früher Jugendspieler bei Arminia, nun beim SC Paderborn II aktiv – und seinem Vater Panagiotis ist der Kontakt zu Papadopoulos zu Beginn dessen Schalker Zeit im Jahr 2010 entstanden. „Wir sind oft zu ihm gefahren, um ihm den Start in Deutschland zu erleichtern. Wir haben viel unternommen", sagt Kermos. Unweit der Arena Auf Schalke im Stadtteil Gelsenkirchen Buer habe „Papa", wie ihn Fans und seine griechischen Landsleute rufen, gewohnt. „Das war ein Haus! 450 Quadratmeter groß. Er war der Nachmieter von Kevin Kuranyi", sagt Kermos und erzählt von dem ein oder anderen Playstation-Abend im Hause Papadopoulos. Das war auch bei dessen weiteren Stationen in Leverkusen und Hamburg so.

Seine Freizeit verbringt Wandis Kermos, der beruflich ältere Menschen in Bethel betreut, gerne in Cafés. Am Rathaus im Café Nio ist er genauso Stammgast wie im Café Royal, das von Panagiotis Tsingos geführt wird. „Lecker etwas essen und trinken mit Freunden, dazu Fußball schauen – das liebe ich", erklärt der Charly Neumann Bielefelds. Ähnlich wie der verstorbene Kultbetreuer des FC Schalke geht er offen auf alle Menschen zu; wird geschätzt und geachtet für das, was er tut und verkörpert. Freundlichkeit, Respekt, Zuverlässigkeit – Werte, für die Wandis Kermos steht.

Plötzlich sitzt Kermos im Porsche von Michael Rummenigge

Ob der heutige Kultbetreuer selbst mal gegen die Kugel getreten hat? „Ja, beim SCE Rot-Weiß Bielefeld. Bis zur C-Jugend, aber dann habe ich mich lieber auf alles neben dem Platz konzentriert", sagt er lächelnd. Dort treibt er gerne seine Späße und fordert im Winter aus der warmen Sprecherkabine mit einer Bierflasche winkend schon mal die Spieler dazu auf, sich bei der Kälte doch bitte etwas schneller zu bewegen.

Ein wichtiger Bezugspunkt in seinem Leben rund um den Fußball ist Stefan Braunschweig. „Alles, was ich kennenlernen durfte, habe ich Stefan zu verdanken. Ein ganz feiner Mensch", erklärt Kermos zum Ex-Arminen, mit dem er mindestens wöchentlich Kontakt hat. An eine Anekdote während eines Charity-Turniers in der Marienfelder Klosterpforte erinnert sich Wandis besonders gerne: Er sollte die Wertsachen aller Spieler – die meisten von ihnen Ex-Profis – an sich nehmen und verwahren. „Da haben sie Stefan gefragt, wer ich denn sei und ob sie mir vertrauen könnten", erzählt Wandis Kermos.

Die anfängliche Skepsis ihm gegenüber löste sich schnell auf, und er wurde schnell Teil des Teams. „Die Rückfahrt nach Bielefeld saß ich im Porsche von Michael Rummenigge. Wir sind direkt ins Café Europa gefahren und ich durfte dort mit in den großen abgesperrten Bereich. Da haben wir dann alle zusammen gefeiert", sagt Wandis mit leuchtenden Augen. An einen Gast hat er noch besondere Erinnerungen: „Ingo Anderbrügge. Der hatte einen unglaublichen Huf", sagt Kermos und klatscht sich auf seinen linken Oberschenkel.

Dass er selbst ebenfalls organisatorisches Talent besitzt, bewies Wandis Kermos unlängst in der abgelaufenen Saison beim TuS Dornberg. Nach einem Auswärtsspiel beim FC Augustdorf „wollten wir noch irgendwo zum Essen einkehren. Wandis hat das übernommen", erklärt Coach Jens Horstmann. Der gesamte Tag wurde zu einem Ereignis: Erst das 7:0 beim FCA, dann „ging es in das griechische Restaurant Spartakus mit gehobener Küche. Wir haben dort köstlich gegessen und getrunken – und das alles für einen Festpreis", erläutert Horstmann den Besuch bei Kermos’ Onkel in Augustdorf.

Diese Episode zeigt gut, wie groß die gegenseitige Wertschätzung ist. Wandis Kermos sagt: „In Dornberg gefällt es mir sehr gut. Dort möchte ich nicht mehr weg."

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