LokalsportNach 34 Jahren ist Schluss: 75-Jähriger verabschiedet sich vom Lebenswerk

Claus-Werner Kreft tritt nach 34 Jahren als Statistiker des westfälischen Leichtathletik-Verbandes zurück. Seiner Sportart möchte der 75-Jährige aus Werther aber verbunden bleiben.

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Claus-Werner Kreft ist bei den westfälischen Leichtathleten hoch angesehen. - © Philipp Kreutzer
Claus-Werner Kreft ist bei den westfälischen Leichtathleten hoch angesehen. (© Philipp Kreutzer)

Werther. Momentan finden wegen der Corona-Krise deutschlandweit keine Leichtathletik-Wettkämpfe statt. Daher fallen auch keine Ergebnislisten an. Dies ist aber nicht der Grund, weshalb sich Claus-Werner Kreft, einer der versiertesten Leichtathletik-Kenner in Westfalen, nach mehr als 34 Jahren engagierter Arbeit jetzt als Statistiker des Verbandes zurückzieht.

Wer in den vergangenen Jahren die Bestenliste in die Hand nahm, konnte sich kaum vorstellen, dass der 75-Jährige aus Werther alljährlich rund 700 Arbeitsstunden investieren musste, um das umfangreiche Zahlenwerk zusammenzustellen. Tausende Daten hat Kreft für die Rangliste, die sich im Laufe der Jahre für die Leichtathleten zum Bestseller entwickelte, zusammengetragen. Und selbst im digitalen Zeitalter musste er bei der Bestenlisten-Erstellung noch sehr viel „Handarbeit" leisten. Seine außergewöhnlichen Recherchequalitäten kamen Claus-Werner Kreft dabei entgegen. So überprüfte er alle Listen mit großer Akribie, führte zahllose Telefonate und sprach mit Mitarbeitern von Meisterschaften und Sportfesten, falls das notwendige Datenmaterial fehlte oder fehlerhaft war.

Sehr viel Zeit investierte der eifrige Statistiker auch für Straßenläufe. Vor allem bei Läufen außerhalb von Westfalen war es manchmal recht mühsam zu überprüfen, ob eine Strecke offiziell vermessen und damit bestenlistentauglich war.

„Unter dem Strich hat mir meine Tätigkeit auch Spaß gemacht, sonst hätte ich sie nicht so lange durchgeführt", betont Claus-Werner Kreft. „Aber ich habe im vergangenen Jahr meinen 75. Geburtstag gefeiert. Da ist mir immer klarer geworden, dass ich irgendwann auch Zeit für andere Dinge benötige."

„Dazu gehört schon eine besondere Begeisterung"

Endgültigen Abschied wird er von der Leichtathletik aber noch nicht nehmen. Unter dem Autorenkürzel „cwk", mit dem er rund fünf Jahrzehnte lang auch seine Artikel für das Haller Kreisblatt kennzeichnete, möchte Claus-Werner Kreft für verschiedene Zeitungen weiterhin als Sportjournalist und Experte tätig sein.

Der wegen seiner Bescheidenheit und seiner zurückhaltenden Art bei den Sportlern beliebte und wegen seines großen Wissensschatzes bei den Vereinen geschätzte Wertheraner machte sich in Westfalen aber nicht nur als Statistiker und Sportjounalist, sondern auch als Sportler einen Namen. So siegte der Spezialist für Weitsprung und Dreisprung elfmal bei einer Senioren-Weltmeisterschaft – zuerst 1997 in Südafrika und zuletzt 2013 in Brasilien. Hinzu kamen neun EM-Titel. Insgesamt sammelte der gebürtige Bielefelder 50 internationale Medaillen. Erst eine 2015 erlittene schwere Schulterverletzung mit anschließender Operation schränkte seine sportlichen Aktivitäten ein.

Claus-Werner Kreft hat die Bestenliste gelebt

„Die Leichtathletik im FLVW ist Claus-Werner Kreft zu großem Dank verpflichtet", sagte Bernhard Bußmann, der Vorsitzende des Verbandsleichtathletik-Ausschusses. „Mit enormem zeitlichen Aufwand und seiner bekannten Akribie hat er dafür gesorgt, dass die Vereine und Aktiven jährlich ein bemerkenswertes Exemplar der westfälischen Bestenliste bekamen."

Bewundernswert war für Bußmann immer, wie Kreft über solch einen langen Zeitraum die Bestenliste händisch gepflegt hat. „Dazu gehört schon eine besondere Begeisterung für diese Tätigkeit. Claus-Werner Kreft hat die Bestenliste einfach gelebt, sie war schon fast sein Lebenswerk. Ohne ihn werden sich die westfälischen Leichtathleten an eine neue Form der Bestenliste gewöhnen müssen", so Bernhard Bußmann.