Wie dieser ehemalige Amshausener Fußballer ein Regionalliga-Profi wurde

Ihsan Kalkans fußballerische Wurzeln liegen in Amshausen. Mittlerweile ist der ehemalige türkische Juniorennationalspieler Trainer beim SC Herford. Jetzt spricht er über seine bewegte Karriere.

Matthias Foede,Dennis Bleck

Seit Sommer 2019 ist Ihsan Kalkan Trainer beim Fußball-Westfalenligisten SC Herford. Zuvor kickte er mehrere Jahre in der Regionalliga. Seine fußballerischen Wurzeln liegen im Altkreis. - © Henrik Martinschledde
Seit Sommer 2019 ist Ihsan Kalkan Trainer beim Fußball-Westfalenligisten SC Herford. Zuvor kickte er mehrere Jahre in der Regionalliga. Seine fußballerischen Wurzeln liegen im Altkreis. (© Henrik Martinschledde)

Amshausen. Ihsan Kalkan erscheint mit Mundschutz zum Gespräch. Die Maske hat ihm seine Cousine überlassen, die als Arzthelferin arbeitet. Offen plaudert der 31-Jährige im FuPa Podcast „Flügelzange OWL" über seine Karriere als aktiver Fußballer, seinen ersten Trainerjob beim Westfalenligisten SC Herford und seine Zeit als Student in den USA. Außerdem verrät Kalkan, warum er wegen Corona vorübergehend in sein altes Kinderzimmer ziehen musste.

Kalkans Karriere

Kalkans bewegte Fußballkarriere begann in der Jugend des TSV Amshausen. Später wechselte er zu Arminia Bielefeld und spielte in der A-Jugend-Bundesliga. „Dort hatten wir das beste Kabinenleben", sagt Kalkan und erklärt weshalb: „Wir waren alle ein Alter und hatten alle nur ein Ziel: Wir wollten in die Kabine der Profis." Dieser Sprung ist dem viermaligen türkischen U-Nationalspieler zwar nicht geglückt. Dafür blickt er heute aber immerhin auf mehr als 90 Einsätze in der Regionalliga zurück.

Zunächst beim SC Verl und anschließend beim SV Rödinghausen entwickelte sich Kalkan zu einem kompromisslosen Innenverteidiger. Mit Rödinghausen stieg Kalkan von 2011 bis 2019 von der Landes- in die Regionalliga auf. Noch heute schlägt sein Herz für den Verein aus dem Kreis Herford. Die momentane Entwicklung verfolgt er interessiert. Logisch, schließlich hat Kalkan erst im vergangenen Mai seine aktive Laufbahn beim derzeitigen Spitzenreiter der Regionalliga West beendet. Unterbrochen war diese Zeit nur durch ein einjährigen Auslandsaufenthalt in Los Angeles.

Die Zeit in den USA

Mit einem Stipendium ausgestattet studierte Kalkan für mehrere Monate in den USA und kickte dort an einem College. Dabei erlebte der Fußballer nicht nur die sonnigen Momente von Los Angeles – auch die Schattenseiten der US-Metropole blieben Kalkan nicht verborgen. „Das Leben dort ist nicht so einfach, wie viele es vielleicht aus Magazinen kennen", sagt Kalkan.

Vor allem die hohen Kosten schreckten ihn ab. Allein die Wohnung, in der Kalkan während seines Auslandaufenthalts lebte, kostete monatlich 1.500 Dollar. Ein Preis, den der 31-Jährige ohne das Stipendium nie hätte zahlen können. Und auch das Nachtleben war kostspielig. Trotzdem besuchte Kalkan Bars und Clubs. „Einen Promi habe ich dabei aber nie getroffen – die haben sich sicher an anderen Orten versammelt", sagt er und lacht.

Die erste Trainerstation

Im vergangenen Sommer übernahm Kalkan als erst 30-Jähriger das Traineramt beim Westfalenligisten SC Herford. „Das Angebot klang so interessant, das musste ich einfach annehmen", sagt er heute. Ursprünglich sahen die Herforder in Kalkan aber einen spielenden Co-Trainer. Für das Amt des Chefcoachs hatten die Funktionäre zunächst andere Kandidaten im Blick. Erst später forderten sie den Deutsch-Türken auf, ein eigenes Konzept zu entwickeln. In einer Powerpoint-Präsentation stellte Kalkan anschließend seine Spielideen vor. Und zwar so überzeugend, dass die Verantwortlichen des SC Herford, Kalkan umgehend als Trainer verpflichten wollten.

Nach einer äußerst durchwachsenen Hinrunde – Herford überwinterte auf einem Abstiegsplatz – hat sich die Mannschaft bis zur Unterbrechung gut entwickelt. Als Tabellendreizehnter sind die Herforder zwar immer noch abstiegsgefährdet. Weil der Fußballverband die Saison aber abbrechen wird und keine Absteiger benennt, bleibt der Club Westfalenligist. Unabhängig davon ist sich Kalkan aber ohnehin sicher, „dass wir auch sportlich den Klassenerhalt geschafft hätten". Allerdings räumt Kalkan ein: „In dieser Saison haben wir die Erwartung nicht erfüllt." Und trotzdem: „In der neuen Spielzeit wollen wir auf jeden Fall nach oben gucken."

Kalkan über Corona

Das Coronavirus hat Kalkan nicht nur in seiner Funktion als Fußballtrainer im Griff. Auch privat schränkte es den Ex-Regionalligakicker stark ein. Kalkan und seine Frau hatten Eigentum erworben und wollten am 1. April umziehen. Wegen der Kontaktsperren musste das Paar den kompletten Umzug allein bewältigen. Weil sich dieser auch noch verzögerte, „mussten wir eine Woche in mein altes Kinderzimmer ziehen", sagt Kalkan.

In dem Mehrparteienhaus, in dem nicht nur seine Eltern sondern auch die Großeltern leben, fürchtete er, dass er diese mit Corona infizieren könne – auch, weil seine Frau in der Lebensmittelbranche arbeitet und nicht lange im Home-Office war. Die Familie blieb aber gesund und Kalkan und seine Frau nutzen die Corona-Zeit, um das neue Heim einzurichten.

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