Weiter Warten auf Richard Frimpong - SG Oesterweg gibt nicht auf

Im Oktober ist der Ghanaer Richard Frimpong in sein Heimatland abgeschoben worden. Sein Verein, die SG Oesterweg, setzt weiterhin auf eine Rückkehr des beliebten Kickers. Es gibt Hoffnung.

Claus Meyer

Richard Frimpong - © Privat
Richard Frimpong (© Privat)

Versmold-Oesterweg. Von der 2:3-Viertelfinalniederlage „seiner" SG Oesterweg beim Haller-Kreisblatt-Cup hat Frimpong am Sonntagmorgen nach eigenem Bekunden noch nicht gehört. Da steht er am Fußballplatz und scoutet bei einem Turnier mögliche Talente für die Fußballschule Ghana Angel Soccer Academy, wie er per WhatsApp-Anruf sowie Sprachnachrichten wissen lässt. Frimpong steht lächelnd am Rand des sandigen Feldes und gibt per Smartphone einen Überblick über das Gelände.

Sehnsucht nach Verein und der Freundin

Sein Dank geht an Daniel Hermann, den Zweiten Vorsitzenden der SG Oesterweg, der den Kontakt zu der Fußballschule hergestellt hat, in der Frimpong derzeit nahe der ghanaischen Hauptstadt Accra lebt und arbeitet. Denn das Schicksal von Richard Frimpong bewegt seine Freunde und Vereinskollegen auch fast ein Vierteljahr nach dessen Abschiebung noch.

Richard Frimpong (rechts im Bild) arbeitet in der Fußballschule in Accra als Trainer. - © Privat
Richard Frimpong (rechts im Bild) arbeitet in der Fußballschule in Accra als Trainer. (© Privat)

Frimpong war, wie vom Haller Kreisblatt berichtet, im Oktober in sein Heimatland Ghana abgeschoben worden. Der 31-jährige Fußballer galt in Oesterweg als sehr gut integriert, spielte vorrangig in der zweiten Mannschaft der SG und bereicherte Festivitäten mit seinem musikalischen Können.

Daniel Hermann erinnert sich an den Herbst 2014, als Richard Frimpong zur SG Oesterweg kam. „Er hatte gleich eine enge Bindung", sagt er. Hermann hält nach eigenem Bekunden fast täglich Kontakt zu Frimpong, vorrangig über WhatsApp. „Es geht Richard gut", sagt Hermann. „Er hat aber natürlich Sehnsucht nach seinen Kumpels hier und dem Verein."

Frimpong bestätigt den Eindruck, den auch Hermann hat. „I am ok", lässt Frimpong auf Englisch wissen. Trotzdem denke er oft an Deutschland, vermisse die Freunde und sei vor allem traurig, seine Freundin Naomi dort gelassen zu haben. Sie stammt aus Haiti und genießt im Gegensatz zu ihrem Freund Bleiberecht in Deutschland.

In der Fußballschule hat Frimpong gleichwohl offenbar Fuß gefasst und fühlt sich dort wohl. Nicht nur, dass die Einrichtung ihm ein längerfristiges Obdach anbietet: Frimpong ist als Trainer einer U 13-Mannschaft beschäftigt, leitet dazu die Übungsstunden für die Torhüter.

Derzeit und noch bis zum 5. Januar sind Ferien in der Ghana Angel Soccer Academy, wie Frimpong berichtet. Deshalb halte er auf den Plätzen der Umgebung Ausschau nach Talenten. „Die Kinder machen mich glücklich", sagt Frimpong. Er verdient mit seinem Job auch ein wenig Geld, und „kann sich Kleinigkeiten leisten", wie Daniel Hermann ergänzt.

SG Oesterweg setzt auf anwaltliche Hilfe

Darüber hinaus lassen ihm Bekannte und Freunde aus dem Verein weiterhin Geld zukommen, damit Frimpong in Ghana zurechtkommt. Auch eine Unterstützung der Fußballschule ist angedacht, um Richard mittelbar zu helfen. Familiären Anschluss habe dieser in seinem Heimatland nicht, teilt Hermann mit. Seinen Vater habe er nie kennengelernt, die Mutter sei verstorben. „Ich bin allein hier in Ghana", bestätigt Frimpong.

Juristisch verurteilt Daniel Hermann die Abschiebung nicht. „Das war alles rechtens", sagt der Zweite Vorsitzende der SG Oesterweg. Es gehe ihm und dem Verein, das hat er auch schon in der Vergangenheit betont, um Hilfe für den Freund. Immer wieder erkundigten sich Menschen nach Richards Befinden. Kürzlich hat das Daniel Hermann erst bei einem Autokauf erlebt, als ihn der Autohändler, ein Fußballer der Spvg. Versmold, nach ihm gefragt habe.

Weiterhin kümmert sich ein Anwalt um Frimpongs Angelegenheit. Den hat die SG Oesterweg wie berichtet im Oktober nach der Abschiebung eingeschaltet. Der Kreis Gütersloh als ausführende Behörde der Abschiebung hatte im Oktober mitgeteilt, dass Frimpong die nächsten zweieinhalb Jahre – also bis April 2022 – nicht nach Deutschland einreisen dürfe. Hermann macht vorsichtig Hoffnung auf eine schnellere Deutschland-Rückkehr des beliebten Kickers, möchte dazu aber nicht ins Detail gehen.

An Richard Frimpong – so viel steht wohl fest – würde ein „Comeback" auf und neben dem Platz in Oesterweg am allerwenigsten scheitern. „Ich hoffe, dass ich die Chance kriege, nach Deutschland zurückzukehren und bei meiner Freundin zu bleiben", sagt er über WhatsApp. Und er ergänzt: „Für ein besseres Leben."

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