Heiner Steinkühler spricht über seinen Abgang: „Ich habe ein paar Tränen verdrückt“

Christian Helmig

Rückraumshooter: Zwölf Jahre lang zählte Heiner Steinkühler zu den gefährlichsten Torschützen der Sportfreunde Loxten. - © Christian Helmig, HK
Rückraumshooter: Zwölf Jahre lang zählte Heiner Steinkühler zu den gefährlichsten Torschützen der Sportfreunde Loxten. (© Christian Helmig, HK)

Heiner, Orange oder Grün – welche Farbe steht Ihnen besser?

Heiner Steinkühler: Sie meinen das Trikot? An das Orange von Harsewinkel muss ich mich tatsächlich noch gewöhnen. Aber ich sage lieber mal unentschieden. Sonst setz’ ich mich gleich ins Fettnäpfchen (lacht).

Bei der Nachricht von Ihrem Wechsel dürften viele Fans zuerst an einen verspäteten Aprilscherz gedacht haben. Wie überrascht waren Sie selbst von der Anfrage aus Harsewinkel?

Steinkühler: Manuel Mühlbrandt (Harsewinkels Trainer, die Redaktion) und ich standen früher schon immer wieder mal in Kontakt. Aber ein Wechsel kam für mich eigentlich nie in Frage. Ich habe immer gedacht, dass ich in Loxten spiele, bis ich nicht mehr laufen kann.

Trotzdem haben sich sich am Ende für die TSG entschieden. Warum? Sportlich ist es ja ein Abstieg.

Steinkühler: Das stimmt. Aber mich reizt einfach die Perspektive, hier über einen längren Zeitraum etwas zu entwickeln. Harsewinkel hat mir einen Dreijahresvertrag gegeben. Wer weiß, ob es so ein Angebot für mich später noch einmal gegeben hätte. Außerdem ist es nah bei, das ist für meine Familie und mich sehr angenehm.

Hatte Ihre Entscheidung auch damit zu tun, dass sie in Loxten um Ihre Einsatzzeiten gefürchtet haben?

Steinkühler: Wenn ich nicht so viel und regelmäßig spiele wie ich es gewohnt bin, werde ich unruhig. Ich hatte hier nur noch ein Jahr Vertrag und der Verein hat ja bekanntlich eine Verjüngungskur eingeleitet.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich mit dem Gedanken angefreundet haben, Loxten zu verlassen?

Steinkühler: Das kann ich gar nicht beschreiben. Die ersten Tage waren echt schwer für mich. Nach zwölf Jahren ist der Verein für mich wie eine Familie geworden. Ich kenne hier jeden und es lag mir sehr am Herzen, dass ich mit allen im Guten auseinandergehe. Bei meinem Abschied am letzten Dienstag hab ich sogar ein paar Tränen verdrückt.

Wie haben Ihre ehemaligen Mitspieler reagiert?

Steinkühler: Die Gespräche mit Harsewinkel haben sich über sechs Wochen hingezogen. So lange habe ich es im Mannschaftskreis für mich behalten. Im Nachhinein habe ich aber fast mit allen gesprochen oder geschrieben und nicht einen doofen Spruch bekommen. Wenn man vernünftig darüber redet, versteht jeder, dass ich die Entscheidung nicht aus Lust und Laune getroffen habe.

Wie waren die ersten Tage im neuen Team?

Königstransfer: Heiner Steinkühler (Mitte) mit Harsewinkels Vorsitzendem Hans Feuß (links) und Trainer Manuel Mühlbrandt. - © TSG Harsewinkel
Königstransfer: Heiner Steinkühler (Mitte) mit Harsewinkels Vorsitzendem Hans Feuß (links) und Trainer Manuel Mühlbrandt. (© TSG Harsewinkel)

Steinkühler: Mannschaftlich 1a. Die Harsewinkeler sind ein ähnlich eingeschworener Haufen wie wir es in Loxten waren, und sie haben mich sehr gut aufgenommen. Es ist eher so, dass ich selbst im Kopf noch nicht ganz frei bin und mir viele Gedanken mache. Aber das wird sich in den nächsten Tagen schon ändern.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie am Samstag zuerst die Kabine der Heimmannschaft ansteuern?

Steinkühler: Ich hoffe, dass Nils Patzelt mich wie immer in den vergangenen Jahren wieder mit zur Halle nimmt. Dann muss ich schon aufpassen, dass ich nicht durch die falsche Tür laufe und mich hinterher am Loxtener Bierschrank vergreife (lacht).

Spätestens durch Ihre Verstärkung ist Harsewinkel für viele Experten der Topfavorit auf den Aufstieg aus der Verbandsliga. Sehen Sie das genauso?

Steinkühler: Das wären sie wahrscheinlich auch ohne mich gewesen. Die Mannschaft ist in der Breite viel besser aufgestellt als letzte Saison. Wir brauchen deshalb auch nicht davon reden, dass wir unter die Top fünf wollen. Das Ziel ist der Aufstieg, auch wenn Brockhagen, Altenbeken und Isselhorst ebenfalls super Mannschaften haben.

Was trauen Sie Loxten ohne Ihre Tore in der Oberliga zu?

Steinkühler: Ich glaube, dass sich die Zielsetzung durch meinen Abschied nicht verändert hat. Wenn die Mannschaft von Verletzungen verschont bleibt sollten sie Platz vier auf jeden Fall bestätigen. Wenn alles passt, sind vielleicht sogar die ersten drei drin.

Sie sind 33 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch Handballspielen?

Steinkühler: Ich gehe davon aus, dass ich die drei Jahre in Harsewinkel voll mache. Mindestens. Körperlich fühle ich mich momentan richtig gut und hatte lange keine Verletzung mehr.

Ist eine Rückkehr nach Loxten denkbar?

Steinkühler: Man soll nie nie sagen.

Info
1.600 Tore in zwölf Jahren
• Heiner Steinkühler (33) begann seine Handballkarriere beim TuS Borgholzhausen. In der C-Jugend wechselte er zur Spvg. Hesselteich.
• 2006 wagte der Rückraumspieler den Schritt zu den Sportfreunden Loxten in die Verbandsliga und wurde dort Stammspieler.
• In den Spielzeiten 2008/09, 2009/10 und 2013/14 sicherte sich der 1,97 Meter große Rechtshänder jeweils den Titel des Altkreistorschützenkönigs. Insgesamt erzielte er in zwölf Jahren rund 1.600 Tore für Loxten.
• Dazwischen lag ein einjähriges Intermezzo beim damaligen Drittligisten TSG A-H Bielefeld in der Serie 2012/13.
• 2013/14 kehrte er zurück nach Loxten und stieg mit den Sportfreunden in die Oberliga auf.
• Der Wirtschaftsfachwirt ist verheiratet. Seine Frau Sophie und er sind seit Anfang Mai stolze Eltern von Töchterchen Leni.

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