Frimpong-Abschiebung: Wie andere Vereine um ihre Spieler kämpfen

Dennis Bleck

Symbolbild: Ein Sticker, der die Aufschrift "Kein Mensch ist illegal" trägt. - © Pixabay
Symbolbild: Ein Sticker, der die Aufschrift "Kein Mensch ist illegal" trägt. (© Pixabay)

Oesterweg. Die Abschiebung von Richard Frimpong bewegt noch immer viele Menschen in Ostwestfalen. Erst am Mittwoch berichtete das Haller Kreisblatt über die große Anteilnahme von Vereinen und Privatpersonen in den sozialen Netzwerken. Wie berichtet, war der ghanaische Offensivspieler der SG Oesterweg Anfang der vergangenen Woche in sein Heimatland abgeschoben worden. Ein im Altkreis so bislang noch nie da gewesener Vorfall. Der Blick über den Tellerrand hinaus aber beweist, auch andere Vereine in Deutschland müssen regelmäßig mit der Ausweisung eines beliebten Mitspielers und Freundes rechnen.

Ex-Steinhagener sollte zurück nach Georgien

Der Ex-Steinhagener Nick Mdoreuli etwa bangte Anfang April um seine Zukunft in Deutschland. Nachdem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)seine Klage gegen die Ablehnung seines Asylantrags abgelehnt hatte, musste der Georgier jederzeit mit einer Abschiebung rechnen. „Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt eine Nacht durchgeschlafen habe", berichtete der 22-Jährige damals von seiner Furcht, plötzlich im Flugzeug nach Georgien zu sitzen.

Sein damaliger Verein, der Bielefelder Westfalenligist VfL Theesen, startete daraufhin eine Petition und forderte den sofortigen Stop des Abschiebeverfahrens. Und auch der Deutsche Fußballbund (DFB) wandte sich an das Bürgeramt in Bielefeld. Bernd Barutta, seinerzeit Teamleiter Futsal,

Den hat Mdoreuli bis heute zwar nicht – dafür aber die Gewissheit, nicht in den nächsten eineinhalb Jahren ausgewiesen zu werden. Im Sommer erhielt eine temporäre Duldung. Der Futsalspieler kann seine zweijährige Ausbildung bei der Dekra in Bielefeld beenden, ohne Angst haben zu müssen, abgeschoben zu werden.

Weitere Fälle in Göttingen und der Oberpfalz

Mit dieser Furcht lebt in Göttingen ein Fußballer aus dem Sudan: Suleiman Baghit Yahya saß Anfang September schon in Abschiebehaft, als sein Club, der 1. SC Göttingen 05, zu einer Demonstration aufrief. Rund 130 Leute waren gekommen, um am alten Göttinger Rathaus gegen die gängige Abschiebepraxis zu protestieren. Mit überraschendem Erfolg: Nur kurze Zeit später kam Yahya frei. Die Freude darüber währte allerdings nicht lang. Denn weil er immer noch ausreisepflichtig ist, droht ihm weiter jeden Tag das Ende in Deutschland.

Ein Schicksal, das Yahya mit Shafi Husseini teilt. Der junge Afghane spielt bei SpVgg Trabitz in der Oberpfalz. Seine erste Geburtsurkunde, welche die deutschen Behörden aus Afghanistan bekommen haben, wurde nicht anerkannt. Der Vorwurf: Sie könnte gefälscht sein. Dagegen wehrt sich Husseini nun. Inzwischen wurde eine zweite Geburtsurkunde ausgestellt, die seit neun Wochen den Behörden in München vorliegt. Eine Reaktion blieb bisher aus. Der Verein hat indes eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen und sich an die Politik gewandt. Der Tenor: „Shafi muss bleiben." Er gelte als Paradebeispiel für Integration, heißt es von Seiten der SpVgg Trabitz. Der Ausgang der Geschichte? Ebenso offen wie die Zukunft Richard Frimpongs in Ghana.

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