Handballverband bricht Saison ab: Was bedeutet das für die Altkreis-Teams?

Wegen der Coronavirus-Pandemie sahen die Funktionäre keine andere Möglichkeit mehr. Gewertet wird die Spielzeit nach dem „Norwegermodell“. Während die SF Loxten in der Oberliga bleiben, gibt es für andere Vereine im Altkreis erfreuliche Nachrichten.

Dennis Bleck

Nils Patzelt und die SF Loxten spielen auch nächstes Jahr in der Oberliga. Die „Frösche" sind bislang einer der wenigen Verlierer. Foto: Christian Helmig - © Christian Helmig
Nils Patzelt und die SF Loxten spielen auch nächstes Jahr in der Oberliga. Die „Frösche" sind bislang einer der wenigen Verlierer. Foto: Christian Helmig (© Christian Helmig)

Altkreis Halle. Was sich längst angedeutet hat, ist jetzt offiziell: Der Handballverband Westfalen (HVW) hat gestern Nachmittag die Spielzeit 2019/20 abgebrochen. Gewertet wurde so, wie der Deutsche Handball-Bund (DHB) empfohlen hatte. Absteiger gibt es keine. Bei der Ermittlung der Abschlusstabelle ist das „norwegische Modell" zum Einsatz gekommen, bei dem die erspielten Punkte durch die absolvierten Partien geteilt und anschließend mit 100 multipliziert werden.

Außerdem vergaben die Funktionäre großzügig Wildcards für Mannschaften, die in den verbleibenden sieben Spielen eine realistische bis mögliche Chance gehabt hätten, noch auf einen Aufstiegsplatz zu klettern. Bedacht wurden alle Teams, die weniger als 39,9 Punkte hinter einem Aufstiegsrang liegen. Was bedeutet der Abbruch jetzt für die Altkreis-Teams? Ein Überblick:

SF Loxten beenden die Saison als Zweiter

An den ersten drei Plätzen in der Oberliga Westfalen ändert sich trotz der Quotientenregel nichts. In der Abschlusstabelle steht der ASV Hamm-Westfalen II, der schon beim Aussetzen der Spielzeit Tabellenführer war, mit dem besten Quotienten weiter auf Platz eins. Als Meister steigen die Hammer jetzt in die 3. Liga auf. Die SF Loxten beenden die Saison auf dem zweiten Rang. Die TSG A-H Bielefeld bleibt Dritter. „Wir haben keinen Einfluss auf die Größe der Spielklassen des DHB, in dessen Zuständigkeit die 3. Liga fällt", erklärt HVW-Präsidiumsmitglied Patrick Puls. Deshalb konnte der Westfälische Verband dem Team von Trainer Dirk Schmidtmeier keine Wildcard geben.

Ob sich für die „Frösche" noch eine Hintertür öffnet, die irgendwie doch in die Drittklassigkeit führt, ist noch nicht final geklärt. Der DHB will sich im Laufe der Woche äußern. Ganz abgeschrieben hat Vereinsvorsitzender Andy Evers das Thema aber noch nicht: „Wir haben uns für die 3. Liga fristgerecht gemeldet und würden dort auch spielen, sofern es uns ermöglicht wird", sagt er. Gleichzeitig betont Evers: „Es wäre für uns aber auch überhaupt kein Problem, weiter in der Oberliga zu spielen."

Verbandsligist Spvg. Steinhagen atmet auf

Steinhagens Männer bleiben in der Verbandsliga. Seitdem Christian Blankert (Mitte) ins Trainerteam eingestiegen ist, läuft es am Cronsbach gut. Foto: Nils Uhlig - © nuhlig
Steinhagens Männer bleiben in der Verbandsliga. Seitdem Christian Blankert (Mitte) ins Trainerteam eingestiegen ist, läuft es am Cronsbach gut. Foto: Nils Uhlig (© nuhlig)

Die Spvg. Steinhagen nahm die Entscheidung des HVW freudig auf. Das Liga-Schlusslicht, das den Klassenerhalt sportlich wohl nur mit größter Mühe geschafft hätte, plant jetzt für eine weitere Saison in der fünfthöchsten Liga. Schon vor gut zwei Wochen hatte André Schnadwinkel, Sportlicher Leiter am Cronsbach, im HK-Gespräch betont, dass die Entwicklung des Teams in den vergangenen Wochen Mut gemacht hatte. „Wir würden den Klassenerhalt auf diesem Weg mitnehmen", sagte er damals, als der DHB den Landesverbänden empfohlen hatte, die Spielzeit abzubrechen und keine Absteiger zu benennen. Jetzt haben Schnadwinkel und die Steinhagener, die unter Neutrainer Christian Blankert zuletzt wirklich formverbessert auftraten, endlich Planungssicherheit.

Spvg. Versmold schließt Rückzug nicht aus

Neben den Steinhagenern profitiert auch Frauen-Verbandsligist Spvg. Versmold von den Beschlüssen der Funktionäre. Ob der Tabellenletzte, der in dieser Saison nur zwei Punkte holte, sich trotzdem freiwillig in die Landesliga verabschiedet, ist noch nicht sicher. Trainer Lutz Janböke sagte, dass die Entscheidung intern fällt. Die Mannschaft müsse jetzt in den nächsten Tagen beschließen, ob sie in der Liga bleiben will oder nicht. Fest steht, dass es im kommenden Spieljahr nicht einfacher für die Versmolderinnen wird. In Theresa Janzen, Claudia Strangmann und Nicole Ewert hören wohl drei etablierte Spielerinnen auf.

TG Hörste gewinnt die Meisterschaft

Als der Spielbetrieb Mitte März ausgesetzt wurde, fehlten den Landesliga-Frauen der TG Hörste nur zwei Siege zum sicheren Aufstieg. Sportlich bekommen die „Rothosen" jetzt zwar nicht mehr die Chance, diese zu holen. Meister sind sie aber dennoch. Trainer Dustin Lohde, der – wie berichtet – nach dieser Saison aufhören wollte, wird durch den Abbruch jetzt vorzeitig verabschiedet. Zwar hätte er sich gerne einen schöneren Abschluss seiner überaus erfolgreichen Zeit in Hörste gewünscht, die Entscheidung des Verbands hält er aber für alternativlos. Offen ist indes noch, wer bei der TG Lohdes Erbe antritt. Der Verein hat schon mit einigen Kandidaten gesprochen. Der Richtige war aber noch nicht dabei.

Wildcards für vier Altkreis-Teams

Überraschend kam für die Vereine die Ankündigung, Wildcards an Mannschaften zu verteilen, die 39,9 Punkte hinter einem Aufstiegsrang liegen. Gleich vier Teams aus dem Altkreis könnten deshalb im nächsten Jahr in der nächsthöheren Spielklasse auflaufen. Männer-Landesligist TV Werther darf als Zweiter in der nächsten Saison in der Verbandsliga spielen. Gedanken dazu hat sich im Verein noch niemand gemacht, wie Trainer Carsten Gahlmann sagt. Er selbst wurde von der Nachricht komplett überrumpelt. Eine Entscheidung fällt wohl erst in den nächsten Tagen.

Ebenfalls aufsteigen darf Frauen-Verbandsligist TuS Brockhagen sowie die Landesliga-Frauen des TuS Borgholzhausen. In der Frauen-Bezirksliga buchten außerdem die Spvg. Steinhagen II direkt und die HSG Union Halle via Wildcard das Landesliga-Ticket.

Kreis schließt sich Empfehlungen an

Ursprünglich hatte der Handballverband Westfalen den Spielbetrieb bis einschließlich gestern ausgesetzt. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder das Kontaktverbot verlängerten und Großveranstaltungen bis Ende August untersagten, hat sich das Zeitfenster für eine Fortsetzung der Saison mit Ende am 30. Juni endgültig geschlossen. Dem Westfälischen Verband blieb deshalb gar nichts anderes mehr übrig, als den Empfehlungen des Deutschen Handball-Bundes und den Entscheidungen bereits vorgepreschter Landesverbände zu folgen.

Der Handballkreis Gütersloh schloss sich umgehend und vollumfänglich dieser Regelung für den von ihm verantworteten Spielbetrieb an. Sein Spielwart Hans-Hermann Jerrentrup hatte zuvor schon einmal nachgerechnet und für seine Ligen festgestellt: „Zwischen tatsächlichem Tabellenstand und Ranking nach der Quotientenregel gibt es kaum Unterschiede." Deshalb steigen die Männer der Spvg. Versmold als Meister aus der Kreisliga jetzt in die Bezirksliga auf.

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