HermannslaufAusrichter appelliert an Läufer: Bitte keinen Hermannslauf in Eigenregie!

Der letzte Sonntag im April ist für den Hermannslauf reserviert. In diesem Jahr musste der Teutoklassiker unter hohem Aufwand für den TSVE Bielefeld wegen der Coronakrise abgesagt werden. Wer trotzdem läuft, riskiert Ärger.

Stephanie Fust

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild © CC0 Pixabay

Bielefeld. Der letzte Aprilsonntag naht und es ist merkwürdig still in den Foren. Kein Austausch über Renntaktiken, Kleidung, Parkgelegenheiten und Bustransfer, keine Offenbarungen ansteckender Vorfreude. Die Begründung ist ebenso simpel wie bekannt: Der so viele Menschen in OWL mitreißende Hermannslauf findet erstmals in seiner Geschichte, die vor 49 Jahren ihren Anfang nahm, nicht statt.

Hermannsdenkmal und Sparrenburg, das Zentrum in Oerlinghausen, Orte, an denen mormalerweise das  Spektakel am größten ist, werden abgesehen von einigen Spaziergängern verwaist sein. Hoffentlich. Denn in den sozialen Medien regt sich der Wunsch, den Lauf in Eigenregie zu bestreiten. Das aber ist verboten und könnte - sofern in Grüppchen unterwegs - mit einem Bußgeld geahndet werden.

"Der 26. April 2020 wird ein trauriger Sonntag werden"

"Sonntag, der 26. April 2020 wird für uns Organisatoren ein trauriger werden. Alle, die in irgendeiner Form mit dem Hermannslauf zu tun gehabt hätten, wären sicherlich gerne an der Strecke gewesen, um den Hermann durchzuführen", sagt Daniel Skakavac vom Ausrichterverein TSVE 1890 Bielefeld. Der Chef des Organisationsteams erinnert sich noch gut an den Moment am 12. März, als die Absage des Teutolaufs aufgrund des Coronavirus nicht mehr zu aufzuhalten war. "Wir alle waren tief getroffen, hinsichtlich der Konsequenzen aber auch verunsichert", erklärt Skakavac. Die Organisation sei schließlich schon weit fortgeschritten gewesen, Aufträge erteilt, Startgelder eingezogen.

Das alles musste rückgängig gemacht werden. Der Berg von Fragen, Sorgen und Arbeit türmte sich auf. "Schwierig war, dass wir uns im Orgateam wegen des Virus nicht einmal zusammenrotten konnten, sondern alles per Mail und in langen Telefonaten besprechen mussten", beschreibt Skakavac die Situation. Er und seine Mitstreiter konnten damals noch nicht wissen, dass sie wahrscheinlich "mit einem blauen Auge" davonkommen werden.

"Unsere größte Befürchtung waren die Kosten"

"Unsere größte Befürchtung war, dass erhebliche Kosten auf uns zukommen würden. Unter anderem wurde die Ausschreibung erstellt, die Kosten für Versicherungen, Lager und Wegstreckennutzung sind angefallen, das gesamte Anmeldeverfahren ist durchgeführt worden, Medaillen und Urkunden sind fertig und nun kommen noch einmal Kosten für die Rückabwicklung des Laufes hinzu", erklärt Doris Buschmann, 1. Vorsitzende des TSVE.

"Glücklicherweise", so Buschmann, hätten aber rechtzeitig diverse Posten wie der Auftrag zur Streckensicherung, viele georderten Materialien wie Bühne, Gitter, Busse, Zelte, Fahrzeuge, Müllentsorgung kostenfrei storniert werden können. "Dafür sind wir sehr dankbar", betont Skakavac. Darüberhinaus haben auch die Sponsoren in Teilen ihre Zusagen eingehalten. Viele Nachrichten, die beim TSVE für Entlastung und Erleichterung sorgten.

"Die Rückabwicklung des Hermannslaufes ist ein Kraftakt"

Ungewohnt wird das kommende Wochenende trotzdem sein. Schließlich ist das letzte Aprilwochenende alljährlich für den Teutoklassiker geblockt. Auch die Kranzübergabe, eine sportliche Herausforderung, mit der oder dem Schnellsten auf der Zielgeraden mitzuhalten, werden Skakavac und Rudi Ostermann vermissen. "Während für einige Mitglieder des Orga-Teams der Terminkalender sehr leer wurde, müssen nun andere Überstunden schieben", sagt Doris Buschmann. "Die gesamte Rückabwicklung des Hermannslaufes war und ist ein echter Kraftakt."

Der TSVE hat sich entschieden, den rund 7.000 Teilnehmern (!) das Startgeld zu erstatten und  das noch längst nicht abgeschlossene Prozedere mit einem Spendenappell  verbunden. "Gerade dieses faire Angebot hat so manchen Läufer dazu bewegt, sich unserem Spendenaufruf anzuschließen", erzählt der für die Rückabwicklung verantwortliche Meinhard Schinner.

"So traurig es ist, wir müssen bis zum 25. April 2021 warten"

Solidarisch zeigen sich auch andere Laufveranstalter. Thorsten Nöthling, Zielsprecher beim Hermannslauf und Organisator des neuen Grafschaftslaufes, bietet allen Hermannsläufern einen Startgeld-Rabatt von 30 Prozent an. Zwar sei noch nicht gesichert, dass der knapp 30 Kilometer lange Landschaftslauf von Rietberg bis Schloß-Holte-Stukenbrock am 30. August auch tatsächlich stattfinden könne, "aber wir freuen wir uns natürlich riesig über dieses Zeichen der Solidarität", betont Skakavac.

Der Orgateamchef und der TSVE Bielefeld appellieren an alle Läuferinnen und Läufer, sich in Geduld zu üben und am Sonntag auf einen "Hermannslauf in Eigenregie" unbedingt zu verzichten. Die Strecke werde vom Ordnungsamt und von der Bundeswehr verstärkt kontrolliert. "So traurig es ist, wir müssen alle bis zum nächsten Hermannslauf am 25. April 2021 warten".

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