Dustin Lohdes Erfolgsgeschichte bei der TG Hörste endet mit dem Aufstieg

Der Handballtrainer hört nach fünf Jahren bei den Rothosen auf. Seine Bilanz kann sich sehen lassen. Was nach dem Sabbatjahr auf den 29-Jährigen zukommt, ist noch ungewiss.

Nils Uhlig

Dustin Lohde, Trainer TG Hörste - © Mark Grzibek
Dustin Lohde, Trainer TG Hörste (© Mark Grzibek)

Hörste. „Vor sechs Jahren, als wir in einem Hörster Wohnzimmer einen Ausblick gewagt haben, war das jetzt Erreichte unsere Maximalvorstellung", erinnert sich Dustin Lohde. Damals führte er Vertragsgespräche, bekam wenig später das Traineramt bei der TG Hörste. Nach fünf Jahren im Verein hört Lohde jetzt auf und blickt auf eine überaus erfolgreiche Zeit zurück.

In seiner ersten Saison führte der heute 29-Jährige die damalige B-Jugend der „Rothosen" ins Halbfinale der Westfalenmeisterschaft. Nur zwei Jahre später klopfte er mit dem selben Kader als Oberliga-Zweiter an die Tür zur A-Jugend-Bundesliga. Nachdem ihm und seiner Mannschaft der Sprung in die Eliteliga im ersten Anlauf noch verwehrt geblieben war, klappte es ein Jahr später – ein bisher unerreichter Erfolg im Jugendhandball des Altkreises und nicht der einzige in dieser Saison. Denn gleichzeitig gewann Lohde mit vielen A-Jugendlichen im Kader die Vizemeisterschaft in der Frauenhandball-Landesliga. Zum Ende seiner TG-Karriere stiegen Lohde und die Hörster Frauen jetzt als Meister in die Verbandsliga auf.

„Sportlich war das in diesem Jahr eine sehr deutliche Nummer. Schade, dass wir wegen der aktuellen Situation keinen gebührenden Abschluss haben", sagt Lohde. Wie berichtet hatte der Handballverband Westfalen die Saison wegen der Coronavirus-Pandemie abgebrochen und die Landesliga-Frauen zum Meister und Aufsteiger ernannt. Lohde weiß, dass diese Entscheidung die einzig richtige ist. „Und trotzdem hätte ich natürlich gerne die zwei emotionalen Momente mitgenommen", sagt er. Auf- und Abschiedsfeier in der Sporthalle bleiben dem hauptberuflichen Lehrer jetzt zwar erst einmal versagt: Natürlich will die TG ihre Meistersause in irgendeiner Form nachholen. Wann auch immer.

Trotz Pause: Ganz ohne Handball geht es bei Lohde nicht

Doch was macht Dustin Lohde eigentlich in seinem selbst auferlegten Sabbatjahr? Jetzt wo er nicht mehr dreimal die Woche abends in der Halle steht und am Wochenende keine Kommandos von der Seitenlinie mehr gibt? Fakt ist: Ohne Handball geht es nicht: „Am Wochenende werde ich meine Zeit weiter viel in Handballhallen verbringen", sagt er: „Aber ich freue mich darauf, Spiele mal wieder einfach nur als Zuschauer zu verfolgen."

Und danach? Der handballverrückte Harsewinkeler kann sich aktuell vieles vorstellen und hofft, dass es schon bald wieder kribbelt, damit er nach einem Jahr Pause mit neuem Elan wieder durchstarten kann. Für Angebote ist er offen und sagt: „Natürlich steht man als Trainer bei den Senioren mehr im Fokus durch die erhöhte Aufmerksamkeit in der Presse. Aber für mich ist auch der Jugendbereich weiter spannend, weil man dort noch größeren Einfluss auf die sportliche Entwicklung der Mannschaften hat."

Der Kontakt zu seinen Spielerinnen, die die erfolgreiche Hörster Zeit ebenso prägten wie Lohde selbst, bleibt selbstverständlich bestehen. Auch in der Haller Masch wird der erfolgsverwöhnte Handballcoach zukünftig weiter viel Zeit verbringen. Auf der Tribüne. Von dort will er seine Freundin Julia Gerdes anfeuern und unterstützen.

Wie es mit der Mannschaft im Jahr eins nach Lohde weitergehen soll, verfolgt er aufmerksam: „Die Trainerfrage ist ja noch nicht geklärt. Aber ich bin gespannt darauf zu sehen, wie die Mannschaft mit einer anderen Spielphilosophie aussehen wird", sagt Lohde.

Gleichzeitig ist er sich sicher, dass die Verantwortlichen bald einen adäquaten Nachfolger finden werden. Zuversichtlich ist er deshalb, weil die erfolgreiche Mannschaft zusammen bleibt und noch extrem jung und entwicklungsfähig ist. „Ob ich die Spiele dann ganz ruhig von der Tribüne beobachten kann, weiß ich heute noch nicht. Aber ich werde mich definitiv nicht einmischen", sagt der scheidende Coach. In jedem Fall werden die Partien in der Verbandsliga spannender als es die meisten in dieser Saison waren, „aber verstecken muss sich die Mannschaft auch in einer höheren Liga sicher nicht", sagt Lohde. Er glaubt, dass die Hörster Damenmannschaft auch in Zukunft erfolgreich bleibt.

Finale in Kolding bleibt für immer in Erinnerung

Am Ende schwelgt Dustin Lohde noch einmal in Erinnerungen: Neben den ganzen Erfolgen in westfälischen Sporthallen blieben ihm auch Turniere in Holland und Dänemark äußerst positiv im Gedächtnis. Nicht nur für seine Spielerinnen, sondern auch für ihn selbst waren diese eine besondere Erfahrung. „In Kolding das Finale in der 5.000 Zuschauer fassenden Sydbank Arena gegen VOC Amsterdam zu spielen, war auf jeden Fall auch ein Highlight", erinnert sich Lohde gerne an diesen Tag zurück. Überhaupt stellt er zufrieden fest: „Es gab nur wenige Negativerlebnisse in meiner Hörster Zeit. Wir wurden größtenteils von schlimmen Verletzungen verschont. Das freut mich, weil ich immer großen Wert auf die athletische Ausbildung gelegt habe", sagt er.

Wer weiß, wann und wo Lohde jetzt die nächste Erfolgsgeschichte startet. Vielleicht fängt diese ja wieder in einem Wohnzimmer an?

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