Abstieg statt Aufstieg: Warum sich die Damen des TC BW Halles vom Profisport verabschieden

Tennis: Obwohl sich das Team sportlich qualifiziert hat, verzichtet der Club zum zweiten Mal auf das Startrecht in der zweiten Bundesliga. Die Konsequenzen sind diesmal weitreichender als vor einem Jahr

Christian Helmig

Verhinderter Zweitligist: Derya Turhan (von links), Luisa Meyer auf der Heide, Anna-Lena Linden, Jainy Scheepens, Jaimy-Gayle van der Wal und Claire Verwerda werden in dieser Formation wohl nicht mehr für den TC BW Halle spielen. Foto: Kurt Vahlkamp - © Kurt Vahlkamp
Verhinderter Zweitligist: Derya Turhan (von links), Luisa Meyer auf der Heide, Anna-Lena Linden, Jainy Scheepens, Jaimy-Gayle van der Wal und Claire Verwerda werden in dieser Formation wohl nicht mehr für den TC BW Halle spielen. Foto: Kurt Vahlkamp (© Kurt Vahlkamp)

Halle. Für die Damen des TC BW Halle lief in der abgelaufenen Regionalliga-Saison alles nach Plan. In acht Partien mussten sie sich nur der übermächtigen Reserve des TC Bredeney geschlagen geben. Weil diese aber nicht aufsteigen durfte, ging das Ticket zur zweiten Bundesliga an den Vizemeister aus der Lindenstadt.

Gut einen Monat nach dem letzten Spieltag folgte jetzt die Ernüchterung: Per E-Mail hat der Verein seine Mitglieder darüber informiert, dass er das Aufstiegsrecht nicht wahrnehmen wird. Die Begründung liest sich ähnlich wie bei der Abmeldung der Herrenmannschaft aus der Bundesliga im vergangenen Jahr: „Aufgrund der Entwicklungen, die unseren Hauptsponsor (die Gerry Weber AG, Anmerkung der Redaktion) betreffen, hat sich der Vorstand entschieden, die finanzielle Belastung, die durch einen Aufstieg in die 2. Bundesliga entstehen würde, nicht einzugehen", heißt es in dem Schreiben, das von den Zweiten Stellvertretenden Vorsitzenden Ulrike Tappmeier und Anette Staubach sowie Schatzmeister Bernd Pohlmann unterzeichnet ist.

Doch damit nicht genug: Statt erneut in der Regionalliga aufzuschlagen, werde die erste Damenmannschaft in der kommenden Saison sogar eine Klasse tiefer, in der Westfalenliga, gemeldet. „Diesen Schritt bedauern wir alle sehr, zumal die Damen den Aufstieg aus sportlicher Sicht mehr als verdient hätten", schreibt der Vorstand.

Das findet auch Derya Turhan. „Wir Spielerinnen sind alle überrascht. Theoretisch hätten wir aufsteigen können, jetzt steigen wir praktisch ab. Das wäre sehr schade", sagt die Mannschaftsführerin. Turhan hofft, dass das letzte Wort über die künftige Spielklasse noch nicht gesprochen ist. In jedem Fall, so glaubt sie, werde die Mannschaft in der neuen Saison ein anderes Gesicht bekommen. Ihre eigene sportliche Zukunft lässt Turhan offen. Sie sagt aber: „Ich würde den Verein nur ungern verlassen." Für die unpopuläre Entscheidung hat die langjährige Haller Leistungsträgerin gleichwohl Verständnis. „Finanziell ist die 2. Liga eine ganz andere Hausnummer", weiß Turhan.

DaLi übernimmt Aufgaben von Weber Management und Event

Das wirtschaftliche Risiko ist laut der Vereinsmitteilung vor allem dadurch entstanden, dass die Firma Weber Management und Event OHG, kurz M+E, über die bislang alle Sponsoren- und Spielerverträge abgewickelt worden seien, ihr „Geschäftsprinzip" geändert habe. Prokurist Ralf Weber wolle eine „Vermischung der Interessen des TC BW Halle mit denen des ATP-Rasenturniers (Noventi Open)" vermeiden, das ebenfalls von M+E vermarktet wird.

„Das heißt im Umkehrschluss, dass wir nunmehr auf uns selbst gestellt wären", schreiben die Vorstandsmitglieder. Da der Verein aufgrund seiner Gemeinnützigkeit aber keine Verträge mit Spielern und Sponsoren abschließen dürfe, werden diese künftig über die Agentur DaLi Sports Management laufen. Die wird seit längerer Zeit von Thorsten Liebich geführt, der zugleich Erster Stellvertretender Vorsitzender des TC BW Halle und seit Jahren für die meisten sportlichen Belange im Verein zuständig ist. Liebich werde deshalb „bei Entscheidungen zwischen dem Vorstand und DaLi nicht für den Vorstand stimmberechtigt sein wird", heißt es in der Mitteilung.



Kommentar: Abschied vom Profisport

Aus der Traum von großen Matches in Hamburg oder Berlin. Stattdessen wird es für die Damen des TC BW Halle im nächsten Jahr wohl nach Stukenbrock oder Ickern gehen. Nachdem schon die Herren aus der Regionalliga abgestiegen waren, komplettiert ihr Rückzug in die Westfalenliga den Abschied vom professionellen Tennissport aus Halle. Vor zwölf Monaten noch ein bundesweites Aushängeschild, droht der Club nun in der Versenkung des Verbands zu verschwinden. Wirklich verwundern darf diese Entwicklung niemanden, macht sie doch nur noch einmal deutlich, wie abhängig der TC BW Halle in der Vergangenheit von der finanziellen Gunst der Familie Weber gewesen ist. Man habe „eine wirklich gute Regelung für die künftige sportliche Ausrichtung des Vereins gefunden", heißt es in dem Schreiben des Vorstands an die Mitglieder. Signiert mit dem stolzen Hinweis, dass der TC BW Halle in den Jahren 2017, 2015, 2014, 2006 und 1995 deutscher Mannschaftsmeister war. Dass jemals ein weiterer Titel dieser Größenordnung hinzukommen wird, ist seit gestern weiter entfernt denn je.

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