Ironman Eike Diestelkamp ist auf Hawaii gelandet

Am nächsten Samstag startet der gebürtige Brockhagener bei der Weltmeisterschaft auf der Pazifik-Insel. Im Kopf ist er die letzten Meter schon einige Male gelaufen.

Florian Gontek

„Shaka“: Eike Diestelkamp ist entspannt auf Hawaii gelandet. Das zeigt er mit dem Hang Loose – einem Gruß, der vor allem unter Surfern verbreitet ist. Foto: privat - © privat
„Shaka“: Eike Diestelkamp ist entspannt auf Hawaii gelandet. Das zeigt er mit dem Hang Loose – einem Gruß, der vor allem unter Surfern verbreitet ist. Foto: privat (© privat)

Altkreis Halle/Kailua-Kona. Es ist kein Bild mit Luftballons in den Händen. Auch keines, auf dem jemand allein vor allen anderen als Sieger die Linie überquert – und doch ist es eine wohlige Vorstellung. „Lächeln möchte ich auf jeden Fall, wenn ich im Ziel ankomme. Das ist schon wichtig", sagt Eike Diestelkamp. Horcht man seinen Erzählungen, denkt man schnell an das »Runners-High«, dieses etwas mystische Glücksgefühl beim Ausdauersport, von dem so viele Athleten immer wieder berichten. Es ist manchmal da, viel schneller wieder weg.

An diesem Morgen, der grau und verregnet ist, wollte Eike Diestelkamp (38) eigentlich auf dem Rad sitzen. Fünf Stunden. Noch einmal reinhorchen in den Körper, noch einmal die richtige Trittfrequenz spüren. Doch es regnet in Ostwestfalen, ist windig und ungemütlich. Also auf die Rolle, ein paar Intervalle. Am besten zu »The Walking Dead« oder einem der Rambo-Filme. Irgendetwas, „ das richtig knallt". Fünf Stunden dauert das nicht. Also hat Diestelkamp Zeit zu erzählen.

Seit er im Oktober vergangenen Jahres, gemeinsam mit seinem Trainingspartner und baldigen Vereinskollegen beim TriTeam Gütersloh, Mario Radevic, in 9:24,10 Stunden beim Ironman Taiwan die Qualifikation für Hawaii perfekt gemacht hat, hat sich viel getan.

Ich habe alles gegeben - das ist ein gutes Gefühl

15 Stunden trainiert er durchschnittlich in der Woche. Er hat Liga-Wettkämpfe mit seinem Verein absolviert und im Juli die Langdistanz in Roth gefinisht (10:11 Stunden). Er hat weniger trainiert als in den Vorjahren (2.000 Radkilometer weniger als 2018, 4.000 weniger als 2017), dafür spezifischer für die extremen Bedingungen der hawaiianischen Vulkan-Landschaft. Auf dem Laufband rannte er in Winterjacke, lange Einheiten machte er ohne Powergels, oft nur mit Wasser, um seinen Körper zu gewöhnen. „Ich habe alles gegeben – und das ist ein gutes Gefühl", sagt Diestelkamp jetzt.

Eigentlich ist das, was der gebürtige Brockhagener, der in Gütersloh lebt, macht, auch ein bisschen irre. Er bereitet sich auf den Ironman Hawaii, dem ältesten Langdistanz-Triathlon der Welt, auf 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen vor – und nebenher arbeitet er etwa 60 Stunden in der Woche. Seit Sommer ist der Gütersloher auch Gesellschafter und Geschäftsführer des IT-Hauses ho.Systeme, in gleicher Position ist er bei HDNET in Werther tätig. „Meine Frau Caro unterstützt mich nicht nur, sie kennt den Sport auch – wir haben keine Kinder, sonst wäre das alles so nicht möglich", sagt Diestelkamp. Dazu kommt viel Disziplin, Mittagspausen-Einheiten im büroeigenen Fitnessstudio, ein gut organisierter Alltag.

Die Geburtstagsparty gibt es erst nach dem Wettkampf

Mitte dieser Woche sind er und seine Frau Caro auf Hawaii angekommen. Auch Mario Radevic ist schon da. Am 8. Oktober feiert Diestelkamp seinen 39. Geburtstag. Die Party gibt’s später. Gemeinsam mit seiner Frau bleibt er noch bis Ende des Monats auf Hawaii. „Vor dem Wettkampf kann ich das alles nicht richtig genießen", sagt er.

Dabei geht es ihm weniger um die Zeit am Ende auf der Uhr – wenn es denn keine 14 Stunden werden. Es geht ihm mehr ums Gefühl; das Drumherum aufzusaugen. Auf das Danach freut er sich. Er will Jugendlichen den Weg in den Sport weisen, mehr Segeln, mehr Zeit mit Frau und Freunden verbringen. Wie sich das im Ziel anfühlt, das weiß Diestelkamp „ziemlich genau". Er hat es schon ein paar Mal geträumt: Hauptsache lächeln.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.