Diese Kommissarin schwimmt der Konkurrenz davon

Schwimmerin Karolin Kuhlmann vom SC Steinhagen-Amshausen arbeitet hauptberuflich in Gütersloh bei der Polizei. Der Job spannt sie voll ein – und trotzdem zählt die 24-Jährige zu den schnellsten Sprinterinnen des Landes.

Dennis Bleck

Schwimmerin Karolin Kuhlmann ist eine der besten Sprinterinnen des Landes. Foto: Peter Unger - © Peter Unger
Schwimmerin Karolin Kuhlmann ist eine der besten Sprinterinnen des Landes. Foto: Peter Unger (© Peter Unger)

Steinhagen. Dienstagmittag, 14 Uhr: Feierabend. Karolin Kuhlmann hat die Frühschicht gerade beendet, als sie der Anruf der Haller Kreisblatts erreicht. Die 24-Jährige arbeitet in Gütersloh bei der Polizei. Nur wenige Stunden vor dem Telefonat saß sie noch im Streifenwagen. 2014 hat Kuhlmann ihre Ausbildung begonnen. Mittlerweile ist die gebürtige Hallerin zur Kommissarin aufgestiegen. Ihr Job im öffentlichen Dienst fordert sie also täglich. In Steinhagen hat die Schwimmerin des SCSA zudem weniger Trainingsmöglichkeit als die Konkurrenz. Dass Kuhlmann trotzdem zu den besten Sprinterinnen des Landes gehört, überrascht sie deshalb manchmal selbst.

Bei den deutschen Meisterschaften wird Kuhlmann Vierte

„Wirklich erklären kann ich mir das nicht", sagt Kuhlmann. Sie lacht. „Vielleicht", so die heimische Sportlerin, „ist es das abwechslungsreiche Training, das uns Klaus Völcker zusammenstellt." Der 78-jährige Schwimmcoach setzt nämlich nicht nur auf Einheiten im Becken. „Wir machen viele Trockenübungen, arbeiten an unserer körperlichen Fitness", sagt Kuhlmann. Ihr Antrieb ist aber auch ihr eigener Ehrgeiz. „Ich will mich immer verbessern", sagt die Schwimmerin. Aber ist das überhaupt noch möglich?

Karolin Kuhlmann ist im Januar erneut Altkreissportlerin des Jahres geworden. Sie lächelt mit dem Pokal in die Kamera. Foto: Privat - © Privat
Karolin Kuhlmann ist im Januar erneut Altkreissportlerin des Jahres geworden. Sie lächelt mit dem Pokal in die Kamera. Foto: Privat (© Privat)

Bei den deutschen Meisterschaften in Berlin sprintete Kuhlmann im vergangenen Sommer über 50-m-Schmetterling auf Platz fünf. Die offenen Kurzbahnmeisterschaften beendete sie im November in derselben Disziplin auf dem vierten Rang. Damals stoppte die Uhr nach 26,82 Sekunden – OWL-Rekord. Peilt die Polizistin jetzt also das Podium an? Dazu schweigt Kuhlmann lieber, sagt stattdessen: „Es läuft im Moment wirklich gut – das nehme ich so hin. Ich weiß aber auch, dass es mal wieder Phasen gibt, in denen ich wieder weniger erfolgreich bin. Das ist dann auch in Ordnung."

Die DM-Qualifikationsnorm hat sie schon wieder in der Tasche. Trotzdem ist es derzeit sehr ungewiss, ob Kuhlmann in diesem Jahr überhaupt bei den nationalen Titelkämpfen antreten wird. Das Event, das eigentlich vom 30. April bis 3. Mai erneut in der deutschen Hauptstadt stattfinden sollte, ist wegen des Coronavirus nämlich auf unbestimmte Zeit verschoben. Weil in den Kommunen die Hallenbäder geschlossen sind, kann Kuhlmann zudem nicht so trainieren, wie sie gerne möchte. Klaus Völcker hat ihr ein paar Übungen geschickt, die sie bequem von zu Hause aus machen kann. Schon nach wenigen Tagen gibt Kuhlmann aber zu: „Ich vermisse das Wasser."

Klar, immerhin schwimmt die heute 24-Jährige seit sie sechs ist. Angefangen beim SV Halle, wechselte Kuhlmann mit elf Jahren nach Steinhagen. Im Schnapsdorf entwickelte sie sich zu Ostwestfalens Vorzeigeschwimmerin.

Früh war es ihr Wunsch, Polizistin zu werden

Dreimal in Folge gewann Kuhlmann zuletzt die Wahl zur Altkreissportlerin des Jahres. Zuletzt im Januar. Weil sie, wie berichtet, zeitgleich mit dem SCSA in Essen bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften schwamm, konnte sie den Pokal nicht persönlich entgegennehmen. Zurück in Gütersloh, wo Kuhlmann mittlerweile wohnt, lächelte sie mit der Trophäe in der Hand in ihre Smartphone-Kamera. Das Foto postete sie bei Insta-gram. Auch nach dem dritten Sieg in Serie freut sich Kuhlmann über die Auszeichnung sehr, wie sie versichert.

Darüber nachgedacht, als Schwimm-Profi durchzustarten, hat sie nie. Schon früh war es nämlich ihr Wunsch, Polizistin zu werden. „Ich wollte immer einen abwechslungsreichen Job, in dem ich nicht jeden Tag das gleiche machen muss", sagt sie. Heute kann sie behaupten, „das Richtige für mich gefunden zu haben".

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