Klopapier gegen Corona-Koller: Altkreis-Sportler fordern sich im Netz heraus

Not macht erfinderisch: Weil auch die heimischen Sportler derzeit zu Hause bleiben müssen, fordern manche von ihnen ihre Vereinskollegen über soziale Medien zu nicht alltäglichen Wettbewerben heraus.

Christian Helmig

Tennistrainer Christopher Koderisch macht’s vor. Mit den Füßen befördert er drei Bälle gleichzeitig in die Luft und fängt sie elegant mit dem Schläger wieder auf.  - © privat
Tennistrainer Christopher Koderisch macht’s vor. Mit den Füßen befördert er drei Bälle gleichzeitig in die Luft und fängt sie elegant mit dem Schläger wieder auf.  (© privat)

Altkreis Halle. „Bitte machen Sie das zu Hause nicht nach", hieß es früher in der Fernsehshow „Wetten, dass ...", wenn Kandidaten auf der Bühne ihre waghalsigen Kunststücke präsentierten. Die Stay-at-home-challenge fordert derzeit zum genauen Gegenteil auf.

Wie viele Sportler, machen sich auch die Tennistrainer der Breakpoint Base den Spaß zunutze, der in diesen Tagen auf digitalen Kanälen wie WhatsApp, Facebook oder Instagram die Runde macht. Anfang der Woche musste die Haller Akademie den Trainingsbetrieb für insgesamt 60 Mädchen und Jungen aufgrund der Corona-Krise einstellen. „Trotzdem wollten wir den Kindern gerne etwas Programm anbieten, bevor sie wochenlang nichts zu tun haben und nicht raus dürfen", berichtet Christopher Koderisch.

Jeden Tag verschicken der ehemalige Profi und seine Trainerkollegen seitdem Fitnessübungen an ihre Schützlinge. Damit diese nicht zu eintönig werden, hat sich „Toto" eine besondere Aufgabe einfallen lassen: Er stellte ein Video online, in dem er drei Tennisbälle zwischen seine Füße klemmt und gleichzeitig in die Luft befördert, um sie danach gefühlvoll mit dem Schläger aufzufangen. Verbunden damit war die Aufforderung, den Trick nachzumachen, die fehlerfreien Versuche zu zählen und ein Video davon zurückzusenden.

Trainingsausfall macht Tennistrainern Sorgen

„Die Resonanz war super, ich habe 31 teilweise wirklich lustige Filme bekommen", berichtet Koderisch. Die meisten gültigen Versuche (vier) mit drei Bällen schaffte Max Langanki. Die U 12-Version mit zwei Bällen entschied Patrick Moise mit 29 fehlerfreien Durchgängen für sich. Die Sieger werden mit Sachpreisen belohnt.

Seit gestern haben die Breakpoint-Schüler schon die nächste Chance, ihr Geschick zu beweisen: Die Aufgabe: Drei Bälle möglichst lange in der Luft zu jonglieren.

Lars Fahrenwald und sein Sohn Lenni kicken mit Klopapier gegen den Corona-Koller an. - © Privat
Lars Fahrenwald und sein Sohn Lenni kicken mit Klopapier gegen den Corona-Koller an. (© Privat)

Bei allem Spaß hat die aktuelle Situation für Christopher Koderisch und Co. auch sehr ernsthafte Auswirkungen. „Die meisten von uns sind selbstständig. Wenn wir kein Training geben, haben wir 100 Prozent Verdienstausfall", berichtet der 35 Jahre alte Familienvater. Koderisch hofft, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung möglichst schnell eine Hilfsmaßnahme beschließt, die ihm für die nächsten Wochen etwas finanzielle Sicherheit bietet.

Abwechslung im Alltag ist wichtig

Sorgen macht sich auch Lars Fahrenwald (41). „Kinderärzte schlagen schon Alarm, weil sie fürchten, dass bei einer Ausgangssperre die häusliche Gewalt ansteigt", sagt der Altligafußballer des SC Peckeloh. Um Abwechslung in den Alltag seiner Vereinskollegen und deren Familien zu bringen, hat sich Fahrenwald ein Vorbild an Franck Ribery genommen. Der ehemalige Bayern-Star hält in einem Instagram-Video eine Rolle Klopapier mit dem Fuß hoch. Viele Profis und Amateurkicker eiferten ihm nach. Auch Fahrenwald, selbst Vater von zwei Jungs im Alter von fünf und zwölf Jahren, startete einen Versuch. Nach eineinhalb Stunden Übung legte er respektable 39 Kontakte mit dem sperrigen Spielgerät vor. Wer schafft mehr? „Bleibt zu Hause und macht lieber bei unserer Challenge mit!", schrieb er unter seinen Beitrag in den sozialen Medien.

Einige Minikicker haben die Herausforderung schon angenommen. Und sogar Vereinsmaskottchen Hugo ist begeistert dabei. Lars Fahrenwald bleibt derweil auf der Suche nach kurzweiligen Ideen, damit der Corona-Koller im schwarz-roten Lager keine Chance hat. Er sagt: „Es ist wichtig, dass wir alle das Beste aus dieser schwierigen Zeit machen."

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