Steinhagens Fußballer stecken in finanziellen Schwierigkeiten

Dennis Bleck

Evran Cinar (links) und Mario Lüke sehen bei der Spvg. Steinhagen langfristig keine Perspektive mehr. - © Christian Helmig
Evran Cinar (links) und Mario Lüke sehen bei der Spvg. Steinhagen langfristig keine Perspektive mehr. (© Christian Helmig)

Steinhagen. Mario Lüke wird sein Amt bei der Spvg. Steinhagen zum Saisonende abgeben. Diesen kurzfristigen Entschluss teilt der 32 Jahre alte Trainer des Fußball-Landesligisten nun mit. Weil sich der Hauptsponsor des Vereins im Sommer zurückziehen wird, ist der Club zu Sparmaßnahmen gezwungen. In einem Vorstandsbeschluss entschieden die Spvg.-Funktionäre jetzt, die Geldzahlungen in der Fußballabteilung drastisch zu kürzen. Davon betroffen ist vor allem die Landesliga-Mannschaft. „Ohne die finanzielle Möglichkeiten ist es heutzutage sehr schwer, eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen", sagt Lüke. Er sieht deshalb keine langfristige Perspektive mehr, will die Saison aber trotzdem zu einem guten Ende führen.

„Es wäre falsch jetzt zu denken, dass wir die Spielzeit abschenken", sagt der Coach des Tabellenletzten. Schon am Sonntag beim Liga-Wiederbeginn in Eidinghausen-Werste fordert Lüke eine „Trotzreaktion", denn schließlich „wollen wir die Liga halten", sagt er. Was dann im Sommer im Verein passiert, müssten andere beschließen.

Kommentar

Keine langfristige Perspektive

Wer die Entwicklung im Amateurfußball verfolgt, weiß, dass Vereine bis runter in die Kreisliga ihren Spielern Prämien und Gehälter zahlen. Dass sich die Summen, die die Clubs löhnen, nicht aus Eintrittsgelder oder dem Verkauf von Bier und Bratwurst finanzieren, ist wohl klar. Dass Sponsoren den Großteil übernehmen, ebenso. Bitter wird es dann, wenn ein großer Gönner den Geldhahn zudreht. Ein Szenario, das in der Vergangenheit schon viele Vereine traf und nun die Spvg. Steinhagen ereilt. Wie die Verantwortlichen am Cronsbach damit umgehen, beweist Weitsicht und Vernunft. Statt das wenige Geld weiter in den Landesliga-Fußball zu pumpen, will der Club in die Jugendarbeit investieren. Gut so. Dass der Verein nur das ausgibt, was er einnimmt, ehrt ihn und zeugt von wirtschaftlichem Verständnis. Klar ist aber auch: Eine langfristige Perspektive im höherklassigen Amateurfußball eröffnet das nicht. Das dürften nicht nur Mario Lüke und Evran Cinar erkannt haben ...

Von Dennis Bleck

„Wir können nur das Geld ausgeben, das wir einnehmen"

Einer dieser Entscheidungsträger heißt Andreas Wessels. Der Erste Vorsitzende des Gesamtvereins und kommissarische Fußballobmann bedauert die Entwicklung, sagt aber auch: „Wir können nur das Geld ausgeben, das wir einnehmen." Und weil die Sportvereinigung ab Sommer mit deutlich weniger Erlös rechnen muss, fiel die Entscheidung des Vorstandes einstimmig aus. „Wir haben nicht nur 500 Fußballer, sondern insgesamt 2.000 Mitglieder im Verein", sagt Wessels. „Ihnen gegenüber wäre es unfair, wenn wir weiter so wirtschaften wie bisher."

Am Donnerstag trat Wessels vor die Mannschaft und verkündete den Entschluss. Seit Freitagabend führt er Spielergespräche. Sein Ziel ist es, in den nächsten sechs bis acht Wochen eine schlagkräftige Mannschaft für die Landesliga zu formen – auch ohne viel Geld. „Mal schauen, wer bereit ist, diesen Weg mit uns mitzugehen", sagt er. Selbst wenn Steinhagen sportlich die Liga hält, ist es laut Wessels nicht undenkbar, dass das Team in der nächsten Saison trotzdem in der Bezirksliga startet. Wenngleich, das betont er sofort, alle in Steinhagen hoffen, auch im nächsten Jahr Landesliga-Fußball zu spielen.

Veränderungen können auch Chancen mit sich bringen

Ganz unvorbereitet trifft Wessels die Entwicklung nicht. Schon im Oktober gab es erste Anzeichen dafür, dass der Hauptsponsor sein Engagement im Verein beendet. Die Suche nach neuen Geldgebern gestaltete sich schwierig. Ein Konzept, das Wessels erarbeitete, um auch zukünftig finanziell konkurrenzfähig zu bleiben, überzeugte seine Vorstandskollegen nicht. Darüber, wie viel Geld dem Verein ab Sommer fehlt, wollte der Erste Vorsitzende nicht sprechen. Dass es sich aber um einen hohen Betrag handeln muss, spiegelt sich in weiteren Überlegungen wider. Noch sei nämlich offen, mit wie vielen Senioren- und Jugendteams Steinhagen in die nächste Saison startet. Auch dort könnte es laut Wessels zu Einschnitten kommen. Unabhängig davon, will der Verein das in Zukunft wenige noch vorhandene Geld lieber in die Jugendarbeit investieren

Wessels hofft, dass die Veränderungen auch Chancen mit sich bringen. Denn seitdem Oliver Nestmann im Oktober als Fußballobmann der Spvg. Steinhagen zurückgetreten ist, ist die Stelle vakant. Schon zuvor war nach dem Tod von Michael Johanning monatelang kein Nachfolger gefunden worden. Sollte die Fußballabteilung im Sommer schrumpfen, stünde ein neuer Abteilungsleiter vor deutlich weniger Aufgaben und Verantwortung. „Vielleicht", so sagt Wessels, „bekommen wir die Position dann auch wieder besetzt".

Evran Cinar tritt zurück

Auch für Evran Cinar muss Wessels einen Nachfolger finden. Der Sportliche Leiter gab noch am Donnerstagabend seinen Rücktritt bekannt, nachdem die Entscheidung öffentlich gemacht worden war. Wie Mario Lüke sieht auch der 33-Jährige am Cronsbach keine Perspektive mehr. „Ich bedauere die Entwicklung sehr", sagt Cinar. Er betont: „Der Verein liegt mir am Herzen. Mario und ich haben hier angefangen, um Steinhagen in der Landesliga zu etablieren. Das geht unter diesen Umständen nicht."

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