Umstrittener Militärgruß im Fußballkreis: Türk Sport ahmt Nationalelf nach

Dennis Bleck,Nicole Bentrup

in Foto, das für Aufsehen sorgt: Die erste Mannschaft des FC Türk Sport salutierte vor dem sonntäglichen Bezirksliga-Spiel gegen den FC Augustdorf nach dem Vorbild der türkischen Nationalmannschaft. Eine Geste, die nun sportstrafrechtliche Folgen haben könnte. Foto: privat - © Fupa
in Foto, das für Aufsehen sorgt: Die erste Mannschaft des FC Türk Sport salutierte vor dem sonntäglichen Bezirksliga-Spiel gegen den FC Augustdorf nach dem Vorbild der türkischen Nationalmannschaft. Eine Geste, die nun sportstrafrechtliche Folgen haben könnte. Foto: privat (© Fupa)

Bielefeld/Altkreis Halle. Der FC Türk Sport könnte Probleme bekommen: oder vielmehr könnten es einige Spieler. Vor ihrem Meisterschaftsspiel am vergangenen Wochenende salutierten die Kicker des derzeitigen Bezirksliga-Spitzenreiters. Der Militärgruß, mit dem der türkische Nationalspieler Cenk Tosun sein Tor gegen Albanien feierte, gilt als umstritten. Er wird mit der fragwürdigen Offensive türkischer Streitkräfte in Nordsyrien in Zusammenhang gebracht. Die UEFA hat Ermittlungen gegen den Verband eingeleitet, weil die Türkei nach dem 1:1 in der EM-Qualifikation gegen Frankreich erneut militärisch jubelte. Nun haben auch der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) sowie der hiesige Fußballkreis angekündigt, hart gegen Nachahmer vorzugehen.

Militärgruß stelle keine politische Botschaft dar

„Wir haben eine ganz klare Linie, die besagt: Null-Toleranz für solches Gebaren", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme, die der FLVW gestern Mittag veröffentliche. Andree Kruphölter, im Präsidium für Rechtsfragen zuständig, kündigte sportstrafrechtliche Verfahren wegen unsportlichen Verhaltens vor dem Verbandssportgericht an. Schon am Dienstag hatte der bayrische Fußballverband als erster Landesverband erklärt, dass jeder Fall von Nachahmung vor dem Sportgericht verhandelt werde. Im Süden der Republik sind am vergangenen Spieltag ebenfalls mehrere Aktive beim Militärgruß fotografiert worden.

Ugur Pamuk, Trainer des FC Türk Sport, versteht den ganzen Wirbel um dieses Thema nicht. Er erklärt: „Wir haben am Sonntag eine Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags in Halle eingelegt. Und im Anschluss daran mit dieser Geste unser Mitgefühl für die gefallenen Soldaten im Krieg zwischen der Türkei und Syrien gezeigt. Das macht man bei uns so." Auch einige Zuschauer am Kupferhammer hätten den Gruß erwidert. Türk Sports Pressesprecher Cengiz Kühla bekräftigt, dass der Militärgruß „keine politische Botschaft darstellt". Vielmehr zeige er nur, dass die Spieler mit ihren Gedanken bei den Soldaten seien. Es werde weder Staatschef Recep Tayyip Erdogan gegrüßt noch dessen Politik befürwortet.

Drei Vereinen aus dem Kreis Recklinghausen wird der Prozess gemacht

Dennoch droht dem FCT nun Ärger. Denn auch Riza Öztürk, Integrationsbeauftragter des FLVW, befürwortet den Kurs, Nachahmern der umstrittenen Geste den Prozess zu machen. „Wir können und müssen Strafen aussprechen, um zu signalisieren, dass wir so etwas nicht dulden. Gleichzeitig suchen wir den Dialog mit den Vereinen und bieten unsere Hilfe an", sagt Öztürk, der auf den Sportplätzen der Region auch als Schiedsrichter bekannt ist.

Ob es den Kickern vom Kupferhammer nun so ergeht wie drei Vereinen aus dem Kreis Recklinghausen, ist derzeit noch offen. Dort müssen sich die Clubs vor dem Verbandssportgericht verantworten, wie dessen Kreisvorsitzender Hans-Otto Matthey bestätigte.

FCT-Trainer Pamuk hält eine Bestrafung für falsch

FCT-Trainer Pamuk indes hat eine klare Meinung. Eine Sanktion gegen seinen Verein hält er für falsch. „Es kann nicht sein, dass wir dafür bestraft werden, dass wir gefallenen Soldaten gedenken", sagt der 30 Jahre alte Ex-Profi. Überhaupt fände er es übertrieben, wie in den Medien über das Thema berichtet werde.

Weitere derartige Beileidsbekundungen gab es am Wochenende auf den Sportplätzen in Bielefeld und im Altkreis nicht, wie Kreisschiedsrichterausschussvorsitzender Philip Dräger berichtet. „Mir sind keine ähnlichen Verhaltensweisen bekannt", sagt er. Eine offizielle Anordnung, wie sich die Unparteiischen bei solchen Vorfällen zu verhalten haben, gibt es im hiesigen Fußballkreis nicht. Laut des Kreisvorsitzenden des Fußballkreises Bielefeld, Markus Baumann, gehe ein solcher Verstoß gegen den Ethik-Kodex in jedem Fall direkt an das Verbandssportgericht – und damit auch der Fall FC Türk Sport, der wohl in den kommenden Tagen offiziell Stellung zu der Aktion vom Wochenende beziehen muss.

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