Nach 30 Jahren Handball: Trashtalker Christian Kalms sagt Tschüss

Nach 30 Jahren verabschiedet sich der Rückraumspieler des TuS Brockhagen vom leistungsorientierten Handball. Im Interview verrät er, worauf er sich jetzt am meisten freut, was ihm in Loxten gefallen hat und welche Gegenspieler ihn besonders motiviert haben.

Johnny Dähne

Im Brockhagener Trikot feierte Christian Kalms (Mitte) seine größten Erfolge. Vor einem Jahr stieg er mit dem TuS in die Verbandsliga auf. Fotos: Johnny Dähne / Christian helmig - © Johnny Dähne
Im Brockhagener Trikot feierte Christian Kalms (Mitte) seine größten Erfolge. Vor einem Jahr stieg er mit dem TuS in die Verbandsliga auf. Fotos: Johnny Dähne / Christian helmig (© Johnny Dähne)

Chrissi, das Coronavirus hat die Handballer auf Eis gelegt. Trotzdem läuft es für Sie ja sportlich gerade richtig rund.

Christian Kalms: Das stimmt! Die Arminia ist voll im Soll und macht richtig Spaß. Ich habe mir im Januar eine Rückrundendauerkarte geholt, aber die ist ja jetzt leider hinfällig (schmunzelt).

Ganz neu ist diese Leidenschaft für Sie aber nicht, oder?

Kalms: Für Fußball und den DSC begeistere ich mich tatsächlich schon lange. Es hat alles damit angefangen, dass ich mit meiner Tante regelmäßig zur Alm gefahren bin.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, nach 30 Jahren ambitioniertem Handball einen Schlussstrich zu ziehen?

Kalms: Die Überlegungen gab es schon nach meinem Wechsel von Loxten zurück nach Brockhagen vor zwei Jahren. Das Ziel war, mit dem TuS in die Verbandsliga aufzusteigen – was wir ja auch geschafft haben. Danach habe ich noch diese Saison drangehängt, aber ich muss sagen, dass mir die absolute Motivation fehlt. Man hat auch andere Interessen, will mal wegfahren – und das geht mit Spielen und Training eben seltener. Ich freue mich darauf, jetzt zeitlich ungebundener zu sein.

Wie sehr beschäftigt es Sie, dass Sie Ihren Abschied wegen der aktuellen Pandemie nicht in einem Ligaspiel feiern können?

Kalms: Das ist schon sehr schade. Auf diese Art und Weise tritt man natürlich ungern ab, zumal die Saison für mich nicht so lief wie gewünscht. Es fing mit der blauen Karte beim ersten Saisonspiel in Brake blöd an und ging ähnlich weiter. Nach dem letzten Heimspiel hätte ich gerne eine kleine Feierlichkeit mitgemacht."

"Ich hatte vier wunderschöne Jahre in Loxten"

Bis auf den Zeitraum von 2014 bis 2018 haben Sie immer das Brockhagener Trikot getragen. Wieso sind Sie damals nach Loxten gewechselt?

Kalms: Da kamen einige Punkte zusammen. Zum einen ging es in Brockhagen vor meinem Wechsel immer nur um den Aufstieg oder gegen den Abstieg. Die Angebote von anderen Vereinen waren da, aber ich habe immer gesagt: ’Ich kann jetzt hier nicht weg, weil die nächste Saison wichtig ist.’ Dann kam der Punkt, als wir 2014 das entscheidende Spiel um den Verbandsliga-Aufstieg bei Jöllenbeck II verloren haben. Dirk Elschner (damaliger Trainer in Loxten) hat mich wenige Tage danach wieder angerufen – und dann habe ich zugesagt.

Auch in Loxten war Christian Kalms ein Publikumsliebling. - © Christian Helmig
Auch in Loxten war Christian Kalms ein Publikumsliebling. (© Christian Helmig)

War es die richtige Entscheidung?

Kalms: Es ist mir nicht leicht gefallen, aber die Herausforderung Oberliga wollte ich noch mal angehen. Von der Mannschaft, vom Vorstand, von den Zuschauern her waren es vier wunderschöne Jahre in Loxten. Und nebenbei konnten Heiner Steinkühler und ich doch noch unser lange gehegtes Vorhaben umsetzen, einmal zusammenzuspielen (schmunzelt).

"Mit dem Schlägerimage hatte ich zu kämpfen"

In der Oberliga haben Sie sich den Ruf eines sehr guten Deckungsspielers erarbeitet. Nach Ihrer Rückkehr zum TuS kam ihre Spielweise bei den Schiedsrichtern in der Landes- und Verbandsliga aber nicht so gut an.

Kalms: Meines Erachtens habe ich weiter so gedeckt wie zuvor. Ich verteidige hart, aber im Angriff bekomme ich ja auch immer viel aufs Fell und beschwere mich nicht. Ehrlicherweise hatte ich zuletzt mit dem Schlägerimage aber schon zu kämpfen.

Sie waren neben der gesunden Härte auch immer bekannt dafür, den Trashtalk auf dem Feld zu pflegen. Gegen welche Spieler hat Ihnen das besonderen Spaß gemacht?

Kalms: Dirk Schnake aus Löhne – selber Schiedsrichter – ist mir in Erinnerung geblieben. Auch gegen Uli Neumann von Mennighüffen war es immer hart. Leider hat man ihn selten erwischt, weil er meist nur Deckung spielen durfte (lacht). Mit Uwe Wortmann (Spvg. Steinhagen) war es eher eine Neckerei auf dem Platz. Und mit Christian Blankert(heutiger Trainer der Spvg. Steinhagen) hat man in jeder Begegnung Trashtalk auf hohem Niveau geführt.

Hören Sie von heute auf morgen auf oder wie sehen ihre sportlichen Pläne für die nächsten Monate aus?

Kalms: Aktuell bin ich neben der Arbeit vier Mal die Woche im Fitnessstudio und halte mich so fit. Wenn es in der Halle wieder losgeht, spiele ich beim TuS in der Vierten mit Lokman Direk, Stefan Hermbecker, Marc Brüggemann, Julian Stolte und Co. Da gibt es einen 35-Mann-Kader, kein Handballtraining und nur Spiele. Das Wichtigste ist für uns da der gesellige Teil.

"Wenn es eng wird, hat Timo meine Nummer"

Gibt es etwas, von dem Sie heute schon wissen, dass Sie es vermissen werden?

Kalms: Die Heimspiele vor vollen Zuschauerrängen. Dafür hat man es doch gemacht. Auch die Derbys werden mir sicherlich fehlen. Aber auf ein Spiel auf einem Sonntag um 18 Uhr in Senden kann ich gut verzichten.

Schließen Sie ein Comeback in der ersten Brockhagener Mannschaft definitiv aus?

Kalms: Für den Fall, dass es personell eng wird und Timo (TuS-Trainer Schäfer) meine Hilfe braucht, hat er meine Nummer.

Info
Name: Christian Kalms.
Spitzname: Chrissi.
Alter: 35.
Vereine: TuS Brockhagen, SF Loxten.
Erfolge: Aufstiege mit dem TuS von der Bezirks- bis in die Oberliga, vier Jahre Oberliga in Loxten.
Beruf: Landschaftsgärtner.

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