LokalsportCorona und Motorsport: Was macht der Versmolder Rennfahrer Louis Henkefend?

Im vergangenen Jahr feierte der Versmolder Louis Henkefend sein Debüt im Porsche-Carrera-Cup. Eine Wiederholung gibt es vorerst nicht. Und doch wird dem Nachwuchsrennfahrer sicher nicht langweilig.

Dennis Bleck

Louis Henkefend feierte im vergangenen Jahr sein Debüt im Porsche-Carrera-Cup. - © Bildagentur Kräling
Louis Henkefend feierte im vergangenen Jahr sein Debüt im Porsche-Carrera-Cup. © Bildagentur Kräling

Versmold. Das Coronavirus legt auch die Motoren lahm. Nicht nur der Start in die Formel 1-Saison wurde wegen der Pandemie jetzt auf Anfang Juli verschoben. Auch andere Motorsport-Events finden in diesem Jahr gar nicht oder nur sehr begrenzt statt. „Wir sind heilfroh, dass wir den Schritt in den Profibereich im vergangenen Jahr gemacht haben", sagt Stefan Henkefend.

Wie berichtet hatte der Geschäftsführer eines Ersatzbrennstoffvertriebs Sponsorenakquise betrieben, um Sohn Louis den Start im Porsche-Carrera-Cup zu ermöglichen. Der Nachwuchsrennfahrer aus Versmold hatte sich Monate zuvor bei den „Experience Days" für einen Platz im Cockpit des 485 PS starken Boliden empfohlen. Etwa 300.000 Euro Eigenkapital musste jeder Fahrer für eine Saison mitbringen.

Eine Summe, die die Familie Henkefend im vergangenen Jahr aufbrachte. „Wir haben den Etat komplett fremdfinanziert", sagt Stefan Henkefend. Hätte schon im Jahr 2019 das Coronavirus dazwischen gegrätscht, wäre ein Großteil des Geldes wohl weggewesen. „Glück gehabt", sagt der Vereinsvorsitzende des Versmolder Automobilclubs und atmet auf.

„Budget lässt derzeit keine größeren Aktivitäten zu"

In diesem Jahr hatten Vater Stefan und Sohn Louis ihre Renn-Ambitionen ohnehin heruntergeschraubt. „Unser Budget lässt derzeit keine größeren Motorsportaktivitäten zu", sagt der Papa. Die Suche nach neuen Sponsoren gestaltet sich wegen der Corona-Krise zudem schwierig. Es gebe einige mündliche Zusagen für den ein oder anderen Testtag, mehr nicht.

Derzeit ist ohnehin noch offen, wann die Porschefahrer ihre Fahrzeuge aus der Garage holen. Ursprünglich sollte der Carrera-Cup Ende April in Oschersleben beginnen. Bis heute hat noch kein Rennen stattgefunden. Im Rennkalender auf diversen Motorsport-Internetseiten ist derzeit auch nur ein Termin notiert. Demnach soll die Saison am zweiten Juliwochenende am Norisring in Nürnberg starten. Hinter der Austragung steht aber noch ein dickes Fragezeichen – die behördliche Genehmigung steht nämlich noch aus.

Priorität genießt im Moment das Studium zum Wirtschaftsingenieur

Ohnehin ist sich Stefan Henkefend sicher, „dass die kommende Saison nicht an das Niveau der vergangenen heranreichen wird". Das Fahrerfeld sei weder so stark wie im vorigen Jahr noch vollzählig besetzt. Außerdem werde es weniger Rennen geben.

Sohn Louis nutzt die Zeit außerhalb des Cockpits, um sein Wirtschaftsingenieurs-Studium an der Universität in Paderborn voranzubringen. Nachdem er praktisch das komplette Sommersemester 2019 verpasst hatte, weil er am Steuer eines Rennautos gesessen hatte, versucht er den fehlenden Stoff jetzt nachzuholen.

In dieser Saison wird Louis Henkefend seinen Platz im Cockpit des 485 PS starken Boliden wohl nur für Testfahren einnehmen. - © Bildagentur Kräling
In dieser Saison wird Louis Henkefend seinen Platz im Cockpit des 485 PS starken Boliden wohl nur für Testfahren einnehmen. (© Bildagentur Kräling)

Der Kontakt zu Porsche besteht aber nach wie vor. Selbst wenn es mit der aktiven Rennfahrer-Karriere nicht weitergeht, könnten sich durch das Studium neue Möglichkeiten für Louis eröffnen – abseits des Lenkrads. Schließlich sei Porsche sehr an jungen Menschen interessiert, die sowohl die Theorie als auch die Praxis beherrschen, meint Stefan Henkefend.

Gleichzeitig macht der rennsportbegeisterte Familienvater aber klar, dass eine Rückkehr ins Cockpit Louis erste Option sei: „Wenn sich die Möglichkeit ergibt, werden wir sie sofort ergreifen", sagt Henkefend, der seinen Sohn im vergangenen Jahr bei jedem Rennen begleitete.

„Als Familie hat uns das vergangene Jahr sehr geprägt"

Doch nicht nur er, sondern die ganze Familie habe hinter der Entscheidung gestanden. „Wir haben diesen Entschluss nie bereut", sagt Stefan Henkefend: „Als Familie hat uns das vergangene Jahr sehr geprägt."

Damit Louis Henkefend das Gefühl für die Geschwindigkeit nicht verliert, übt er fleißig am Rennsimulator. Der steht in seiner Wohnung in Paderborn, die er sich mit seiner Schwester, die ebenfalls an der dortigen Uni studiert, teilt. Über Pfingsten war er außerdem mit seinem Vater am Hockenheimring, um an den „Touristenfahrten" teilzunehmen.

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