Lokalsport„Mama ist unser größter Fan“: Diese Brüder mischen den Fußball im Altkreis auf

Cornelius und Alexander Bulanov spielten beim Fußball-Landesligisten SC Peckeloh in einer Mannschaft. Warum gerade diese Konstellation ihr sonst sehr gutes Verhältnis auf eine harte Probe stellte.

Dennis Bleck

Cornelius (links) und Alexander Bulanov. - © Sven Hauhart, Stefan Pollex
Cornelius (links) und Alexander Bulanov. © Sven Hauhart, Stefan Pollex

Peckeloh. Lange überlegen muss Cornelius Bulanov nicht: Die Frage, ob er oder sein älterer Bruder Alexander der bessere Fußballer ist, beantwortet der 23-Jährige ohne zu zögern. „Als Kind hatte ich mehr Talent. Mittlerweile hat mich Alex aber überholt", gibt Cornelius unumwunden zu. Ihm gegenüber lächelt Bruder Alexander über diesen Satz. Die Chemie zwischen den Geschwistern stimmt – nicht nur an diesem Nachmittag in der Studenten-WG in Bielefeld, in der das Duo gemeinsam mit drei weiteren Mitbewohnern lebt. Auch sonst ist ihr Verhältnis untereinander sehr gut, beteuern die Brüder. Nur auf dem Fußballplatz knallt es manchmal zwischen ihnen.

Alexander und Cornelius Bulanov sind mit dem Sport aufgewachsen. Papa Igor war Profi beim VfL Osnabrück. Er war der erste russische Spieler in der Geschichte der Lila-Weißen – und bestritt bis 1996 rund 100 Punktspiele für den Club. Das alles weiß Cornelius nur aus Erzählungen. Auch der zwei Jahre ältere Alexander erinnert sich kaum an diese Zeit zurück. Er war damals noch viel zu jung. Während Vater Igor den Fußball mittlerweile als stiller Beobachter verfolgt, sind seine Jungs noch immer selbst aktiv. Zuletzt sogar gemeinsam beim Fußball-Landesligisten SC Peckeloh. Ausgerechnet das birgt aber reichlich Konfliktpotenzial.

„Cornelius und ich nehmen den Streit mit nach Hause"

Nicht selten verliefen die Heimfahrten von Peckeloh nach Bielefeld nach Trainingseinheiten oder Ligaspielen sehr schweigsam. „Ich bin Alexanders größter Kritiker", erklärt Cornelius Bulanov. Er sagt, was er denkt. Und nicht immer teilt Alexander die Einschätzung seines jüngeren Bruders. Er sagt: „Ich nehme mir die Kritik von Cornelius viel mehr zu Herzen als von anderen Mitspielern in der Mannschaft. Weil er mein Bruder ist, empfinde ich die Worte sehr schnell als persönliche Beleidigung."

Dass die Geschwister außerdem zusammen wohnen, macht es nicht einfacher. „Mit anderen Teammitgliedern ist der Ärger bis zum nächsten Training vergessen. Cornelius und ich nehmen den Streit mit nach Hause", sagt Alexander Bulanov. Einige Male sei es vorgekommen, dass Trainer Markus Kleine-Tebbe die Streithähne trennen musste. In der kommenden Spielzeit wird er diese Aufgabe aber nicht mehr übernehmen müssen.

SCP-Aufstieg: "Wir als Mannschaft haben uns das total verdient."

Denn während Alexander beim SC Peckeloh bleibt und ab Herbst mit dem Club in der Westfalenliga auf Punktejagd geht, schließt sich Bruder Cornelius wie berichtet dem Bezirksligisten VfR Wellensiek an. Der Jura-Student wohnt nur wenige Meter vom Sportplatz entfernt. Und auch die ersten Eindrücke von der neuen Mannschaft sind positiv. Dass er im nächsten Jahr nicht in der Westfalenliga spielt, ärgert ihn deshalb nicht. Realistisch wie Cornelius Bulanov ist, weiß er zudem, „dass es in der nächsten Saison noch schwerer geworden wäre, an Einsatzminuten zu kommen". Schon in der Landesliga war der Angreifer nämlich meist nur Ersatzspieler.

Das schmälert die Freude über den Aufstieg aber nicht. Im Gegenteil. „Wir als Mannschaft haben uns das total verdient", sagt Cornelius Bulanov. „Ich freue mich für die Jungs." Die Feier sollte eigentlich am vergangenen Samstag stattfinden. Der neuerliche Lockdown im Kreis Gütersloh machte dem SCP aber einen Strich durch die Rechnung. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", sagt Cornelius Bulanov. Ohnehin hat er ein großes Interesse an der Feier: „Schließlich will ich mich noch ordentlich von der gesamten Mannschaft verabschieden", sagt er.

Ob er noch einmal nach Peckeloh zurückkehrt, weiß Cornelius Bulanov noch nicht. „Die Türen für ein Comeback stehen aber sicher immer offen", sagt er. Auch, ob er noch einmal mit Bruder Alexander zusammenspielt, ließ er offen. „Wir planen unabhängig voneinander", betont er. „Ich möchte in Wellensiek jetzt erst einmal das Maximum herausholen."

Die Mama: "Am liebsten würde sie sich aufteilen, um uns beiden beim Fußballspielen zuzugucken"

Schwierig wird die neue Situation nur für die Mutter der beiden. „Mama ist unser größter Fan", sagt Alexander Bulanov. Cornelius ergänzt: „Am liebsten würde sie sich aufteilen, um uns beiden beim Fußballspielen zuzugucken." Jetzt hofft sie, dass Wellensiek und Peckeloh nicht zeitgleich ihre Heimspiele austragen. „Ich rate ihr immer, sich den besseren Fußball anzugucken", sagt Cornelius: „Zuletzt hätte sie sich deshalb immer Alexander anschauen müssen. Ich glaube aber, dass wir in Wellensiek in der nächsten Saison auch einen guten Ball spielen werden."

Dem SC Peckeloh trauen Alexander und Cornelius Bulanov auf jeden Fall den Klassenerhalt in der Westfalenliga zu. „Ich glaube nicht, dass der Verein direkt wieder absteigt", sagt Cornelius Bulanov. Und wieder zögert er nicht.

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