LokalsportVersmolder Kicker schafft es in die 125-Jahre-Traumelf von Fortuna Düsseldorf

Von Versmold aus zog es Egon Köhnen einst zur großen Fortuna. Jetzt wurde der zweimalige DFB-Pokalsieger in die 125-Jahre-Traumelf des Fußball-Bundesligisten gewählt.

Christian Helmig

Mit vollem Einsatz: Egon Köhnen trennt den Gladbacher Jupp Heynckes vom Ball. Gegen Heynckes, sagt Köhnen, habe er immer gern gespielt, "ich sah meistens ganz gut aus gegen ihn". - © Horstmüller
Mit vollem Einsatz: Egon Köhnen trennt den Gladbacher Jupp Heynckes vom Ball. Gegen Heynckes, sagt Köhnen, habe er immer gern gespielt, "ich sah meistens ganz gut aus gegen ihn". © Horstmüller

Versmold/Düsseldorf. Im närrischen Düsseldorf nehmen sie sich gerne selbst auf die Schippe. „Schmalbauch" heißt die Kneipe im Stadtteil Flingern. „Aber Männer mit schmalen Bäuchen", sagt Egon Köhnen und lacht dabei, „die trifft man hier selten". Trotzdem kommt er gerne her – in den selbst ernannten Kulttreff, der quasi direkt vor seiner Haustür liegt. Dass der 72-Jährige von seinen Freunden und den Fortuna-Fans in diesen Tagen noch herzlicher begrüßt wird als sonst, liegt an einer besonderen Auszeichnung: Anlässlich des Jubiläums von Fortuna Düsseldorf wählten rund 5.000 Leser der Rheinischen Post, eine der größten Tageszeitungen in der Landeshauptstadt, den ehemaligen Versmolder jetzt in die „125-Jahre-Traumelf" des traditionsreichen Bundesligisten.

„Die Resonanz war groß. Viele Menschen haben mir dazu gratuliert, per WhatsApp, aber auch persönlich", berichtet Egon Köhnen. Und er gibt zu: „Ich fühle mich geehrt." Wenngleich es nicht die erste Würdigung dieser Art ist – 2009 wurde er bereits in die offizielle Legenden-Elf der Fortuna berufen – macht es ihn bis heute stolz, in einem Atemzug mit ehemaligen Nationalspielern wie Paul Janes, Toni Turek, Erich Juskowiak, Wolfgang Seel oder den Allofs-Brüdern Klaus und Thomas genannt zu werden.

Der Fortuna ist Egon Köhnen bis heute treu geblieben. - © Tom Koster
Der Fortuna ist Egon Köhnen bis heute treu geblieben. (© Tom Koster)

Mit den drei Letztgenannten und dem ebenfalls nominierten Libero Gerd Zewe stand Egon Köhnen bei den bislang größten Erfolgen in der Vereinsgeschichte der Rheinländer sogar gemeinsam auf dem Platz: 1979 und 1980 gewann die Fortuna zweimal in Folge den DFB-Pokal. 1979 zogen die Düsseldorfer zudem ins Finale des Europapokals der Pokalsieger ein. Gegner in Basel war der ruhmreiche FC Barcelona, der sich mit seinen Stars um Johan Neeskens und Hans Krankl erst nach Verlängerung mit 4:3 gegen den furchtlosen Außenseiter durchsetzte.

Kontakte in die alte Heimat sind selten geworden

Egon Köhnen absolvierte alle drei dieser Endspiele über die gesamte Spielzeit. Mit mehr als 350 Pflichtspiel-Einsätzen gehört der einst so zweikampfstarke Verteidiger bis heute zu den Rekordspielern des Clubs. Begonnen hatte seine Karriere einige Jahre zuvor weiter vorne – als Stürmer bei der Spvg. Versmold. Von der Fleischstadt aus schaffte er es bis in die Schüler-Nationalmannschaft, ehe 1965 die große Fortuna auf ihn aufmerksam wurde und ihn nach Düsseldorf lockte.

Den „95ern" hält Egon Köhnen bis heute die Treue. In einer Position „unterhalb des Vorstands", ist er regelmäßig als Repräsentant für die Club unterwegs. Gerade jetzt, im Jubiläumsjahr, hätte es jede Menge für ihn zu tun gegeben – wenn nicht die Corona-Krise dazwischengekommen wäre. „Alle Feierlichkeiten wurden abgesagt", erzählt Köhnen ein wenig traurig.

Den Tennisschläger hat er indes schon vor einigen Jahren an den Nagel gehängt. „Es gab Ärger in der Mannschaft, da haben drei von uns aufgehört", nennt er den Grund. Dazu kamen gesundheitliche Probleme. Auch die Kontakte in die Versmolder Heimat, wo sein Halbbruder Harald lebt, sind selten geworden.

„Vielleicht würde ich sogar ins Stadion reinkommen"

Seine Zeit vertreibt er sich mit Radtouren. Auch Fußballspiele schaut er sich natürlich immer gerne an. Dass die Bundesliga an diesem Samstag wieder startet, betrachtet Egon Köhnen mit gemischten Gefühlen. „Ohne Publikum wird das bestimmt seltsam", glaubt er. Für die Fortuna, derzeit Tabellen-16., geht es gleich mit einem richtungweisenden Heimspiel gegen Schlusslicht SC Paderborn los. „Vielleicht würde ich sogar ins Stadion reinkommen", sagt Egon Köhnen, „aber alleine macht mir das auch keinen Spaß". Stattdessen verfolgt er das Spiel lieber im „Schmalbauch" – mit seinen Freunden „und einem lecker Bierchen".

Info
Das ist die 125-Jahre-Traumelf von Fortuna Düsseldorf - Tor: Toni Turek; Abwehr: Egon Köhnen, Gerd Zewe, Paul Janes; Mittelfeld: Oliver Fink, Matthias Mauritz, Erich Juskowiak, "Lumpi" Lambertz; Sturm: Wolfgang Seel, Klaus Allofs, Thomas Allofs. Trainer: Friedhelm Funkel.
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