"Zum Einschlafen": Das sagen Altkreis-Experten zur Leistung des DHB-Teams

Christian Helmig,Dennis Bleck

Heute trifft das DHB-Team in der Hauptrunde auf Weißrussland. Dann will Deutschland endlich wieder so jubeln wie beim Quali-Spiel im vergangenen April in Halle. - © Nicole Donath
Heute trifft das DHB-Team in der Hauptrunde auf Weißrussland. Dann will Deutschland endlich wieder so jubeln wie beim Quali-Spiel im vergangenen April in Halle. (© Nicole Donath)

Die Leistungen der deutschen Mannschaft waren bislang wenig berauschend. Woran hapert es?

HELMUT BUßMEYER (60,ehemaliger Bundesligaspieler und Trainer aus Werther): Beim Spiel gegen Lettland bin ich tatsächlich eingeschlafen. Das ist mir noch nie passiert. Unsere Mannschaft spielt total uninspiriert und auch der Trainer hat scheinbar keine Ideen. Dazu kommt, dass der Kader falsch zusammengestellt ist. Von den 14 Feldspielern spielen acht auf den abhängigen Positionen am Kreis und Außen, während im Rückraum Paul Drux oder Kai Häfner total überfordert sind. Schade ist das vor allem, weil die EM im Januar eine Riesenbühne liefert. Da hätten die Jungs richtig was für den Sport tun können.

Wie ist die Arbeit von Bundestrainer Christian Prokop zu beurteilen?

MICHAEL KÖLKEBECK (56, Trainer des Kreisligisten HSG Union 92 Halle): „Für meinen Geschmack könnte er bei seinen Ansprachen emotionaler sein. Als es im Spiel gegen Lettland knapp wurde, hätte ich mir gewünscht, dass er die Mannschaft mal wachrüttelt. Aber seine Stimmlage ist immer gleich. Allerdings ist es auch nicht leicht, wenn die Kamera und Mikrofone ständig live drauf sind. Da überlegt man sich gut, was man sagt. Dass die Mannschaft nach den Ausfällen von wichtigen Spielern wie Weinhold, Wiede oder Fäth nicht eingespielt ist, ist ihm dagegen nicht anzulasten.

Die Vorrundenpartie gegen Spanien fand zeitgleich mit vielen Amateurspielen im Altkreis statt. Sollte das künftig verhindert werden?

Thomas Lay (46, Sportlicher Leiter des Oberligisten SF Loxten): „Für unsere Verhältnisse hatten wir am Samstag gegen Mennighüffen tatsächlich ganz schön wenig Zuschauer in der Halle. Aber ob das tatsächlich an der EM lag, lässt sich schwer nachweisen. Ich halte auch wenig davon, Amateurspiele wegen der Nationalmannschaft zu verlegen. Unsere Wochenende sind eh fast alle belegt. Und die technischen Möglichkeiten erlauben es ja heutzutage durchaus, beides zu verfolgen.

Was können Handballer von Fußballern lernen?

CARSTEN LOCHMÜLLER (46, ehemaliger Fußballer bei der Spvg. Steinhagen und Vater von zwei handballspielenden Töchtern): „Fußballer stehen bei Wind und Wetter auf dem Platz. Bei Handballern fehlt mir manchmal die Bereitschaft, sportliche Aktivitäten außerhalb der Halle wahrzunehmen. Vor allem im Winter und bei Regen überlegt sich kaum einer von ihnen, mal eine Runde laufen zu gehen. Klar sind Handballer harte Sportler. In der Hinsicht sind die Fußballer aber etwas härter."

Was ist dem DHB-Team im weiteren Turnierverlauf noch zuzutrauen?

Cigdem Terzi (Jugendwartin der Spvg. Steinhagen und langjährige Spielerin und Trainerin): „Ich gehe stark davon aus, dass sich das Team noch steigern wird. Wir alle wissen, dass Deutschland leistungstechnisch zu den stärksten Handball-Nationen gehört. Ob es fürs Halbfinale reicht, wird sich zeigen."

Info
EM 2024: Keine Spiele in Halle

In vier Jahren findet die Handball-Europameisterschaft in Deutschland statt – aber nicht in Halle. „Wir standen als Austragungsort nicht zur Diskussion", sagt Sascha Detlefsen, Sprecher der OWL-Arena, mit Blick auf die am Mittwoch abgelaufene Bewerbungsfrist. Laut Detlefsen hatte der Deutsche Handball-Bund (DHB) den Stadionbetreibern schon im vergangenen Jahr eine Absage erteilt. Das bedeute aber nicht, das künftig keine Länderspiele oder Turniere mehr in Halle stattfinden. „Wir sind im ständigen Austausch mit dem DHB", betont Detlefsen. Die 10.500 Zuschauer fassende OWL-Arena war unter anderem 2007 Spielort der Weltmeisterschaft. Damals hieß sie noch Gerry-Weber-Stadion.

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