So erlebt der abgeschobene Richard Frimpong Corona in Ghana

Dennis Bleck, Claus Meyer

Richard Frimpong beim Training mit „seinen" Jungs. Jetzt sind alle Talente zu Hause. - © privat
Richard Frimpong beim Training mit „seinen" Jungs. Jetzt sind alle Talente zu Hause. (© privat)

Versmold/Accra. Das Epizentrum der Corona-Pandemie liegt zwar nicht in Ghana. 161 Infizierte waren es am Mittwochmorgen laut der Webseite „gisanddata" in dem westafrikanischen Land mit rund 29 Millionen Einwohnern. Gleichwohl verschärft sich auch hier der Kampf gegen das Virus.

„Es ist schwierig. Die Schulen sind für einen Monat zu, auch Fußball wird nicht gespielt", berichtet Richard Frimpong per WhatsApp-Sprachnachricht. Die jungen Kicker der Ghana Angel Soccer Academy, in der Frimpong als Trainer lebt und arbeitet, sind unlängst nach Hause geschickt worden, um sie vor Ansteckung zu schützen. Märkte seien für einen Tag geschlossen und desinfiziert worden.

"Mir selbst geht es gut. Ich schütze mich und bleibe zu Hause"

Seit dem vergangenen Sonntag hat die ghanaische Regierung die Maßnahmen noch einmal verschärft, wie Frimpong mitteilt. „Seit dem Sonntag gibt es für zwei Wochen einen Lockdown", sagt er. „Ich hoffe, das wird die Dinge ändern", sagt Frimpong. Die Menschen in Ghana sind angehalten, zu Hause zu bleiben, sich und ihre Familien zu schützen und sich regelmäßig die Hände zu waschen. Wer rausgeht, sollte Masken tragen.

„Mir selbst geht es gut. Ich schütze mich selbst und bleibe zu Hause, gehe nicht nach draußen", sagt Frimpong. Bevor das Coronavirus auch in Accra und Umgebung das öffentliche Leben entschleunigte, lief es für Frimpong in der Fußballakademie sehr gut. Das betont der Fußballer, der bis zu seiner Abschiebung im vergangenen Oktober im Altkreis im Golddorf bei der SG Oesterweg spielte.

„Ich hoffe, Ghana und die ganze Welt werden eine Lösung finden"

Die Zwangsausreise im vergangenen Jahr bewegte die gesamte Region. Wie das Haller Kreisblatt damals schrieb, galt der 31-Jährige als sehr gut integriert. Er war in Oesterweg nicht nur Spieler, sondern Jugendtrainer und bereicherte Festivitäten mit seinem musikalischen Talent. Die Reaktionen im Verein reichten nach der Abschiebung von Unverständnis über Wut bis hin zu Hilflosigkeit. Der Beitrag, den die Oesterweger im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlichten, erreichte weit mehr als 200.000 Menschen. Wildfremde Personen zeigten sich solidarisch und boten dem Ghanaer ihre Hilfe an. Noch immer stehen die Verantwortlichen der SGO mit Frimpong in regelmäßigen Kontakt.

Faustina Akpo (links) ist ghanaische U 20-Nationalspielerin und spielt für den FC Halifax in der ersten Liga. Richard Frimpong hat sie gescoutet. - © privat
Faustina Akpo (links) ist ghanaische U 20-Nationalspielerin und spielt für den FC Halifax in der ersten Liga. Richard Frimpong hat sie gescoutet. (© privat)

Frimpong ist jetzt, rund sechs Monate später, mit seinem Leben in Accra und seiner Arbeit in der Akademie zufrieden. Das von ihm betreute U 13-Team trat am 4. März gegen die ghanaische U20-Nationalmannschaft der Frauen an. Der weibliche Nachwuchs firmiert unter dem Namen „Black Princesses" und trotzte den Jungs von Richard Frimpong ein 1:1 ab. Ein Ergebnis, mit dem der Trainer offenbar nicht ganz zufrieden war. „Es war nicht schlecht. Aber beim nächsten Mal werden wir es hoffentlich besser machen", sagt er.

Da denkt Richard Frimpong wohl schon an die Zeit, in der das neuartige Coronavirus seinen Schrecken ein großes Stück weit verloren haben wird. „Ich hoffe, Ghana und die ganze Welt werden eine Lösung finden", sagt er.

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