Handballprofi Julian Possehl tippt auf Loxtener Sieg im Oberligagipfel in Hamm

Christian Helmig

Gegen den besten Angriff der Liga wird es vor allem auf das Zusammenspiel der Loxtener Abwehr mit den Torhütern ankommen. - © Christian Helmig, HK
Gegen den besten Angriff der Liga wird es vor allem auf das Zusammenspiel der Loxtener Abwehr mit den Torhütern ankommen. (© Christian Helmig, HK)

Loxten. Zum Mittag gibt es Curryhähnchen mit Reis. „Ich bin gerade fertig mit Kochen", sagt Julian Possehl, als das Haller Kreisblatt anruft. Während der 26 Jahre alte Spieler des Bundesliga-Aufsteigers HSG Nordhorn-Lingen genussvoll im Topf gerührt hat, gingen ihm auch ein paar Gedanken an das Spitzenspiel der Handball-Oberliga durch den Kopf. Dass seine beiden Ex-Vereine am heutigen Samstag ab 19.30 Uhr um die Tabellenführung in der höchsten westfälischen Spielklasse kämpfen, ist für Possehl eine erfreuliche Überraschung. „Ich hatte Loxten einen Platz unter den Top fünf zugetraut. Die bisherigen Gegner waren zwar nicht die schwersten, aber dass sie nach sieben Spielen noch ohne Minuspunkt dastehen, war für mich nicht abzusehen", gibt er zu.

Bei der Hammer Reserve (16:0 Punkte) sieht der Fall anders aus. „Sie waren ja in der letzten Saison schon lange oben mit dabei. Hamm hat viele junge Spieler mit Potenzial im Team, die regelmäßig mit den Profis trainieren. Und in Lars Grudat ist jetzt noch mal eine absolute Verstärkung dazugekommen." Gudat (30) ist einer von zwei Routiniers im Hammer Kader, mit denen Julian Possehl in seinen insgesamt viereinhalb Jahren beim ASV (von 2014 bis 2018) in der zweiten Liga zusammengespielt hat. „Mit seiner Dynamik und Schnelligkeit ist er eine echte Waffe", sagt er über den Rechtsaußen. Der andere Ex-Kollege ist Julian Krieg, 32 Jahre alt, wie Gudat Linkshänder und „enorm torgefährlich aus dem Rückraum".

Großer Zuschauerzuspruch auch für die zweite Mannschaft

Julian Possehl tippt auf einen Loxtener Sieg. - © Dennis Bleck
Julian Possehl tippt auf einen Loxtener Sieg. (© Dennis Bleck)

Was den Tabellenführer von vielen anderen Reserveteams in Deutschland unterscheidet, ist der Zuspruch der Fans: 300 Zuschauer sahen in der Stein-Halle den jüngsten Heimsieg der Mannschaft von Trainer Christian Feldmann über den HTV Hemer. „Die Leute in Hamm haben einfach große Lust auf Handball, deshalb gehen sie auch zur zweiten Mannschaft", weiß Julian Possehl.

Doch Heimvorteil hin, individuelle Klasse her – chancenlos sieht der bei den Sportfreunden aufgewachsene Rückraumspieler die Gäste nicht. „Die Loxtener Mannschaft ist kämpferisch unwahrscheinlich stark, lebt von ihren Emotionen und hat einen tollen Teamspirit. Jeder hilft dem anderen. Das war schon immer so in Loxten", sagt er. Eine Stärke, die aus Possehls Sicht gegen den bislang besten Angriff der Liga (288 Treffer in acht Partien) entscheidend werden könnte: „Wenn das Zusammenspiel zwischen Torwart und Abwehr stimmt und Loxten es schafft, Hamm unter 30 Toren zu halten, können sie etwas mitnehmen."

„Buzzerbeater durch Kim Harting, das wäre eine tolle Sache"

So gern er es möchte – mit eigenen Augen wird sich Julian Possehl das Gipfeltreffen der Oberliga nicht ansehen können. Er reist mit seiner Mannschaft bereits am Samstag Richtung Stuttgart, wo für Bundesliga-Schlusslicht Nordhorn-Lingen einen Tag später eine wichtige Partie beim Tabellenviertletzten TV Bittenfeld ansteht. Ganz sicher aber wird er sich von seinem Cousin, dem Loxtener Torwart Marco Possehl, oder seinem alten Kumpel Nils Patzelt vom Ausgang berichten lassen.

Wem seine Sympathien gehören, das ist für Julian Possehl ohnehin keine Frage. „Natürlich drücke ich meinen Fröschen die Daumen", sagt er entschieden. Und weil Blut nun mal dicker als Wasser ist, fällt auch sein Tipp für die Partie optimistisch aus: „Das wird ein echter Krimi, den Loxten mit 29:28 gewinnt", sagt er. Julian Possehl verrät auch, welchem Loxtener Spieler er den entscheidenden Treffer ganz besonders gönnen würde: „Wenn Kim Harting als frisch gebackener Vater den Buzzerbeater macht, das wäre eine tolle Sache."

Info
•In Hamm treffen nicht nur die beiden aktuell besten, sondern auch die saisonübergreifend erfolgreichsten Oberligisten des Kalenderjahres 2019 aufeinander. Die SF Loxten haben in dieser Wertung mit 35:5 Punkten die Nase vor der ASV-Reserve (32:8) vorn. Auf Platz drei folgt die TSG A-H Bielefeld (31:9).

•Für Loxtens Trainer Dirk Schmidtmeier wird das Spiel eine Reise in die Vergangenheit. Mit der B-Jugend des ASV Hamm gewann er 1989 die deutsche Meisterschaft. Im Trikot der Ahlener SG lieferte er sich mit dem Lokalrivalen später viele heiße Derbys – die meisten davon in der 2. Liga. „Ich habe eine super Zeit in Hamm gehabt, kenne dort immer noch viele Leute", sagt Schmidtmeier. Christof Reichenberger, Co-Trainer des Hammer Zweitligateams, ist sogar sein Trauzeuge und „bester Freund".

•An ihre bislang letzte Fahrt nach Hamm haben die »Frösche« keine guten Erinnerungen. Am 8. Dezember 2018 unterlagen sie der ASV-Reserve deutlich mit 24:34. Im Rückspiel nahmen sie mit einem 36:35-Heimsieg Revanche.

•Personell hat Dirk Schmidtmeier im Topspiel alle Möglichkeiten. Kreisläufer Malte Weigel steht nach überstandener Handverletzung ebenso im Kader wie Kim Harting. Der Abwehrspezialist und seine Freundin Lena Flottmann freuten sich am Sonntag über die Geburt ihres Sohnes Joshua.

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