Handball-Ligen droht die Überfüllung - Wie will der Verband reagieren?

Weil es wegen der Wildcardregel in vielen Handball-Ligen zu einer Überfüllung kommen kann, müssen die Funktionäre reagieren. Schon jetzt scheint klar: Eine Saison wie die vergangene wird es mancherorts nicht geben.

Gregor Winkler

Lotta Hoffmann (am Ball) und die Frauen des TuS Brockhagen spielen nächstes Jahr in der Oberliga. Wahrscheinlich wird es aber zwei Staffeln geben. - © Christian Helmig
Lotta Hoffmann (am Ball) und die Frauen des TuS Brockhagen spielen nächstes Jahr in der Oberliga. Wahrscheinlich wird es aber zwei Staffeln geben. (© Christian Helmig)

Altkreis Halle. Das könnte ein ganz dickes Ding werden. Und nein, hier liegt kein Skandal im Zusammenhang mit irgendwelchen Corona-Regeln in der Luft. Hier geht es ganz konkret um etwas, das schlicht Gefahr läuft, überdimensioniert zu werden: Die Westfälische Frauenhandball-Oberliga.

Mit seinen Regeln, die Saison ohne Absteiger, mit den Tabellenführern als Meister und diversen Wildcards für hoch platzierte Mannschaften abzubrechen, hat sich der Handballverband Westfalen (HVW) großen Respekt verschafft. Es gab so gut wie keine Kritik an der Abwicklung einer Saison, die unter keinen Umständen hätte zu Ende gespielt werden können.

Für die kommende Spielzeit droht jetzt dafür Überfüllung, wie das Beispiel der Frauen-Oberliga zeigt. Wie geschrieben, wird der PSV Recklinghausen die Spielklasse als Aufsteiger in die dritte Liga verlassen. Absteiger, ebenfalls wie erwähnt, gibt es keine. Aus zwei Verbandsligastaffeln rücken die jeweiligen Corona-Meister Petershagen/Lahde und Westfalia Kinderhaus hoch. Hinzu kommen die Wildcard-Inhaber TuS Brockhagen und TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck (Staffel eins) sowie Riemke, Lünen und Coesfeld (Staffel zwei). Einer raus, sieben Clubs rein – das hieße, dass die vierte Liga künftig 20 Mannschaften umfassen würde.

Rückzug eines Drittligisten ist nicht ausgeschlossen

Sollte noch ein Drittligist (Netphen, Blomberg II, Königsborn oder Dortmund II) aus dem Verbandsgebiet zurück ziehen, würde sich die Klasse weiter aufblähen. „Das kann passieren", sagt Andreas Tiemann, Vizepräsident des HVW. „Meldeschluss für die Oberliga ist am 20. Mai, damit die Teams, die auf ihr Drittliga-Spielrecht verzichten, vor einer Entscheidung für die Oberliga noch ein paar Tage in sich gehen können."

Andreas Tiemann hat alles im Griff. - © Marcus Riechmann
Andreas Tiemann hat alles im Griff. (© Marcus Riechmann)

Wird das allseits gelobte Wildcard-Model damit zum unkontrollierbaren Boomerang für den Verband? 20 Teams, das hieße 38 Spieltage. Üblich waren in der 14er Staffel bisher 26. Selbst mit englischen Wochen ist das nicht zu stemmen. Das weiß – natürlich – auch Tiemann. Und der versierte Funktionär wusste es auch schon, als er die vergangene Saison abwickelte. Hier kommt also nichts Unerwartetes auf den Spielleiter des Verbandes zu.

„Das war mit eingeplant. Wir haben von Beginn an gesagt, dass wir das ganze in zwei Jahren wieder runter spielen", sagt Tiemann und erklärt den Zeitplan, bis die Ligen wieder auf Normalmaß gestutzt sind. Konkret verspricht er: „38 Spieltage werden nicht durchzukriegen sein. Es wird also nicht jeder gegen jeden spielen."

Auch der Verbandsliga der Männer droht eine Überfüllung

Soll heißen: Der Verband wird die Oberliga teilen, um die Saison zunächst in zwei kleineren Staffeln zu bestreiten. Tiemann sagt aber auch: „Vielleicht eröffnet uns diese Situation die Chance zu einer grundsätzlichen Strukturreform." Man müsse bereit sein, in bestimmten Spielklassen über andere Formen als das bekannte Liga-Spielsystem nachzudenken.

Im Jugendbereich und auf den unteren Kreisebenen tüfteln längst Kommissionen daran, ein attraktives Wettkampfsystem aufzustellen, das der schwindenden Zahl von Teams und einem veränderten Freizeitverhalten der Jugendlichen Rechnung trägt. Ein wöchentlicher Spielbetrieb über sieben Monate kommt darin schon längst nicht mehr vor. Für die Erwachsenenklassen käme das jetzt vielleicht überstürzt, aber die Diskussion würde Tiemann gerne anschieben, irgendwann in nächster Zeit.

Neben der Frauen-Oberliga könnte es auch in der Männer-Verbandsliga zu einer Überbelegung kommen. Aktuell scheinen sich 34 Teams für zwei Staffeln zu bewerben – ebenfalls zu viel, findet Tiemann. Der Spieltechnikleiter des HVW bleibt entspannt. Abgesehen von diesen zwei kleinen Stolperfallen hat das ganze sein System schließlich gut funktioniert.

Links zum Thema

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.