Rollstuhltennisspielerin Ellerbrock verabschiedet sich unter Tränen

Die Rollstuhltennisspielerin beschließt ihre großartige Laufbahn mit einem schmerzvollen Aus bei ihrem Lieblings-Grand-Slam. Jetzt freut sich die Ex-Hallerin auf neue Herausforderungen.

veröffentlicht

Die rechtsseitig unterschenkelamputierte Sabine Ellerbrock winkt nach ihrem Ausscheiden im Doppel ihren Fans zu. Seit zehn Jahren kann sie Tennis nur im Rollstuhl spielen. - © Privat
Die rechtsseitig unterschenkelamputierte Sabine Ellerbrock winkt nach ihrem Ausscheiden im Doppel ihren Fans zu. Seit zehn Jahren kann sie Tennis nur im Rollstuhl spielen. (© Privat)

Altkreis Halle (HK). Rollstuhltennisspielerin Sabine Ellerbrock hat nach ihrem letzten Spiel bei den Australian Open in Melbourne offiziell ihren Rücktritt von der internationalen Rollstuhltennis-Bühne erklärt. Sportlich war das letzte Turnier der Bielefelderin, die auch schon für den TC BW Halle spielte, nicht erfolgreich. Eine Nervenverletzung, die mit Lähmungserscheinungen, Schmerzen und Sensibilitätsstörungen im linken Arm und der Hand einhergingen, zwangen Ellerbrock dazu, mit einer extra vor Ort angepassten Fingerschiene zu spielen. Die Einschränkungen waren aber letztlich so groß, dass das Aufschlagen fast unmöglich war.

Es folgte einer Zweisatzniederlage gegen die Südafrikanerin Kgothatso Montjane im Viertelfinale der Einzelkonkurrenz. Im Doppel schied Ellerbrock wenig später an der Seite von Montjane gegen Jordanne Whiley und Yui Kamiji (Großbritannien/Japan) aus. „Ich hätte gerne noch einmal eine gute Leistung gezeigt, mehr war aber unter den Rahmenbedingungen nicht möglich. Dennoch bin ich froh, dass ich noch einmal bei meinem Lieblings-Grand-Slam-Turnier aufschlagen und mich von allen Freunden hier persönlich verabschieden konnte", resümierte Ellerbrock. Die sichtlich emotional bewegte 44-Jährige konnte nach ihrem Abgang vom Court und ihrem letzten großen Match die Tränen nicht mehr verbergen. Ihr Dank ging schließlich auch über die sozialen Medien an Freunde, Sponsoren und Unterstützer sowie an ihre Familie, ohne die laut eigener Aussage ihre Karriere nicht möglich gewesen wäre.

Als Halbprofi an die Spitze der Weltrangliste

Die Bielefelderin blickt mit Stolz auf eine lange Karriere zurück: 26 Jahren als »Fußgänger-Tennisspielerin«, in der sie in allen Klassen bis zur Bundesliga aufschlug, folgten zehn Jahre im Rollstuhltennis. In dieser Zeit errang sie mehrere deutsche Meistertitel, wurde von ihren Konkurrentinnen 2010 zur ITF-Spielerin des Jahres gewählt und erspielte sich viele Einzel- und Doppeltitel auf der ITF-Tour. Insgesamt nahm Ellerbrock an 31 Grand-Slam-Turnieren teil, bei denen sie 14 Finals spielte (jeweils sieben in Einzel und Doppel), von denen sie zwei Einzelfinale gewann: Die French Open in Paris 2013 und die Australian Open in Melbourne 2014.

In beiden Jahren kletterte Ellerbrock an die Spitze der Weltrangliste, obwohl sie unter den Top-Spielerinnen die einzige war, die das Rollstuhltennis neben einem Beruf, also nicht vollprofessionell ausübte. Ellerbrock stand in allen Grand-Slam-Einzel- und Doppelfinalen. Damit ist ihr etwas gelungen, was keiner anderen deutschen Spielerin bisher gelang. Zu ihren größeren Erfolgen zählen auch ein Einzelfinale im Masters in London 2015 sowie drei Doppelmasters-Finals (Amsterdam, Mission Viejo, Bemmel) sowie der vierte Platz bei den Paralympics in London 2012.

Ellerbrock möchte sich nun verstärkt für Menschen mit Behinderungen engagieren. Den Tennisrollstuhl will sie allenfalls noch als Trainerin gebrauchen. „Nur aus Spaß weiter zu spielen, kann ich mir nicht vorstellen, ohne Sport geht es allerdings auch nicht." Ellerbrock freut sich auf neue Herausforderungen im Tischtennis und Radfahrbereich: „Mein erstes Mannschaftsspiel für den TSVE Bielefeld hat großen Spaß gemacht. Ich genieße das Teamgefüge, was ich im Rollstuhltennis so vermisst habe."

Mehr zur Person:

Sabine Ellerbrock lässt sich Fuß amputieren

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.