Posse um Sportplatz und Ärger mit der Stadt: Wo soll der TFC Werther spielen?

Jahrelang kickte der Fußballverein am Meyerfeld. Nachdem er einige Zeit nicht am Spielbetrieb teilgenommen hatte, war er zuletzt in Langenheide beheimatet. Wo der Club im nächsten Jahr spielt, ist noch völlig offen.

Dennis Bleck

Jahrelang spielte der TFC Werther am Meyerfeld. In der vergangenen Saison war die Langenheider Alm die Heimspielstätte. - © Ulrich Fälker
Jahrelang spielte der TFC Werther am Meyerfeld. In der vergangenen Saison war die Langenheider Alm die Heimspielstätte. (© Ulrich Fälker)

Werther. Der TFC Werther ist vorübergehend heimatlos. Bislang konnte der Fußball-C-Ligist keine Heim-Spielstätte für die kommende Saison benennen. Gespräche mit der Stadt über eine Lösung des Problems gerieten zuletzt ins Stocken. Jetzt setzt der Fußballkreis Bielefeld den 1989 gegründeten Verein zusätzlich unter Druck.

Wie der Kreisvorsitzende Markus Baumann in einer Mail an TFC-Obmann Gürkan Sever mitteilte, müsse der Club bis zum 10. Juli eine Spielstätte nachweisen. Sollte dem TFC das nicht gelingen, werden die Mannschaftsmeldungen für die nächste Spielzeit gelöscht. Der Verein wollte mit einer 1. und einer 2. Mannschaft in den Spielbetrieb starten.

Im vergangenen Jahr erhielt der TFC einen einmaligen Zuschuss

Bis zur Saison 2016/17 war der TFC am Meyerfeld in Werther beheimatet. Nachdem der Verein dann wegen Verbandsschulden für eine Spielzeit gesperrt worden war, sollte im Sommer 2018 das Comeback an selber Stelle erfolgen. Weil der TFC damals aber kein konkurrenzfähiges Team zusammenbekam, musste Sever die Mannschaft erneut zurückziehen. Der Neuanfang gelang erst ein Jahr später – nicht mehr am Meyerfeld, sondern auf dem Kunstrasen des TuS Langenheide. „Und zwar im Einvernehmen mit dem TFC Werther", wie Bürgermeisterin Marion Weike sagt. Das streitet Gürkan Sever auch gar nicht ab.

Weil es sich bei diesem Platz allerdings um eine Sportanlage handelt, die sich im Besitz des TuS Langenheide befindet, müssen andere Vereine für die Nutzung bezahlen. Das ist aus steuerlichen Gründen notwendig. Insgesamt 2.000 Euro hat die Stadt Werther dem TFC für die komplette vergangene Spielzeit bewilligt, um die anfallenden Kosten in Langenheide zu decken. Ein einmaliger Zuschuss, wie Weike dem Verein auch mehrfach in Gesprächen und via Schriftverkehr mitgeteilt hatte.

Stadt betont: "Wir haben uns schon sehr kulant gezeigt"

Stefan Meier, bei der Stadt für die Sportplätze zuständig, sagt: „Das Geld war als Aufbauhilfe gedacht, damit der Verein nach mehreren Jahren ohne Spielbetrieb wieder auf die Beine kommt." Er betont: „Wir haben uns mit dieser Entscheidung schon sehr kulant gezeigt." Denn da die Sportförderungsrichtlinien der Stadt hierzu keine Regelung erhalten, ist eine Kostenübernahme für die Nutzung eines nicht städtischen Sportplatzes eigentlich nicht vorgesehen.

Abgemacht war, dass die Spieler des TFC dafür eine Zweitmitgliedschaft beim TuS Langenheide abschließen, um künftig anfallende Kosten selbst zu tragen. Das ist laut Meier bis heute nicht geschehen. Er und Weike schließen es aus, dem Verein in der neuen Saison wieder finanziell unter die Arme zu greifen. „Das wäre allen anderen Vereinen in der Stadt gegenüber sehr ungerecht", sagt Weike.

TFC-Obmann findet die Kompromissvorschläge der Stadt ungerecht

Um erneut auf dem Kunstrasen in Langenheide spielen zu dürfen, muss jeder TCF-Spieler laut Sever jetzt also 90 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen – so teuer ist die Jahresmitgliedschaft im TuS Langenheide. Weil der TFC selbst 60 Euro im Jahr für die Mitgliedschaft im Verein erhebt, müssten seine Spieler 150 Euro dafür bezahlen, um ihrem Hobby nachzugehen. „Wir haben viele Studenten in der Mannschaft", klagt Sever.

Auch das Angebot der anderen drei Vereine in Werther, den TFC als eigenständige Mannschaft oder Abteilung unter deren Dach agieren zu lassen, lehnte der Club ab. Er will seine Eigenständigkeit und Identität erhalten. Sever empfindet die Kompromissvorschläge als ungerecht: „Vor allem, weil es städtische Plätze gibt, die uns die Stadt Werther kostenlos zur Verfügung stellen könnte", sagt er.

Warum kann der TFC Werther nicht auf den städtischen Rasenplätzen spielen?

Tatsächlich befinden sich die Rasenplätze in Langenheide und Häger sowie die komplette Sportanlage am Meyerfeld in städtischer Hand. Eine Rückkehr ans Meyerfeld ist jedoch ausgeschlossen. Der BV Werther, der dort beheimatet ist, hat mittlerweile so viele Mannschaften gemeldet, dass ein Trainings- und Spielbetrieb zu angemessen Zeiten für den TFC Werther schlicht nicht möglich ist. Das sieht auch Sever ein: „Aber was ist mit den Rasenplätzen?", fragt er

Das ist ebenfalls nicht ganz einfach, sagt Weike. Die Pflege der Anlagen liege in den Händen der Vereine. Die Stadt zahle zwar einen kleinen Obolus: „Aber der steht nicht im Verhältnis zur Arbeit, die dort anfällt", sagt Werthers Bürgermeisterin. Wenn der TFC in Langenheide oder Häger spielen wolle, müsse er sich an der Platzpflege beteiligen – finanziell oder mit körperlicher Arbeit.

Stadt Werther signalisiert Gesprächsbereitschaft

Weil es am Rasenplatz in Langenheide allerdings kein Flutlicht gibt, eignet sich diese Spielstätte wohl ohnehin nur bedingt. Im Winter ist ein Trainings- und Spielbetrieb auf der Anlage praktisch ausgeschlossen. Der Rasenplatz in Häger ist zwar mit Flutlicht ausgestattet. In den Wintermonaten ist der Sportplatz aber sehr wahrscheinlich oft nicht bespielbar. Viele Spielausfälle wären die Folge.

Trotzdem signalisieren Weike und die Stadt Werther Gesprächsbereitschaft. Zumindest vorübergehend könnte einer der Rasenplätze das Problem des TFC Werther lösen, kündigt Weike an. „Herr Sever darf gerne noch einmal auf uns zukommen. Gemeinsam finden wir schon einen Ausweg", sagt Weike in einem offiziellen Pressegespräch, das sie extra zu diesem Thema einberufen hat.

Zuletzt waren die Fronten aber verhärtet. Sever kündigte sogar an, einen Anwalt einzuschalten. „Davon weiß ich noch nichts, aber auch er darf gerne an dem Gespräch teilnehmen", sagt Weike. Die Bürgermeisterin stellt klar: „Mir sind alle Vereine in der Stadt gleich wichtig."

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.